1. Trainer sieht "Mobilität im Offensivbereich" ohne zwingenden Durchbruch zum Torerfolg

    Absolute Fußball-Magerkost beim 1:1 gegen Arminia Bielefeld / Hannover 96 will die Auszeit zur Findung neuer Stabilität nutzen

    Dieser Eintrag wird bereitgestellt durch Schaumburger Wochenblatt | Impressum

    HANNOVER (ro). Kalter Wind in der AWD-Arena. Nichts wärmendes für die Fans. Mehr als unspektakulär trennte sich Hannover 96 in der letzten Vorrundenbegegnung von Arminia Bielefeld 1:1 (1:0). Die Partie spiegelte die Mankos der gesamten Vorrunde perfekt wieder. Zudem tendiert der Anspruch auf geringstem Niveau. Trainer Dieter Hecking fand sein Team in der ersten Halbzeit "sehr mobil” und sah "offensiv genügend Varianten".

    Es war wohl doch eher eine Bewegungseinheit zwischen den Strafräumen, mit dem Versuch sicherer Ballstafetten. Entschlossenheit in Richtung des gegnerischen Strafraums fehlte völlig. Die Spielstatistik notierte letztendlich vier (!) Schüsse auf das Tor und vier Eckbälle. Viel zu wenig, um mit einem Sieg etwas beruhigter in die Winterpause zu gehen. Es ist überhaupt kein Selbstbewusstsein mehr vorhanden.

    Der Ausgleichstreffer nahm dem Team jegliche Stabilität. Die Ängstlichkeit wurde sichtbar in überwiegenden Quer- und Rückpässen. Eine Talfahrt ist es schon längst nicht mehr.

    Hannover 96 steht auf der Talsohle der Bundesliga mit nur 17 Pluspunkten. Keineswegs sollte man es als Lichtblick sehen, dass fünf Teams noch stärker im Schlamassel stecken. Hecking denkt dennoch positiv: "Aus der Talfahrt müssen wir unsere Stärken ziehen, dann geht es in der Rückrunde auch wieder berauf.” Er will nun mit seinem Trainerstab die holprige Vorrunde mit den wenigen Highlights analysieren, in der sein Team nie den richtigen Rhythmus fand. Zweifelsohne schätzt er die Qualität seines Kaders weitaus höher ein. Er will die dreiwöchige Vorbereitungszeit auf die Rückrunde intensiv nutzen. "Dann wird die Mannschaft auch wieder eine ganz andere Qualität zeigen!”

    Gemeinsam mit den sportlich Veranwortlichen will 96-Chef Martin Kind nun Antworten auf die vielen offenen Fragen noch vor den Weihnachtsfeiertagen finden. Die Möglichkeit den Trainer abzusetzen, ist aus seiner Sicht derzeit indiskutabel. Er hofft inständig, dass sich beim Coach durch die Krise neue Stärken öffnen. Die Analayse mit der sportlichen Leitung soll helfen herauszufinden, wo der Hebel für die Veränderungen anzusetzen sei. Die Ziele sieht der 96-Chef ganz nüchtern: Alles andere als der Klassenerhalt erscheint nicht mehr realistisch. Ein vernünftiger Start sei nun ganz wichtig. Sonst wird es in der Rückrunde hochgefährlich.

    An Explosivität mangelte es den Roten in der Partie gegen Bielefeld dauernd, trotz des 4-4-2-Systems mit Arnold Bruggink als Regisseur und Mike Hanke und Jiri Stajner im Angriff. Aus der Defensivbewegung heraus bemühte sich die Hecking-Elf sichtbar auf schnelles Umschalten. Szabolcs Huszti und Jan Rosenthal rochierten schon früh auf den Flügeln, und sorgten so für die nötige Flexibilität im 96-Spiel. Aber bis zum gegnerischen Kasten führte dieser Impuls nur selten.

    Infolge einer Phase, in der beide Seiten die Genauigkeit im Spiel nach vorne vernachlässigten, setzte 96 gleich mehrere Ausrufezeichen: Zunächst glänzten die Hausherren durch feines Kurzpassspiel über Rosenthal, Hanke und Huszti, worauf es Stajner nicht gelang, die Quervorlage des Ungarn aus kurzer Entfernung zu veredeln (30.). Sekunden später zog Bruggink von der linken Seite einen Freistoß aus 16 Metern direkt aufs Tor. Während jubelnde 96er den Ball bereits hinter der Linie gesehen hatten, entschied Schiedsrichter Helmut Fleischer allerdings dagegen (31.). Hannovers Unmut währte jedoch nicht lange: Bruggink schlug den folgende Eckstoß von der linken Seite präzise auf den ersten Pfosten, wo Stajner erfolgreich Gegenspieler Schuler abschüttelte, um daraufhin den Ball aus drei Metern freistehend zur verdienten 1:0-Führung einzuköpfen (32.).

    Kein verändertes Bild anfangs der zweiten Halbzeit: Hannover 96 bemühte sich im Spiel nach vorne, scheiterte allerdings am unpräzisen letzten Pass. In der 59. Minute ließen sich die Roten durch einen Konter kalt erwischen: Halfar schlug einen exakten Pass in den Lauf von Kauf, der die aufgerückte 96-Innenverteidigung stehen ließ und auf den parallel mitgegangenen Wichniarek querlegte. Anschließend musste Morten Jensen ohne Abwehrchance mit ansehen, wie der Pole vom Fünfer-Eck mühelos zum Ausgleich einnetzte und damit seinen zehnten Saisontreffer verbuchte (59.).

    Zum Ende verflachte die Begegnung stetig. Arminia Bielefeld zog sich nach dem Ausgleich wieder kompakt in die eigene Hälfte zurück und lauerte auf Tempogegenstöße.

    Hannover 96 suchte nach dem richtigen Rezept, um die Deckung der Ostwestfalen zu knacken. Doch weder der eingewechselte Jan Schlaudraff, noch der frisch in die Partie gekommene Mikael Forssell waren in der Lage, den Roten neuen Schwung zu verleihen.

  2. Kommentare

    Bitte melden Sie sich an