OBERNKIRCHEN (ih). Pleite ist pleite. Das wissen auch Obernkirchens Politiker und fahren seitdem einen Kurs der kleinen Finanzschritte. Doch als Kämmerer Wolfgang Seele im Finanzausschuss den Nachtragshaushalt vorstellte, schluckten die leidgeprüften Ausschussmitglieder tief. In der Vorbereitung auf die anstehende Umstellung der Haushaltsführung in die Doppik hatte die Verwaltung die Abschreibungen weitestgehend erfasst.
Rund 1,5 Millionen Euro tauchen an dieser Stelle auf. Ursprünglich waren knapp 400000 Euro veranschlagt. Die Doppik verlangt, dass das gesamte Vermögen der Stadt, also alle Gebäude, Straßen und Gegenstände bewertet werden.
Auf 17 Seiten sei beschrieben, wie mit welchem Gegenstand umgegangenen werden müsse, sagte Seele. "Da ist bald jedes Bonbon erfasst."
Mit jedem Jahr sinke der Wert beispielsweise einer Straße um vier Prozent, erklärte Seele, dann wäre die Straße irgendwann buchhalterisch bei Null angelangt. Nur durch Investitionen könne dieser Werteverlust aufgehalten werden. Die Verminderung des Vermögens wird buchhalterisch über die Abschreibungen dargestellt. Ein rein rechnerischer Wert also. Dessen Ausmaß die Politiker trotzdem erschütterte. "Da steckt Dramatik drin", sagte Horst Sassenberg (CDU) und auch Beate Krantz (CDU) zeigte sich irritiert. "Kommen wir da irgendwie wieder runter?".
Kämmerer Wolfgang Seele versuchte, den Ausschussmitgliedern zu verdeutlichen, dass dieser hohe Wert zunächst ein rechnerischer sei.
Es handele sich um eine "Buchung ohne Geldfluss".
Für die Eröffnungsbilanz im kommenden Jahr dürfte sich der Wert der Abschreibungen aber bei 1,5 Millionen Euro einpendeln. Und damit liegt Obernkirchen trotz hoher Schulden gleichauf mit anderen Kommunen. Seele blickte in die Nachbarschaft, nach Barntrup. Auch dort liegen die Abschreibungen in einem bisher ungeahnten Bereich um die 2,5 Millionen Euro.
Auch in direkter Nachbarschaft gestalte sich dieser bisher recht niedrige Wert dank der Vorbereitungen auf die Doppik in neuem Ausmaß. In der Kameralistik, der bisherigen öffentliche Buchführungsmethode, wurden weder Straßen noch Gebäude im Ganzen bewertet und dann abgeschrieben. Lediglich die Feuerschutzversicherung wurde abgeschrieben.
In der Eröffnungsbilanz der Doppik in Obernkirchen werden diese und andere Werte neu beschrieben. Im Februar will die Verwaltung diese vorlegen und im März wird der Stadtrat darüber abstimmen.
Den Haushaltsberatungen sehen alle Fraktionen gelassen entgegen.
"Die Verhandlungen werden nicht lange dauern, denn wir haben nichts zu verteilen," sagte Martin Schulze-Elvert (CDU). Der Kurs müsse weiterhin lauten "sparen, sparen, sparen".
Auch Bernd Kirsch (Bündnis90/Grüne) sagte, "wir sollten weiterhin das Vorsichtsprinzip gelten". Damit es irgendwann aus der Pleite wieder nach oben in Richtung schwarzer Null geht. Und die Überraschungen ausbleiben.