1. Kampf gegen Überschuldung

    Diakonie-Mitarbeiter berichten über ihre Arbeit

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    APELERN/RINTELN (al). Die Kinderarmut ist größer denn je. Diese Auffassung vertraten Mitarbeiter des Diakonischen Werks im evangelischen Kirchenkreis Grafschaft Schaumburg vor der Herbstversammlung des Kirchenkreistags. In ihren Sprechstunden erleben sie beinahe täglich Schicksale. "Ein Teufelskreis", klagte zum Beispiel Silke Schmidt. Sie weiß von Fällen, dass ältere Jugendliche besonders betroffen sind: Bei ihnen stehe Armut in Kombination mit fehlender Bildung und dem Gefühl, überall zu kurz zu kommen. Schmidt, die in Hessisch Oldendorf und Bad Nenndorf regelmäßig berät, nahm kein Blatt vor den Mund: Den gegenwärtigen Hartz IV-Satz in Höhe von 211 Euro für ein Kind bezeichnete sie "als Hohn". Das Geld reiche nicht "bei 13- bis 15-Jährigen, die essen und wachsen". Heftige Kritik richtete sie auch gegen die Konsumwirtschaft: Versandhäuser und Kommunikationsunternehmen gaukeln das perfektes System vor: Nicht nur Jugendliche glauben, sie könnten sich alles leisten. Die Folge: Allein in 2007 habe sie 130 Verfahren abgewickelt, weil Versandhausraten oder Handyverträge nicht mehr bezahlt werden konnten. In weiteren hundert Fällen habe sie Ratschläge gegeben.

    Neuerdings steige die Zahl von Hausbesitzern, die ihren Abtrag nicht mehr zu leisten in der Lage sind. Dann könne sie Einblick in "dubiose Kreditverträge überregionaler Banken" nehmen, deren Bedingungen "haarsträubend" seien: "Das ist dann selbstgemachte Kinderarmut."

    Martin Barwich von der Rintelner Sozialberatung nannte Beispiele, wie Betroffenen geholfen werde. So sei vor Wochen eine "Aktion Schulranzen" initiiert worden, bei der Familien Bargeld für ein "Schulstarterpaket" erhalten hätten. Barwich habe dabei eine Mutter erlebt, die sich unter Tränen für die "unbürokratische Hilfe" bedankt habe. Zusammen mit der Rintelner "Silvesterinitiative" werde gegenwärtig ein "Weihnachtswunschbaum" entwickelt. Dabei werden anonymisierte Kinderwünsche bis zu 40 Euro an einem Christbaum angebracht. Sponsoren können diese Wunschzettel an sich nehmen und diese Bitten erfüllen.

    Ein positives Beispiel, wie Kinderarmut in einer Kirchengemeinde thematisiert werde, lieferte die Hessisch Oldendorfer Jugendinitiative "Augen auf". Ihre Vertreter berichteten vor dem Kirchenkreistag über die bisherigen und die geplanten Maßnahmen. Zunächst sei mit Podiumsdiskussion und intensiver Öffentlichkeitsarbeit auf das Problem aufmerksam gemacht worden. In der jetzt konkreten Projektphase suchen die jungen Leute Firmen und Behörden, die konkrete Hilfe leisten können. Auch die Initiatoren selbst wollen anpacken – zum Beispiel mit der Unterstützung bei Hausaufgabenhilfen oder einem Zeltlager im kommenden Jahr für Kinder aus besonders bedürftigen Familien.

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