1. Auch Schaumburger gehörten zu den Siegern

    Helmut Grigull referiert im "Erzählcafé"

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    RINTELN (km). Das Heimatbund-Erzählcafé kennt keine Scheu, seinen Gästen in der Eulenburg auch anspruchsvolle Kost anzubieten - und die Besucher honorieren es Gastgeberin Ellen Genz mit ungebrochenem Interesse. So wie jetzt auch bei dem bewusst zugespitzten Thema "Preußen - Glanz und Gloria oder Schimpf und Schande?"

    Helmut Grigull reicherte sein Referat immer wieder auch mit lokalen Bezügen an.

    Volle zwei Stunden zog der eloquente Alt-Rintelner Helmut Grigull aus dem nahen Bünde als kundiger Referent die zahlreichen Zuhörer in seinen Bann. Von den namensgebenden "Pruzzen" bis hin zur aktuellen Gegenwart reichte der Bogen des mit vielen Bildern gespickten Vortrags. Lokale Bezüge machten den Nachmittag dabei für alle zusätzlich spannend.

    Das bis heute ungebrochen kontroverse Preußenbild in Deutschland hatte Grigull gleich bei seinem Einstieg griffig auf den Punkt gebracht: "Im Dritten Reich glorifiziert, dann verteufelt, danach totgeschwiegen und heute durch mancherlei Jubiläen wieder aktuell." Eroberungszüge und Christianisierung gleichermaßen prägen zum Beispiel die mittelalterlichen Anfänge der preußischen Geschichte: Als heidnisch wurde der baltische Volksstamm der Pruzzen vom Deutschen Ritterorden verfolgt und nach lang andauernden blutigen Auseinandersetzungen schließlich unterworfen.

    Anschaulich schilderte Grigull das wahrhaft historische Ergebnis: Mit dem Friedensvertrag von Krakau (1525) endet der Ordensstaat, der in ein weltliches Herzogtum umgewandelt wird. Fortan nannte sich der Ordenshochmeister "Herzog in Preußen".

    Der "Alte Fritz", Friedrich der Große (1712 bis 1788 ), fand als "die zentrale Figur Preußens" im Erzählcafe‘ besondere Aufmerksamkeit. Ganz in den Mittelpunkt stellte Grigull dabei den dramatischen Konflikt zwischen dem feinsinnigen, toleranten Friedrich und seinem unerbittlichen, absoluten Gehorsam einfordernden Vorgänger und Vater Friedrich Wilhelm I (1688 bis 1740).

    Als 1730 ein verzweifelter Versuch des jungen Kurfürsten aufflog, mit Hilfe seines Freundes Hans Hermann von Katte nach England zu fliehen, forderte der König für den Leutnant von Katte und seinen eigenen Sohn die Todesstrafe. Inhaftiert in der Festung Küstrin, musste Friedrich die Hinrichtung von Kattes mit ansehen. Ihn selbst bewahrte nur der Protest des Papstes vor dem gleichen Schicksal.

    Geradezu Weltgeschichte geschrieben, so Grigull, wurde in der blutigen Schlacht bei Minden am ersten August 1759. Was bei uns viel zu wenig bekannt sei: Das verbündete Heer der Engländer, Schaumburg-Lipper, Hannoveraner, Braunschweiger, Hessen-Casseler und Preußen besiegte überraschend eine zahlenmäßig überlegene französische Elitearmee. Die Folge: Frankreich scheiterte mit seinem Plan, das mit England in Personalunion verbundene Kurfürstentum Hannnover als Faustpfand gegen England im Kampf um die nordamerikanischen Kolonien zu besetzen.

    In der vordersten Front des Schlachtgetümmels damals mit dabei: Graf Wilhelm, mit seiner gefürchteten Artillerie ("Jeder Schuss traf"). So dürfen sich auch die Schaumburger besonders angesprochen fühlen, wenn im nächsten Jahr in der benachbarten Weserstadt das Jubiläum "250 Jahre Schlacht bei Minden" groß gefeiert wird.

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