1. Steil - mitten ins Zentrum des Gegners: Spitzen vollstrecken eiskalt die Vorlagen

    Hecking stellt zwei Stürmer auf und beide treffen / Mike Hanke mit Doppelpack / Konträre Halbzeiten / Zittern in der Endphase

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    HANNOVER (ro). Jeder Verein und jede Mannschaft hat schon einmal eine Krise durchstehen müssen. Hannover 96 steckt mittendrin. Fast wäre am Wochenende ein Paukenschlag gegen die Kritiker erfolgt. "45 Minuten reichen nicht für die Bundesliga”, wertete Fußballcoach Edmund Becker verärgert. Ohne Schmunzeleffekt hielte Dieter Hecking in der Pressekonferenz entgegen: "Manchmal reicht es eben doch". Besser waren das 3:2 zwischen Hannover 96 und dem Karlsuher SC kaum zu beschreiben. 96 hatte einen desolaten Gast zur Pause schon sicher mit 3:0 im Griff. Die Winzigkeit eines Gegentreffer per Foulelfmeter durch Antionio Silva drei Minuten nach Wiederanpfiff zeigte jedem der 32 400 Zuschauer in der AWD-Arena, wie wacklig 96 nach den jüngsten Misserfolgen geworden ist. In der Endphase lagen die Nerven blank, Zuschauer und Spieler zitterten sich gemeinsam zum Sieg. "Wichtig ist, dass man gestärkt wieder aus der Krise herauskommt", hatte 96-Chef Martin Kind vor der Partie formuliert. Und schon vor diesem Zittersieg klar unterstrichen: Es gibt keine Trainer- oder Sportdirektor-Diskussion. Hecking und Christian Hochstätter haben mein Vertrauen. Erstmals vertraute Hecking taktisch auf zwei Stürmer. Zu ähnlich im Stürmertypus - lautet bisher das angebliche Manko. Doch diesmal waren laut Hecking zwei Stoßstürmer erforderlich. Das gute Scoutingsystem der Roten hatte Schwächen hinsichtlich dieser Spielweise bei den Karlsruher Innenverteidigern gesichtet. Außendruck verneinte der Coach bei dieser Variante vehement. Die Doppelspitze stach: Mike Hanke erzielte in der 12. und 18. Minute seine ersten beiden Saisontore. Mikael Forsell steuerte mit seinem Treffer das 3:0 bei. Trotz der Führung war unverkennbar, wie die Roten bei der offensiven Ausrichtung noch immer nach Orientierung suchen. Kämpferisch und läuferisch waren jedoch Steigerungen zu sehen. Und - es gab die Variante steil in die Spitzen zu spielen. So waren die Treffer auch ursprünglich dieser Möglichkeit zu verdanken. Die Führung war indes auch nicht zu überwerten, Karlsruhe hatte sich einfach zu desolat präsentiert.

    In der zweiten Halbzeit zerbröckelte der positive Ansatz binnen Minuten. Das 1:3 durch einen berechtigen Elfmeter, den Frank Fahrenhorst verursacht hatte legte das instabile Nervenkostüm offen. Phasenweise bettelten die Spieler förmlich um Gegentreffer. Oft herrschte Wirrwarr in der Deckung, zu oft ging im Mittelfeld der Ball ohne Not flöten. Zum Glück nutzte Daniel Stindel eine von vielen KSC-Möglichkeiten erst in der 86. Minute zum 2:3-Anschlußstreffer. In der Nachspielzeit war es dann Torwart Florian Fromlowitz, der zwei Punkte rettete. Er lenkte in der Nachspielzeit einen Kopfball von Joshua Kennedy irgendwie noch über das Tor.

    Drei Punkte, die als Belohnung zwei freie Tage einbrachten, sollten das Selbstbewusstsein stärken. Die im Vorfeld gezeigte Selbstkritik sollte den Boden für weiteres Krisenmanagement bilden. Kind sah den Sieg als ersten Schritt und erwartet derzeit "keinen Schönheitspreis" bis zur Winterpause. Langfristig will er jedoch die Neuzugänge besser integriert sehen. So hockten die vorsaisonalen Hoffnungsträger Jan Schlaudraff und Mario Eggimann (Kurzeinsatz in den letzten zwei Minuten) nur auf der Bank. Der Boss sieht am Horizont zum Ende der Rückrunde schon wieder Besserung: "Wenn wir 22 Punkte holen, gebe ich einen aus.” Die Aufgaben lauten nun noch auswärts gegen den VfL Wolfsburg (7. Dezember, Sonntag, 17 Uhr) und am 13. Dezember um 15.30 Uhr in der AWD-Arena gegen den derzeitigen Tabellenvierzehnten Arminia Bielefeld.

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