HANNOVER (ro). Eine Woche war Zeit das Debakel aufzuarbeiten. Die Sportbegeisterten in der Region brennen auf das Resultat. Trainer- und Aufstellungsfragen standen im Mittelpunkt jeder Diskussionsrunde. Der Druck hat sich verschärft. Die Fans von Hannover 96 wollen eindeutig mehr Offensivgeist sehen. Viel wichtiger wäre jedoch erst einmal mannschaftliche Geschlossenheit. Diese demonstriert nicht nur die sportliche Leistung. Auch 96-Chef Martin Kind steht noch voll hinter seinem Personal. Schnellschüsse sind auch nicht das Metier des Unternehmers. Bis zur Winterpause wird Trainer Dieter Hecking das Kommando führen - sollte sich bis dato kein Aufschwung zeigen, düften die Mechanismen der Branche greifen. Ganz in 96-Manier könnte es dann einen sauberen Schnitt geben. Ein neues Image durch das Festhalten am Coach und der langfristige angelegten Planung scheint aber eher der Fall. Nicht nur angesichts der finanziellen Möglichkeiten für 96 die effektivste Variante. Doch erst einmal sollte wieder gejubelt werden. Ein sicherer Heimsieg am Sonnabend gegen den Karlsruher SC könnte die aufgewühlten Gemüter der Sportbegeisterten merklich abkühlen.
So könnte 96 auflaufen: Fromlowitz – Cherundolo, Fahrenhorst, Eggimann, Rausch – C. Schulz, Balitsch, Bruggink, Huszti, Schlaudraff (Krebs) – Forssell (Hanke).
Nur zu gut kennen alle die Achterbahnfahrt der Saison: Deftige Klatschen gegen Leverkusen und Schalke vermischten sich mit glanzvollen Siegen über Gladbach und das Starensemble aus München. In der Folge ging es immer mehr abwärts für die Roten: Niederlagen in Berlin, Köln und zuletzt Frankfurt trübten den Gemütszustand an der Leine maßgeblich. Für das Heimspiel am Samstag gegen den KSC lautet die Mission demnach: Mit einem Dreier der Winterdepression vorbeugen und wieder durchstarten.
Dem Gegner aus Karlsruhe dürstet es nach nur einem Pünktchen aus den letzten acht Partien aber nicht minder stark nach einem Erfolgserlebnis.
Es war kein schönes, aber dafür packendes und von beiden Seiten hart umkämpftes Duell: Das 2:2 zwischen 96 und dem KSC in der letzten Saison. Während technische Finessen eher Seltenheitswert hatten, standen Grätschen, packende Zweikämpfe und erhitzte Gemüter dagegen hoch im Kurs. Auch nach dem 1:2-Rückstand in diesem Kampfspiel steckten die Roten nicht auf und ertrotzten am Ende immerhin noch einen Punkt.
Diese Kampfbereitschaft ließ die Hecking-Elf in der jüngsten Vergangenheit zum Leidwesen der Fans jedoch oft vermissen — und genau das will der 96-Coach ändern: "Wir müssen alles abrufen, was im kämpferischen Bereich möglich ist", so Hecking. "Wir werden laufen und kämpfen - dann kommt das Andere auch wieder dazu. Wichtig ist die Einstellung, mit der man auf den Platzt geht", schiebt der sportliche Leiter nach. "Der KSC wird nicht vor Selbstvertrauen strotzen", schätzt Hecking den Gegner ein, der es seit dem siebten Spieltag nur auf einen Bundesliga-Punkt brachte. "Sie haben Probleme im Defensivverbund und wir müssen diese Fehler aufdecken", fügt der 96-Coach hinzu. Hecking weiß aber auch um die Stärken der Badener: "Der KSC ist eine sehr gute Kontermannschaft — wenn man sie lässt". Dass die Becker-Elf, die momentan Platz 17 der Tabelle belegt, durchaus guten Fußball spielen kann, zeigte sie eindrucksvoll beim 3:3 gegen Leverkusen: Die Karlsruher holten einen 3:0-Vorsprung der Werkself sensationell auf. Was die Auswärtsbilanz gegen Hannover 96 angeht, gibt es für den KSC noch mehr aufzuholen: Mit sechs Niederlagen bei nur einem Sieg sind die Badener unter allen aktuellen Bundesligavereinen Lieblings-Heimgegner der Roten. Sollte die Hecking-Truppe diese Bilanz bestätigen können, wären die ersten drei der möglichen neun Zähler vor der Winterpause eingehamstert.
Einer der damals noch das KSC-Trikot trug, wird in der AWD-Arena dieses Mal im roten Dress auflaufen: Mario Eggimann. Der schweizer Nationalspieler stand sechs lange Jahre in Diensten der Badener und führte die Becker-Elf sogar als Kapitän an. Gastgeschenke an seinen alten Arbeitgeber will der Innenverteidiger aber nicht verteilen: "Die Freundschaft wird jetzt für eine Woche ausgeblendet. Wir sind alle voll auf das Spiel fixiert und machen unser eigenes Ding. Austauschen kann man sich dann nach dem Abpfiff wieder."
Während sich die Personallage in Hannovers Abwehrreihe langsam stabilisiert, treiben zwei angeschlagene Torjäger Sorgenfalten auf Heckings Stirn: Mikael Forssell (Schulterverletzung) und Jan Schlaudraff (Leistenprobleme) klagten beim Training weiterhin über Schmerzen und drohen weiter auszufallen. Definitiv fehlen wird dagegen Jiri Stajner, der seine Rotsperre absitzt. Für Michael Tarnat, Jan Rosenthal und Vinicius - alle auf dem Weg der Besserung - kommt das Spiel noch zu früh.
Die Langzeitverletzten Robert Enke (Kahnbeinbruch), Valérien Ismaël (Knieödem), und Altin Lala (Bandscheiben-OP) behalten ihren Status wohl noch bis zur Rückrunde bei.