STADTHAGEN (bb). 45 Bürger haben in einer Versammlung im Marie-Anna-Stift den "Förderverein ehemalige Synagoge Stadthagen" mit ihrer Unterschrift unter die Satzung aus der Taufe gehoben. Zweck des Vereins ist die Förderung des Andenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, Bürgermeister Bernd Hellmann wurde zum Vorsitzenden gewählt.
Der Vorstand des Fördervereins: Vorsitzender Bernd Hellmann (v. li.), der zweite stellvertretende Vorsitzende Andreas Kraus, der erste stellvertretende Vorsitzende Jürgen Lingner, Schriftführer Wolfgang Rehrmann und Kassierer Günter Möller.
Hauptamtsleiter Fritz Wehling (v. li.), Bettina Burger, Mitarbeiterin im Hauptamt, Bürgermeister Bernd Hellmann, Pastor Pönnighaus und Jürgen Lingner eröffnen die Gründungsversammlung des Fördervereins.
Einstimmig verabschieden die 45 Gründungsmitglieder des neuen Vereins die Satzung, die von einer von der Stadt Stadthagen gebildeten Arbeitsgruppe entworfen wurde.
Bernd Hellmann betonte während der Versammlung: "Dieses Projekt lebt davon, dass es eine möglichst breite Beteiligung findet." Tatsächlich hätten schon viele Bürger im Vorlauf ihre Hilfe angeboten. Die umfassende Bereitschaft zum Engagement im "Förderverein ehemalige Synagoge Stadthagen" zeigte sich auch in der Vielfalt der in der Gründungsversammlung vertretenen Gruppen und Organisationen. Diese reichte von den politischen Parteien, über die Kirchen und den islamischen Kulturverein bis zu den jüdischen Gemeinden von Bückeburg und Bad Nenndorf.
Die Versammlung und der Satzungsentwurf war von einer von der Stadt Stadthagen gebildeten Arbeitsgruppe vorbereitet worden, der neben Hellmann auch der Pastor der St. Martini-Gemeinde Klaus Pönnighaus, der Leiter des Arbeitskreises "Juden in Stadthagen" Jürgen Lingner, Hauptamtsleiter Fritz Wehling und die Mitarbeiterin des Hauptamtes Bettina Burger angehörten. Als Vereinszweck ist in der Satzung die "Förderung des Andenkens an die Opfer des Nationalsozialismus" festgehalten.
Ein entscheidender Schritt dahin wird der Ausbau und Erhalt der ehemaligen Synagoge in der Niedernstraße 19 sein. Das zuletzt als Lagerraum genutzte Gebäude soll zu "einem dauerhaften Dokumentations-, Gedenk- und Lernort über die Zeit des Nationalsozialismus in Schaumburg" werden.
Die ehemalige Synagoge soll eingebettet werden in ein System "künstlerisch gestalteter Erinnerungszeichen im öffentlichen Raum Stadthagens". Diese Erinnerungszeichen sollen ein Netzwerk historisch bedeutsamer Gedenkorte in der Stadt markieren. Gleichzeitig versteht sich der Verein als Teil eines landkreisweiten Erinnerungsprojekts und wird so die Verknüpfung mit Initiativen in anderen Teilen Schaumburgs suchen.
Bernd Hellmann berichtete, dass die Stadt einen Pachtvertrag über 20 Jahre mit den Eigentümern des Gebäudes abgeschlossen habe. Außerdem seien erste Arbeiten erledigt worden, um den Erhalt der ehemaligen Synagoge sicherzustellen und ihren Ausbau vorzubereiten. Klaus Pönnighaus regte an, dass sich der Verein darauf festlegen sollte, die Synagoge an eine jüdische Gemeinde in Stadthagen zu übergeben, falls sich eine solche eines Tages wieder bilden sollte.
Bernd Hellmann betonte, dass die Stadt Akzente gesetzt habe, um das Projekt anzuschieben. Die Kommune sei auch weiterhin bereit, den Verein nach Kräften zu unterstützen, letztlich sei es jedoch an der Bürgerschaft, diesen weiterzuentwickeln.
Hellmann erklärte sich bereit, dass Amt des Vorsitzenden für die erste dreijährige Legislaturperiode zu übernehmen. Er wurde einstimmig gewählt.
Sein erster Stellvertreter wurde der Leiter des Arbeitskreises "Juden in Stadthagen" Jürgen Lingner, zweiter Stellvertreter der Lehrer Andreas Kraus.
Das Amt des Kassierers übt der ehemalige Sparkassendirektor Günter Möller aus, als Schriftführer wird der stellvertretende Bürgermeister Wolfgang Rehrmann tätig sein. Die Versammlung bestimmte Stephanie Schädel, Mitarbeiterin des Bauamtes, zur Geschäftsführerin. Zu Beisitzern wurden die Lehrer Andrea Henning und Wilfried Brinkmann, der Künstler Frieder Korff, Dieter Esse, Ingenieur und Kirchvorstandsmitglied sowie Marina Jalowaja von der jüdischen Gemeinde Bad Nenndorf.
Die Anerkennung der Satzung durch das Amtsgericht erwarten die Organisatoren bis Ende des Jahres, so dass Mitte Januar das erste Vorstandstreffen des neuen Vereins stattfinden könnte.
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