HANNOVER (ro). Noch ist eine Niederlage Luft bis zu einem Abstiegsplatz. Trotz aller Bauchschmerzen bleibt es in der Führungsriege von Hannover 96 noch relativ ruhig. Sogar 96-Chef Martin Kind ruderte mit seiner letztwöchigen Forderung von "20 plus x Punkte” zurück. Nach den Unmutsäußerungen der Fans geht es schon ein wenig um Schadensbegrenzung. 19 Punkte könnten es nun jüngst nach Kind auch sein. Zugleich soll eine Rabattaktion die Fans ein wenig versöhnen. Die Marke Hannover 96 als Billigprodukt im Jahr des eigentlich höchsten Anspruches. Auch dieser Wink verdeutlicht es: Der Überlebenskampf ist auf allen Stationen eingeleitet. Wer bei den beiden Heimspielen gegen Karlsruhe und Bielefeld mit elf Freunden oder Freundinnen dabei sein will, zahlt den Preis für acht Karten. Dazu gibt es ein Gratis-Getränk. Advent, Advent ein Lichtlein brennt - eins der Hoffnung auf einen Nichtabstiegsplatz zur Winterpause. Vorteilhaft wäre jetzt endlich ein Auswärtserfolg.
"Wir fahren dahin, um zu gewinnen", gibt 96-Trainer Dieter Hecking die Marschroute vor. Hannover 96 gastiert am 14. Spieltag bei Eintracht Frankfurt. In der Tat sind die Roten nach der blamablen Heimpartie gegen Bochum nun auf fremden Platz in der Pflicht: Gerade gegen den punkt- und torgleichen Tabellen-Nachbarn aus der Main-Metropole wäre ein Auswärts-Dreier Balsam auf die wunde 96-Seele. Zwar plagen Hecking mit zahlreichen Ausfällen wieder "altbekannte Probleme", aber von diesen kann auch Friedhelm Funkel auf Seiten der Eintracht ein Lied singen. Für die Hessen ist der Dreipunkte-Druck nach der 0:4-Schlappe in Dortmund nicht weniger groß.
"Ich erwarte von den Spielern, dass sie sich nicht hinter den Verletzungen verstecken", fordert Hecking vor dem Eintracht-Spiel von seinen Schützlingen. Obwohl die Personalnot sich unter der Woche noch zugespitzt hat, gewinnt der 96-Coach der Situation durchaus auch Positives ab: "Es ist umso reizvoller mit dem letzten Aufgebot nach Frankfurt zu fahren, denn dass schweisst zusammen". Grund, sich zu beklagen, hätte der Trainer dabei allemal: Neben den Langzeitverletzten Robert Enke (Kahnbeinbruch), Valérien Ismaël (Aufbautraining), Jan Rosenthal (Muskelfaserriss), Vinicius (Wadenverhärtung), Altin Lala (Bandscheibenvorfall) und Michael Tarnat (Trainingsrückstand), sowie dem gesperrten Jiri Stajner, muss Hannovers sportlicher Leiter nun auch noch ohne Jan Schlaudraff (Leistenprobleme) auskommen. Als ob das nicht genug wäre, gibt es für Sonnabend zwei zusätzliche Wackelkandidaten: Sturmtank Mikael Forssell (Schulterverletzung) wird bestenfalls auf der Bank sitzen; Gaëtan Krebs (Virus-Infektion) stellt laut Hecking "ein ganz dickes Fragezeichen" dar. Nur gut, dass Frank Fahrenhorst und Florian Fromlowitz, die unter der Woche Trainingspausen einlegen mussten, rechtzeitig fit geworden sind und Hanno Balitsch seine Gelbsperre abgesessen hat - drei Lichtblicke gegenüber zehn Ausfällen. Vermutlich rück dadurch Sergio Pinto mit in die Startelf.
Frankfurts Kader gleicht momentan ebenfalls eher einem Lazarett: Eintracht-Trainer Funkel muss am Wochenende auf die Dienste von Chris (Schulter-OP), Amanatidis, Spycher (beide Knie-OP), Meier, Preuß, Bajramovic (alle Reha nach OP), Krük (Trainingsrückstand) und Korkmaz (Mittelfußbruch) verzichten.
Funkel sieht daher keines der Teams durch die Ausfälle des Anderen begünstigt: "Kein Vorteil. Wir stehen beide punkt- und torgleich auf Tabellenplatz zwölf. Mehr kann man nicht auf Augenhöhe sein." Durch die unmittelbare Tabellen-Nachbarschaft wäre ein Auswärts-Dreier für die Roten besonders hilfreich. Man würde mit der Eintracht einen direkten Konkurrenten schlagen und könnte sich somit etwas von den unteren Rängen distanzieren - wenn da nicht nicht diese Auswärts-Schwäche wäre.
Die Bilanz spricht Bände: Nur einen Zähler konnten die Roten in dieser Saison bisher auf fremden Plätzen ergattern. Um das zu ändern, erwartet Hecking, dass seine Jungs "mit deutlich mehr Konsequenz auftreten, um den Ruf als Auswärts-Schlaffis endlich abzulegen" und dass sie "gerade nach einer Führung dann auch mal konsequent weitermachen". Damit liegt er goldrichtig: Ob gegen Hoffenheim, Bremen, Köln oder Bochum - immer gab 96 eine Führung aus der Hand. Mehr Konsequenz lautet also die Devise.
Konsequenz legte die Funkel-Elf in dieser Saison bereits an den Tag: Alle drei Eintracht-Siege gelangen gegen vermeintlich "leichtere" Gegner wie Gladbach, Cottbus oder Karlsruhe. Dass Hannover 96 nicht in diese Riege der vermeintlich "leichteren" Gegner einzureihen ist, kann die Hecking-Truppe in der Commerzbank Arena unter Beweis stellen - auch mit dem "letzten Aufgebot".
Mit folgender Formation ist am Sonnabend, 15.30 Uhr, zu rechnen: Fromlowitz – Cherundolo, Fahrenhorst (C. Schulz), Eggimann, Rausch – C. Schulz (B. Schulz), Balitsch, Bruggink, Huszti, Pinto (Krebs) – Hanke.