1. 50 Gräber und ungezählte Namen

    Kirchengemeinden gedenken gemeinsam der "Reichspogromnacht" / Ausstellung ist Opfern gewidmet

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    RINTELN (km). Am vergangenen Sonntag wurde mit zahlreichen Veranstaltungen der "Reichspogromnacht" gedacht, in der die Nationalsozialisten die Synagogen der deutschen Juden schändeten und in Brand setzten. Auch in Rinteln gab es in jener Nacht Gewalt gegen Juden und ihr Eigentum. Die Rintelner Kirchengemeinden hatten aus dem Anlass einen ökumenischen Gedenksonntag organisiert.

    Den Auftakt bildete ein gemeinsamer Gottesdienst von Sankt Jakobi, Sankt Nikolai und Sankt Johannis, für den Superintendent Andreas Kühne-Glaser und Pastor Heiko Buitkamp von der reformierten Gemeinde verantwortlich zeichneten.

    Im Mittelpunkt des Gottesdienstes stand die Frage, "wie konnten Menschen so unmenschlich werden?" - Unmenschlichkeit, die sich am neunten November 1938 auch in Rinteln manifestierte, als die Fensterscheiben zahlreicher Geschäfte zu Bruch gingen. Die Dramatik der Vorfälle illustrierten Heike Tillich und Kurt Stade im Gottesdienst, als sie aus dem von Kurt Klaus verfassten Buch über "Rintelns Juden" vorlasen.

    In der Nikolai-Kirche wurde schließlich auch einige selbstkritische Töne laut. Superintendent Andreas Kühne-Glaser hatte bereits im Vorfeld darauf hingewiesen, dass bislang keine schriftlich belegten Reaktionen der christlichen Kirchen in Rinteln auf die Ereignisse der "Kristallnacht" bekannt seien. -

    Nach dem Gottesdienst trafen sich rund 80 Mitglieder der Gemeinden, zu denen sich auch die Katholiken von Sankt Sturmius gesellten, auf dem jüdischen Friedhof an der Ostertorstraße, an dessen Portal Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz zunächst eine Gedenktafel anbrachte.

    Rund 50 Gräber befinden sich auf dem Friedhof, aber ungleich länger waren die Listen mit den Namen Rintelner Juden, die Heiko Buitkamp, Dagmar Giesecke und Johannes Dallügge im Rahmen der Gedenkstunde verlasen - Namen, die zum großen Teil nie wieder gehört wurden.

    Im informativen Mittelpunkt des weiteren Tages stand eine Ausstellung in der Sparkasse an der Klosterstraße, zu der sich im Anschluss noch einmal rund 50 Besucher eingefunden hatten. Initiatorin Dagmar Giesecke wies vor Ort darauf hin, dass die Dokumentation unter dem Titel "Jeder Mensch hat einen Namen" ausschließlich den Opfern gewidmet sei - dass in einer weiteren Ausstellung jedoch auch nachmalig an die Täter erinnert werden sollte.

    Die Dokumentation über die individuellen Schicksale von jüdischen Bürgern in Rinteln während der Naziherrschaft ist noch bis zum 28. November zu sehen. Foto: km

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