BAD NENNDORF. Der Ort des Geschehens ist ein Waschsalon. Artig bedankt sich das Nordharzer Städtebundtheater im Programmheft beim Elektrofachmarkt Wyluda für die Bereitstellung einer Reihe von Waschmaschinen, die alle in Takt sind. Die Show kann also beginnen. Es erscheint Martin, wuselig der Kopf, abgetragen die Kleidung, scheu, verängstigt geradezu, verlassen von allen, auch von den Frauen. Das beklagt er zutiefst, eine geeignete Melodie mit Text dazu steht ihm zu Gebote. Kein Wort wird gesprochen, es wird nur gesungen. "Revuette" heißt denn auch diese Art der Präsentation, produziert vom Intendanten André Bücker für die Kammerbühne in Halberstadt.
Nicht lange bleibt Martin allein im Salon. Es kommt daher ein echter Kontrapunkt: ein Paket von blubberndem Fleisch, hinten so vorne wie hoch, in der Mitte ungerafft, ein Rock-Monster, das niedermacht, was auch nur einen hauch weniger Masse hat als er. Martin also wird auf´s Korn genommen. Aber ein Dritter stellt sich ein, einer von der feineren Sorte, abgehoben, ganz und gar mit sich zufrieden. Doch bald stellen sie fest: Irgendwie passen sie doch zueinender. In rasantem Spiel verändern sich die Charaktere, das jeweils anstehende Lied vermittelt ihnen die entsprechende Stimmung. So entsteht ein bunter Reigen von Trios, Duetten und Solovorträgen. Drei Herren also ziehen alle Register von Leidenschaften, ob "Die schöne Maid" besungen wird oder "Am Tag, als der Regen kam" oder "Merci für die Stunde, Chérie". Drei Herren also bestreiten den Abend, wirklich nur drei Herren? Nicht ganz. Unversehens reduzieren sie sich auf zwei Mannsbilder, der dritte Typ mutiert zum sexy girl, das die beiden Herren kräftig aufzumischen weiß. Herrlich führt der Dicke seine Pfunde ins Feld, um sie wirkungsvoll in den Dienst einer verfetteten Schlampe zu stellen. Norbert Zils übertrifft sich selbst in der Wahrnehmung dieser Doppelrolle. Ingo Wasikowski führt eindrucksvoll das hilflose Hascherl vor Augen, das froh ist, auch ein wenig Beachtung zu finden. Tobias Amadeus Schöner zeigt alle Facetten des Typs, der immer ein bisschen elitärer sein will als alle anderen. Nicht vergessen werden darf Edith Jeschke. Voller Verve bediente sie die Tasten des Klaviers, zuweile wohl mit etwas zu viel Furioso. Kann ein Abend gelingen, an dem nur ein Song an den anderen gereiht wird? Er kann, wenn drei Herren mit Liedern großer Diven unter dem Titel "Eine Dame werd´ ich nie" so viel Flexibilität, Begeisterung für die Sache an den Tag legen. Anhaltender Beifall war ihnen sicher. Oskar Wedel