1. "Acht Dukaten für einen Mord und schon ist die Sünde fort"

    "Hallo Luther": Freches Kinder-Musical am Reformationstag

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    RINTELN (km). "Ein‘ feste Burg ist unser Gott", sang die komplette Geistlicheit der lutherischem Kirchengemeinden in Rinteln zur Eröffnung des Singspiels "Hallo Luther" am gestrigen Reformationstag in der Nikolai-Kirche. Und Kreiskantor Wolfgang Westphal ließ als Solist sogleich die "ursprüngliche, viel fetzigere" Version des von Martin Luther im Jahr 1529 selbst geschriebenden Kirchenliedes folgen - eine fiktive Variante mit echtem Hit-Charakter, wie der Applaus in der fast voll besetzten Nikolai-Kirche zu interpretieren erlaubte.

    "Ein‘ feste Burg ist unser Gott", singen die lutherischen Pastoren um Superintendent Andreas Kühne-Glaser (mi.) als Prolog zum Kinder-Musical in der Nikolai-Kirche.

    Recht locker spielten dann auch die Kinder auf - die große Gesellschaft, die sich ausgerechnet anlässlich der Hochzeit von Martin Luther mit seiner "Käthe" eingefunden hatte. Dabei ging es in der Konversation nicht nur um das Heiraten, sondern auch ums "Kinderkriegen" - nachgerade skandalöse Sakrilege in den Augen der spröden katholischen Geistlichkeit, die seinerzeit immer noch das uneingeschränkte Sagen hatte. Da passte es prima ins revolutionäre Bild, dass die Braut, Katharina von Bora, selbst das Bier für die Feier gebraut hatte - und der des "Hedonismus" verdächtigte Reformator tatsächlich mehrfach nach einem Becher des güldenen Gerstensafes verlangte ("ich hab‘ vom vielen Reden schon eine ganz trockene Kehle").

    Dazu teilten die Kinder munter kleine Ohrfeigen in Richtung Rom aus. So hieß es bei der Diskussion um die 96 an die Tür gehefteten Thesen unter anderem: "Ich kann mir richtig vorstellen, wie der Papst im Petersdom auf und ab geht und sich ärgert." Und natürlich stellten die Kinder auch den unsäglichen "Ablass-Handel" an den Pranger: "Acht Dukaten für einen Mord, und schon ist die Sünde fort," hieß es in der frechen, mal verbal, mal vokal vorgetragenen historischen Sozialkritik.

    Das Singspiel mit Melodien von Gunther Mehner aus Bad Pyrmont und Texten von Gesa Rottler (Hannover) hatten Angelika und Wolfgang Westphal in den vergangenen Wochen mit den Kindern einstudiert. Zu den Mitwirkenden zählten Schülerinnen und Schüler der Grundschule Nord/Todenmann sowie die Vorgruppen und der Kinderchor der Evangelischen Singschule der Nikolai-Gemeinde. -

    Für die Organisatoren der alternativen Reformationstags-Veranstaltung ging es diesmal sicherlich auch darum, der beunruhigend zunehmenden "Halloween"-Bewegung Paroli zu bieten. So hatte Landesbischöfin Margot Käßmann im Vorfeld festgestellt, dass sich "ein Fest mit Kürbissen, Dekoartikeln und ein bisschen Spuk" zwar leichter vermarkten lasse als der Gedenktag an den Thesenanschlag Martin Luthers. Die kirchliche Erneuerung aber, die die evangelischen Christen am 31. Oktober feierten, hätten Entscheidendes zuwege gebracht. Gleichzeitig dürfe man nicht vergessen, "dass die Menschen im Mittelalter tatsächlich existenzielle Ängste vor Geistern hatten und die reformatorische Bewegung auch eine Befreiung von solchen Ängsten war." Foto: km

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