RINTELN. Anlässlich seines 100-jährigen Bestehens hatte der Heimatbund jetzt zu einem besonderen Vortrags- und Informationsabend eingeladen: Im großen Sitzungssaal des Rathauses referierte Petra Klug von der Bertelsmann-Stiftung zum Thema "Demographischer Wandel - Herausforderung und Chancen für die Kommunen". Initiiert hatte die Veranstaltung der Heimatbund-Arbeitskreis Denkmalschutz.
Die Bertelsmann-Stiftung gilt bundesweit als "Kompetenz-Zentrum" für Fragen des demographischen Wandels. Zu den Haupt-Aktivitäten der Initiative zählt eine Datenbank, in der für alle Kommunen über 5000 Einwohner detaillierte Fakten dargestellt sind.
Unter der Internet-Adresse "www.wegweiser-kommune.de" können diverse aufschlussreiche Zahlen abgerufen werden - mit Prognosen bis zum Jahr 2020. - Im Vordergrund des Vortrags sollten konkrete inhaltliche und strategisch Handlungsansätze stehen, wie der demographische Wandel auf örtlicher Ebene aktiv und positiv gestaltet werden kann. Die Hoffnung der Organisatoren, dass von der Veranstaltung Impulse für die zukünftige Entwicklung der Stadt ausgehen könnten, wurde dabei allerdings nicht erfüllt, da - anders als erwartet - der Referentin kaum wirklich spezifische Daten über Rintelns Infrastuktur bekannt waren. Deshalb blieben die wesentlichen Fragen innerhalb der versprochenen "Prognosen bis zum Jahr 2020" am Ende im Dunkeln. Die Diskrepanz - eingedenk der "Überalterung" der Gesellschaft - zwischen dem Machbaren und dem, was möglicherweise gemacht werden muss, konnte nicht aufgelöst werden: Die Einschätzung der pekuniären Entwicklung der kommunalen Finanzen innerhalb der nächsten zwölf Jahre etwa schien ebenso unmöglich wie die (ungestellte) Frage, ob es in 500 Jahren die Fußball-Bundesliga noch gibt. Auch bei der anschließenden Diskussion unter der Leitung des ehemaligen Schaumburger Oberkreisdirektors, Dr. Klaus-Henning Lemme, ging es über das Marginale nicht hinaus.
Die organisierte Opposition gegen die Ausweisung von neuem Bauland in der Nordstadt etwa verpasste die Chance, nachmalig ihre Motive öffentlich zu erläutern. -
"Hier steh‘ ich nun...", mag sich im übertragenden Sinn mancher Besucher am Ende gedacht haben - da nach dem Vortrag und der anschließenden Diskussion im bis auf den letzten Platz besetzten Saal offenbar niemand schlauer als zuvor war. Wenigstens mit ein paar kleinen Ausnahmen: Das "Median-Alter", das eine Population statistisch in zwei gleich große Gruppen teilt, soll in Rinteln innerhalb der nächsten zwölf Jahre von 43,3 auf 49 Jahre steigen.
Gleichzeitig, rechnet die Bertelsmann-Datenbank aus, wird die Bevölkerungsentwicklung von minus 1,5 Prozent in den vergangenen sieben Jahren auf minus 5,8 Prozent bis zum Jahr 2020 absacken. Ob sich indessen selbst noch so intelligent ermittelte statistische Prognosen erfüllen, ist vermutlich ebenso ungewiss wie die Wirksamkeit entsprechend gebotener Maßnahmen - mit denen sich Politiker etwa im folgenden (konstruierten) Beispiel äußerst schwer tun dürften: Zwei Mathematiker, die für das Bundesamt für Statistik arbeiten, stehen vor einem Kindergarten, als gerade fünf Kinder heraus kommen. Im nächsten Moment gehen drei Kinder hinein. Sagt der eine Experte zu seinem Kollegen: "Jetzt müssen noch zwei Kinder rein gehen, damit keines mehr drin ist."
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