EXTERTAL (km). "Kennen Sie Ihre Logistikkosten?" - Eine Frage, zu der sich auf der IHK-Veranstaltung "Dialog Wirtschaft/Wissenschaft" jetzt keiner der vierzig Unternehmensvertreter äußern mochte. Die Industrie- und Handelskammern (IHK) Lippe und Ostwestfalen hatten Unternehmen aus Ostwestfalen/Lippe dazu eingeladen, die Logistik-Kompetenzen des Fachbereichs Produktion und Wirtschaft an der Hochschule OWL kennenzulernen.
Geballte akademische Kompetenz beim "Dialog Wirtschaft/Wissenschaft" (vom links): Nicholas Boone, Wilfried Jungkind, Elke Kottmann, Dirk Schleuter und Gerhard Manthey.
Der Prodekan des Fachbereichs Produktion und Wirtschaft, Professor Dr. Nicholas Boone, konnte die Teilnehmer beruhigen: "Kaum ein Unternehmen weiß, was die Logistik, insbesondere die interne Logistik kostet." Das dürfe allerdings nicht so bleiben; denn nur wer seine Kosten kenne, der wisse, an welchen Schrauben man im Betrieb drehen müsse.
Gemeinsam mit Professorin Dr. Elke Kottmann, Professor Dr. Gerhard Manthey, Professor Dr. Wilfried Jungkind und Dirk Schleuter zeigte Boone an Praxisbeispielen, wie Unternehmen Kosten und vor allem Einsparpotenziale aufdecken und wie sie die internen und externen Logistikprozesse optimieren können. Weitere Themen waren die Entwicklung von Führungskompetenz und Risikomanagement in der Lieferkette.
Die vorgestellten Projekte machten neben der vielfältigen und hohen Kompetenz des Fachbereichs vor allem eins deutlich: Der geschulte externe Blick offenbart teilweise erhebliche Defizite. Innerbetriebliche Transportaufwände von 15 bis 25 Prozent an den Personalkosten seien keine Seltenheit, machte als Beispiel Gerhard Manthey deutlich: "Allein durch die Optimierung des Produktionsablaufs, die Bereitstellung von Produktionsmitteln und der Zwischenlagerung, könnten bei Unternehmen unter 100 Mitarbeitern pro Jahr ohne weiteres dreistellige Eurobeträge eingespart werden." Die Betreuungskosten der Hochschule amortisierten sich auf diese Weise oft bereits nach wenigen Wochen oder Monaten.
In den Projekten werden in erster Linie Studenten und junge Bachelor-Absolventen eingesetzt- was sich gleichermaßen für die Unternehmen und die Hochschule rentiere: "Eine bessere Vermittlung von jungen Fachkräften und aktuellem Know-How in die Unternehmen gibt es nicht," bilanzierte Matthias Carl, Innovationsberater bei der IHK Lippe. -
Die Industrie- und Handelskammern Lippe und Ostwestfalen laden in der Reihe "Dialog Wirtschaft/Wissenschaft" auch weiterhin zu unterschiedlichen Themen Unternehmen in die Hochschulen der Region ein. Ziel ist es, die Chancen des Wissens-Transfers bekannter zu machen. Das Rezept zum Erfolg: Der jeweilige Fachbereich stellt den Unternehmen aktuelle Praxisprojekte vor. "Damit bieten sich gute Einblicke in die vielfältigen Möglichkeiten der Zusammenarbeit," verspricht Matthias Carl. Noch wichtiger sei es freilich, dass man ins Gespräch komme - "denn Transfer funktioniert letztlich immer über Menschen."