1. Feuerwehrmänner sind keine Helden, auch sie benötigen Hilfe

    Seelsorger informiert Feuerwehrkräfte und bietet psychosoziale Unterstützung an

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    AUETAL-REHREN (tt). Durch die hohe Beanspruchung der Feuerwehreinsatzkräfte der Stützpunktfeuerwehr Rehren-Westerwald kommt es immer wieder zu Situationen, in denen die Helfer selbst Hilfe benötigen. "Wir sind keine Helden sondern Feuerwehrkameraden, die alles liegen lassen, um professionell zu helfen, wenn es notwendig ist", so der stellvertretende Ortsbrandmeister der Ortsfeuerwehr, Jürgen Menke. Allerdings würden die Feuerwehrleute bei ihren Einsätzen, vor allem auf der Autobahn, häufig mit schlimmen Erlebnissen konfrontiert, die nicht immer aufgearbeitet werden, obwohl die Kameraden darüber reden. "Die Verletzten werden im Krankenhaus behandelt und betreut, aber wir Feuerwehrkameraden sind meist auf uns gestellt", so Menke weiter. Daher hatte die Ortsfeuerwehr Rehren-Westerwald Pastor Frank Waterstraat, Seelsorger des Landesfeuerwehrverbandes (LFV), zu einem Vortrag in das Feuerwehrgerätehaus eingeladen. Über 30 Feuerwehrmänner aus Rehren, Rannenberg und Escher sowie Mitarbeiter des Rettungsdienstes der DRK waren zu dem Informationsabend gekommen. "Normalerweise dauert ein Vortrag zum Thema psychosoziale Unterstützung eine Woche. Wir machen quasi eine Druckbetankung innerhalb von knapp zwei Stunden", so Waterstraat zur Begrüßung. Feuerwehrangehörige seien Menschen und keine feuerfesten Maschinen oder Rettungsroboter. Als Menschen würden sie mit Leid, Tod und Endlichkeit konfrontiert. Dabei machten sie immer wieder die glückliche Erfahrung, wirksam und schnell geholfen und Leben und Sachwerte gerettet zu haben. "Aber sie stehen auch immer wieder – trotz ihrer Ausbildung und ihres persönlichen Einsatzes und ihrer technischen Geräte – hilflos vor der Zerstörung von Hab und Gut und Leben", so Waterstraat. Als besonders belastend würden Einsätze empfunden, bei denen Kinder, Freunde, Familienangehörige oder Kameraden betroffen sind. Manche Einsätze würden die Feuerwehrleute seelisch überfordern. "Dabei sind die Reaktionen von Menschen auf extreme und dramatische Erlebnisse sehr unterschiedlich", so der Seelsorger. Was ein Teil der Einsatzkräfte "wegstecken" und allein bearbeiten könnten, würde andere vielleicht an den Rand ihrer seelischen und körperlichen Belastbarkeit bringen. An Fallbeispielen erläuterte Waterstraat, wie die psychosoziale Unterstützung in der Vorbereitung, Einsatzbegleitung und Nachbereitung und –betreuung aussehen sollte. "Niemandem soll eingeredet werden, er sei auch dann hilfsbedürftig, wenn er mit schlimmen Eindrücken selbst vernünftig umgehen kann. Aber wer bei sich selbst und anderen bemerkt, dass man mit dem Erlebten nicht klarkommt, findet bei uns qualifizierte Angebote zur Begleitung und Betreuung", so Waterstraat abschließend und wies auf die Internetseite http://www.fuk.de/psychosoziale-unterstuetzung/ hin, auf der jeder Hilfe findet.

    Foto: tt

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