RINTELN (km). Anlässlich der Sonderausstellung "Vermächtnis der Jahrhunderte - die Schätze des Rintelner Stadtarchivs" bietet die Museumspädagogik-Abteilung der Eulenburg unter dem Motto "Mit Brief und Siegel" Work-Shops für Kinder von 10 bis 14 Jahren an.
Auf dem Programm stehen unter anderem Siegelschnitzen, das Entziffern alter Briefe und ein Einstieg in das Schreiben in Deutscher Schrift. Bei der ersten Zusammenkunft in den Ausstellungsräumen gab es unter der Leitung von Eleonore Schwabe gleich eine ordentliche Portion kurzweiligen Geschichtsunterricht - mit vielen praktischen Beispielen. Schon bald gelang es den Kindern dabei, gedruckte Fraktur- oder Sütterlin-Schrift zu identifizieren und auch zu lesen. Und es dauerte nicht lange, da konnten die angehenden "Schriftgelehrten" sogar mit den schwierigeren handschriftlichen Zeichen umgehen.
Eleonore Schwabe garnierte die praktischen Übungen mit diversem Hintergrund-Wissen. So erfuhren die Kinder, dass die heutige Schrift zunächst auf die Phönizier und Griechen zurück ging, bevor die Römer mit ihren 23-Buchstaben-Kapitalis die Grundlagen für die heutige Schrift entwickelten.
Der wohl bedeutendste Schreibmeister zu Beginn der revolutionären Renaissance-Zeit war Johann Neudörfer der Ältere (1497 bis 1563), der die Fraktur-Schreib- und Druckschrift erfand. Seine Schrifterneuerung war der Grundstein für die Entwicklung einer eigenständigen deutschen Schreibschrift. Unterschieden wurde damals drei Arten: "Fraktur" als langsam schreibbare Buchschrift, "Kurrent" als Konzept- und Verkehrsschrift sowie "Kanzlei" als Aktenreinschrift. Als Schreibgerät diente zunächst die Rohrfeder, die dann für 300 Jahre durch die "breitgeschnäbelte Vogelkielfeder" abgelöst wurde.
Der bekannteste Schrifterneuerer im 19. Jahrhundert war Ludwig Sütterlin (1865 bis 1917). Seine Schulausgangsschrift wurde ab 1924 verbindlich in den preußischen Grundschulen und damit auch in den meisten deutschen Ländern eingeführt. Bis 1934 gab es dennoch keine einheitliche deutsche Schreibschrift - bis 1941 die "deutsche Schreibschrift" verboten wurde. Von da an galt - bis heute - die lateinische Druck- und Schreibschrift.
Mehr Seminare gleicher Art für Kinder gibt es an vier weiteren Montagen - jeweils von 15 bis 17 Uhr in der Ausstellung im Museum: Am achten und am 29. September sowie am 13. und am 20. Oktober. Die Kosten betragen drei Euro oder zwei Euro für Geschwister. Wegen der begrenzten Plätze wird unter der Telefonnummer 05751/41197 um Voranmeldung gebeten. Foto: km