WIEDENSAHL (ro). Viele Autoren haben sich inzwischen an Wilhelm Busch, dessen Werk und dem nicht gerade geraden Lebenslauf versucht. Zu den erfolgreichsten zählt sicherlich Ulrich Gehre. Auf 15 Bücher zum Thema mit einer Gesamtauflage von knapp 50000 bringt er es inzwischen. Im Jahr des 100. Todestages machte der jetzt 84-Jährige wieder einmal Station im Wiedensahler Geburtshaus des Maler und Zeichners, Dichters und Denkers.
Der gebürtige Bad Bevensener (Lüneburger Heide) war nach eigenen Angaben vor mehr als 60 Jahren in seiner Göttingen Studienzeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg vom "Busch-Bazillus" befallen worden. Seither ließ ihn die Beschäftigung mit Werk und Mensch nicht mehr los. Schnell wurde Gehre, der seit 1951 als Journalist arbeitete und seine Karriere erst 1994 als Chefredakteur bei der Tageszeitung "Die Glocke" im westfälischen Oelde beendete, deutlich, dass Busch in seinem umfangreichen dichterischen Werk witzige, ironische und nicht selten auch nachdenkliche Anmerkungen für fast jede Lebenslage bereit hält.
In seiner Reihe "Wilhelm Busch und . . . " hat der Autor unter verschiedenen Gesichtspunkten nachgeblättert und herausgeschrieben, was der Urvater des Comic anzumerken weiß zu so unterschiedlichen Themenkreisen wie Wein, Bier oder blauen Dunst, zur Arbeit von Ärzten und Apothekern, von Schulmeistern und Schreiberlingen, von Advokaten und Musikusizi. Zitat-Sammlungen zu "Essen und Trinken", Verliebten und dem Dauerthema Geld runden die Palette der quadratischen Hardcover-Büchlein mit 100 bis 120 Seiten im Format 14 mal 14 Zentimeter ab. Eine Auflistung von Sinnsprüchen und aktuell zum 175. Geburtstag Buschs im Vorjahr eine Zitatensammlung komplettieren aktuell diese Serie, die auch im Museumsladen des Geburtshauses immer wieder nachgefragt werden.
Etwas anders nicht nur in der Aufmachung kommt unter dem Titel "Kochen mit Wilhelm Busch" ein "literarisches Kochbuch" daher. Hierfür konnte Gehre als Experten aus dem Schmiedegasthaus im Bad Nenndorfer Ortsteil Riepen den Sternekoch Ernst-August Gehrke als Koautor gewinnen. Dabei geht es nicht um exotische Leckereien sondern vielmehr um die solide Hausmannskost, die Wilhelm Busch vor allem im Haushalt seiner Schwester Fanny zu schätzen wusste. Gehre hat dafür vor allem die erhaltenen Briefe des Erfinders von "Max und Moritz" nach Hinweisen auf Keller und Küche durchforstet, Gehrke die Vorgaben ganz nach dem Busch-Vers "Lieb’s Gretchen! Halt dich wohlgemut / Regiere mild – und koche gut!" am Herd umgesetzt und aufgeschrieben. Alle diese Bände sind im Warendorfer Schnell-Verlag erschienen.
Bei seiner aktuellen Stippvisite in Buschs Geburtsort war der Autor, der dazu zahlreiche lokalhistorischen Veröffentlichungen zu seinem Wohnort Oelde und der näheren Umgebung veröffentlicht hat, nicht allein gekommen. "Die "Ü-55-Truppe" der evangelischen Kirchengemeinde Oelde hatte er – natürlich bestens informiert – nach Wiedensahl geleitet, wo auch das "Museum im Alten Pfarrhaus", in dem Busch zwischen 1872 und 1878 gelebt sowie zahlreiche seiner gro?artigen Bildergesichten zu Papier gebracht und seitenverkehrt auf die hölzernen Druckstöcke gezeichnet hatte, besucht wurde.