1. "Akkräärt" muss schon sein

    Henning Dormann erklärt wichtige Details bei den Trachten

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    RODENBERG (pd). Die Wogen haben sich langsam wieder beruhigt. Ein Leserbrief im "Schaumburger Wochenblatt" hat vor einigen Wochen für einigen Wirbel gesorgt. Darin kritisierte eine Leserin mit deutlichen Worten ihrer Ansicht nach fehlerhaft präsentierte Trachten bei den Gästeführungen im Staatsbad Nenndorf. Die Rede war sogar von "Mummenschanz", weil unter anderem der typische Punz (Haarknoten) fehlte, die Taille falsch saß und auch die Punzmütze nicht getragen wurde. Als ausgewiesener Experte von Trachten, vor allem der in dieser Gegend einst üblichen "Österten Tracht", lädt Henning Dormann zu einem Besuch ins Rodenberger Heimatmuseum ein. Dort sind eine Vielzahl an originalen Trachten und Accessoires zu sehen.

    Henning Dormann ist stolz auf die große Ausstellung von Trachten im Rodenberger Heimatmuseum. Hier können sich Interessierte einen Einblick über die Vielfalt der Trachten in der Region verschaffen.

    Der Besucher erfährt bei einem Besuch im Museum sehr viel über die Trachten. Die genaue Kenntnis darüber ist längst eine Wissenschaft für sich, denn die Tracht unterliegt gewissen Regeln, die aus unserem heutigen Kleidungsvertändnis längst verschwunden sind. Dormann, Vorsitzender des Rodenberger Heimatbundes und der "Niendärschen Kaumelkers", einer Trachtengruppe aus Horsten, ist bestrebt, den Interessierten viel über das vollständige Erscheinungsbild der Tracht zu erzählen. Unterstützt werden seine Ausführungen im Museum durch zahlreiche Schaustücke aus den Zeiten, als es noch üblich war, dass die Leute sich ausschließlich in Tracht kleideten.

    Ein Anliegen der "Kaumelkers" ist es, vor allem bei Auftritten korrekt aufzutreten. "Wir lassen niemanden von uns schlunterich herumlaufen", macht Dormann klar und bedient sich dabei des plattdeutschen Ausdrucks für "unordentlich". Und er führt weiter aus mit Anleihen aus dem Plattdeutschen "Wir sehen zu, dass alles akkräärt sitzt", sprich "akkurat".

    Bei der Taille angefangen, die man auf plattdeutsch "Kniarp" nennt. Das Oberteil der Frauentracht, bestehend aus "Kaput" und "Bostdauk" wird nach Originalvorlagen wenn nötig maßgenau neu geschneidert. "Originalstücke passen nur in den seltensten Fällen", führt Dormann weiter aus. Jeder Mensch habe eben eine andere Figur. Die Taille sitzt bei der "Österten Tracht", die im Raum Nenndorf und Lindhorst getragen wurde, erhöht, nämlich gleich unter dem Rippenbogen. "Das entspricht sicher nicht dem heutigen Modebewusstsein, aber darum kann es beim Tragen von Trachten nicht gehen", unterstreicht Dormann den Anspruch, stets "akkräärt" aufzutreten.

    Die genaue Lage der Taille könne sich der Laie in etwa so vorstellen, dass die untere Kante des "Kaput"-Ärmels oberhalb des Ellenbogens liegt, und am Körper auf nahezu gleicher Höhe, aber nicht tiefer, auch das "Bostdauk" endet. Hinzu kommt, dass das "Bostdauk" – übersetzt Brusttuch – den BH ersetzt. Erst das daraus folgende vollständige Erscheinungsbild der Tracht mit rotem Rock, Schürze, Schultertuch, Kragen (bei der "Österten"-Tracht "Hällschen" genannt), sowie der regional typischen Punzmütze würde der Trägerin der Tracht die festliche und unnachahmliche Erhabenheit verleihen, ist Dormann fest überzeugt. Da das Band für die Mütze heute wieder hergestellt wird, können auch Punzmützen bei Bedarf neu angefertigt werden. Die Punzmütze wurde früher übrigens auch alltags zur Arbeit getragen, sogar bei der Feldarbeit. Später, als man auf die Mütze bei der Arbeit verzichtete und zum Kopftuch überging, wurde der Punz mit einem zusätzlichen Kopftuch bedeckt.

    Das Rodenberger Heimatmuseum präsentiert auf 15 Figurinen die Entwicklung der Trachten über Jahrzehnte hinweg, aber auch das breite Spektrum der verschiedenen Ausführungen der Tracht. Es sind Arbeitstrachten zu sehen wie auch prächtige Brauttrachten. Zu bewundern sind Trachten, die die Frauen in tiefer Trauer getragen haben und solche, die beim sonntäglichen Kirchgang zu sehen waren. Dormann warnt davor, bei der Darstellung von Trachten von wichtigen Details abzuweichen. "Dann ist die Tracht nicht mehr authentisch und wir sollten lieber ganz auf sie verzichten", ist er überzeugt. Die Mütze darf also auf keinen Fall fehlen, ist sie doch das Erkennungszeichen der Österten Tracht.

    Das Heimatmuseum ist sonnabends und sonntags von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Foto:pd

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