1. Wenn "Frankfurter Wandervögel" ihre Schnäbel an einem Gedenkstein wetzen

    Denkmäler sind Zeitzeugen, die die Geisteshaltung und die Mentalität der Menschen widerspiegeln

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    RINTELN (ste). Ein "Stein der Weisen" ist er sicher nicht, eher ein "Stolperstein" oder "Stein des Anstoßes", der Gedenkstein mit der Inschrift "Klagt nicht - kämpft" auf dem Kollegienplatz vor der Hildburg-Realschule. Doch wie geht man mit Denk- und Ehrenmalen künftig in der Stadt um? Diese Frage stellten sich die Ratsmitglieder auf Antrag der WGS und Antje Rinne begründete für die WGS, warum sie eine ratsöffentliche Diskussion um Gedenksteine wollte und keine hinter verschlossenen Türen des Verwaltungsausschusses, wie es die Verwaltung insbesondere bei kleineren Umbauarbeiten wollte. Die Frage, wie man denn speziell mit dem Denkmal auf dem Kollegienplatz umgeht, betrachtete der Rat relativ einmütig. So stellte Gert Armin Neuhäuser fest, dass ein Wegschaffen des Steines, wie anfangs von einigen Kritikern gefordert, nun so gar nicht ins Bild passe: "Natürlich schreibt niemand auf einen Gedenkstein "Wir führten einen verbrecherischen Angriffskrieg auf fremden Boden!" Und dennoch habe jedes geschichtliches Gedenken seinen Platz und seine Bedeutung. Manchmal muss man die aber erklären, waren sich alle einig. So auch Ursula Helmhold, die als Schülerin eher unbefangen gedacht habe, dass sich der Spruch auf die Schule bezogen hätte. Auch sie war für eine erläuternde Tafel, ausgearbeitet durch Schülerinnen und Schüler der Schule. Und es gibt viele weitere Ehrenmäler, die zu "Denk mal" aufrufen. So steht am Eingang des Blumenwalls ein Denkmal mit der Inschrift "Aus Kampfes Nacht stieg auf mit Macht, der Sonne gleich, das deutsche Reich". Auch hier bedürfe es einer Auseinandersetzung mit der geschichtlichen Bedeutung.

    Wie gehen wir in Rinteln mit Denk- und Ehrenmälern künftig um? Diese Frage beschäftigte den Rat. Und im Blumenwall steht schon das nächste Denkmal, dessen Inschrift "Aus Kampfes Nacht stieg auf mit Macht, der Sonne gleich, das deutsche Reich!" zum Nachdenken anregt.

    Für Günter Maack sind Denkmäler Zeitzeugen, die die Geisteshaltung und die Mentalität der Menschen dieser Zeit widerspiegeln: "Und daraus kann man ja auch lernen!" Einen Schlussstrich unter die Diskussion zog dann Ulrich Goebel: "Wenn Frankfurter Wandervögel ihre Schnäbel an einem Gedenkstein wetzen, müssen wir nicht gleich so unruhig darauf anspringen!" Recht hat er, in Frankfurt stehen möglicherweise auch Gedenksteine oder Ehrenmäler, die unreflektiert nicht jedermanns Geschmack treffen dürften.

    Für den Rintelner Stein hat man eine gute Lösung gefunden. Der Landkreis Schaumburg teilte mit, dass sich Schülerinnen und Schüler des Gymnasium Ernestinum im Rahmen eines Geschichtsprojektes Gedanken über den Stein und seine Bedeutung machen werden und dieses Ergebnis will die Stadt erst einmal abwarten.

    Eine Entscheidung traf der Rat übrigens auch. Mehrheitlich will man es dabei belassen, dass sich der Verwaltungsausschuss mit dieser Frage im Einvernehmen mit dem jeweiligen Ortsrat beschäftigt.

    Foto: ste

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