BAD NENNDORF (Ka). Am Sonnabend protestierten 300 Menschen mit einer Demonstration für ein nazifreies Schaumburg in Bad Nenndorf und folgten in geschlossener Eintracht der Einladung des Bündnisses für ein nazifreies Schaumburg. Dieser Zusammenschluss galt dem Aufmarsch von 400 Neonazis. Der Bündnis-Pressesprecher, Daniel Franke, erklärt abschließend: "Mit dem Verlauf unserer Demonstration sind wir insgesamt zufrieden. Die Teilnehmerzahl lag in dem Rahmen, der durch die Art der Mobilisierung von uns erwartet wurde!" Wie zuvor angekündigt, war die Demonstration bunt, lautstark und friedlich. Kritik äußerte Franke am Verhalten der Polizei. Die massive Präsenz von Polizeikräften am Rande unserer Demonstration erschien uns auf Grund des absolut friedlichen Verlaufs überbertrieben. Trotz ihres zahlenmäßig großen Auftretens sah sie sich dennoch nicht in der Lage, unsere Demonstration von anreisenden Neonazis am Bahnhof zu trennen und stoppte uns daher auf dem angemeldeten Rückweg in der Bornstraße. Als überzogen empfanden viele Teilnehmer unserer Demonstration auch die lang andauernden Vorkontrollen, die insbesondere mit dem Auto angereiste Demonstranten über sich ergehen lassen mussten. Im Anschluss an die Demonstration fand eine Mahnwache am Gedenkstein für die im Faschismus ermordeten Jüdinnen und Juden aus Bad Nenndorf statt. Daniel Franke dazu: "Der Auftritt des Musik-Projektes Lebenslaute am jüdischen Gedenkstein war sicherlich einer der Höhepunkte des Tages. Wir hoffen, dass wir damit viele Bürger aus Bad Nenndorf erreichen konnten. Die relative Nähe der Mahnwache zur Aufmarschroute der Nazis konnte von uns dazu genutzt werden, den Neonazis lautstark unsere Ablehnung ihrer menschenverachtenden Ideologie hörbar zu machen. Zum Aufmarsch der Neonazis unterstreicht Franke: "Was wir hier in Bad Nenndorf erleben mussten, war eine deutlich ausgeprägte Verherrlichung des Nationalsozialismus. Besonders die Rede eines aus den Niederlanden angereisten Neonazi-Anführers hat uns schockiert. Während wir am jüdischen Gedenkstein eine Mahnwache abhielten, forderte er auf der rechten Zwischenkundgebung unter dem Applaus seiner Kameraden, den Staat Israel zu bombardieren. Wir gehen davon aus, dass derartige Aussagen den Straftatbestand der Volksverhetzung erfüllen und entsprechend verfolgt werden. Die im Vergleich zu den Vorjahren erneut gesteigerte Teilnehmerzahl auf Seiten der Neonazis hat endgültig verdeutlicht, dass diese Bad Nenndorf zu einem rechten Wallfahrtsort machen wollen und dass ein langfristiges antifaschistisches Engagement in der Kurstadt erforderlich ist. Wir hoffen, dass dies noch mehr Menschen erkennen und sich im nächsten Jahr mit uns zusammen gegen den braunen Spuk zur Wehr setzen".
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Tendenz zum rechten Wallfahrtsort erkennbar
Bündnis für ein nazifreies Schaumburg fordert langfristiges Engagement
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