1. Jeder nennt etwas anderes seine Heimat

    Heimatbund feiert 100-jähriges Bestehen / Festvortrag von Professor Hansjörg Küster

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    RINTELN (km). Seinen 100. Geburtstag feierte jetzt der Heimatbund Grafschaft Schaumburg. Bei der Festveranstaltung im Ratskeller konnte Vorsitzender Dr. Reinhard Kniewske neben Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier, Dr. Klaus-Henning Lemme, dem Vorsitzenden der "Schaumburger Landschaft", Rintelns Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz auch Professor Dr. Hansjörg Küster begrüßen. Der Präsident des Niedersächsischen Heimatbundes hielt dabei den Festvortrag zum Thema "Gedanken über Heimat im Jahre 2008".

    "Wir brauchen nach wie vor den Begriff Heimat": Professor Dr. Hansjörg Küster.

    Vor 100 Jahren, stellte Küster heraus, sei jedem klar gewesen, was unter "Heimat" zu verstehen sei. Heute indessen müsse man klar stellen, was man unter dem Begriff verstehen möchte. Unterm Strich stelle sich dabei letztlich "unbedingt" heraus: "Wir brauchen nach wie vor den Begriff Heimat, und wir brauchen Heimatvereine, die sich für die Heimat einsetzen."

    In der dörflich und kleinstädtisch geprägten Welt, die vor einem Jahrhundert bestanden habe, so Küster, seien die meisten Menschen mit dem gleichen Ort und dessen Umgebung ein Leben lang verbunden gewesen: "Die Menschen waren Mitglieder einer Gemeinschaft, die viel stärker als heute in sich abgeschlossen war, sie hatten die gleiche Sprache, die gleichen Sitten und Bräuche."

    In diesem Sinn bezeichne der Heimatbegriff wie kein anderer die emotionale Bindung von Menschen an einen Raum - was kein Widerspruch zu der Heimatkunde als nüchterner Wissenschaft sei. Letzlich brauche man beides: "Eine Wissenschaft muss die Objektivität im Visier haben, aber Emotionen sind individuell verschieden." Es sei sehr problematisch, betonte Hansjörg Küster, von vielen Menschen zu verlangen, dass sie identischen Emotionen über ihre Heimat haben sollten. Das würde nämlich bedeuten: "Alle Menschen, die im Landkreis Schaumburg wohnen, müssten von sich sagen, dass sie die gleiche Heimat haben." Das sei aber nicht so: "Wer aus Rinteln stammt, denkt etwas anderes über Heimat als derjenige, der in Möllenbeck oder Todenmann wohnt. Und der Blick auf Heimat fällt sogar anders aus, wenn man in Rinteln nördlich oder südlich der Weser lebt. Jeder Mensch nennt etwas anderes seine Heimat."

    Die Bedeutung des Museum Eulenburg hob Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz besonders hervor: Die Entwicklung des Heimatbundes sei immer eng mit dem jeweiligen Museumsgebäude verbunden gewesen. Deshalb sei es für die Zukunft des Heimatbundes von großer Bedeutung gewesen, "dass wir im Jahre 1999 die Eulenburg mit hohem finanziellem Aufwand grundlegend saniert haben und natürlich auch die Unterhaltung des Gebäudes sicher stellen." Die Eulenburg biete heute den äußeren Rahmen für ein Museum, "das nun ganz und gar nichts mehr mit den oftmals etwas verstaubt wirkenden Heimatmuseen der Vergangenheit" gemein habe.

    Buchholz lobte das Museum zudem besonders als "wichtigsten außerschulischen Lernort in Rinteln": Es fördere lokale Bildung und damit auch lokale Bindung. Es lade Kinder, Jugendliche aber auch Erwachsene zum Mitmachen ein und rege Einheimische und Besucher an, sich mit der Geschichte der Stadt auseinander zu setzen. 7550 Besucher im vergangenen Jahr seien eine stolze Zahl, die deutlich mache, dass das von Dr. Stefan Meyer unter modernsten museumspädagogischen Aspekten entwickelte Ausstellungskonzept greife. Die Kombination mit den zahlreichen Sonderausstellungen habe dem Museum ein Profil verliehen, das weit über die Stadtgrenzen hinaus Beachtung finde. Gemeinsam mit der Stadtbücherei, der Kreisjugendmusikschule und der Kreisvolkshochschule sei es wesentliches Element eines Kulturzentrums, das sich in den letzten Jahren um das Rathaus herum gebildet habe.

    Der Bürgermeister vergaß auch nicht, das finanzielle Engagement der Stadt zu erwähnen: "Bei allem ehrenamtlichen Engagement lassen sich die vielfältigen Aufgaben des Heimatbundes und der Betrieb des Museums nicht ohne eine laufende Grundfinanzierung lösen. Aus diesem Grund werden von der Stadtkasse jährlich mehr als 85.000 Euro an den Heimatbund überwiesen." Die Gründungsversammlung des Heimatbundes hatte vor 100 Jahren exakt an der gleichen Stelle im Ratskeller statt gefunden. Karl-Heinz Buchholz erinnerte an die Rede des damalige Landrates von Ditfurth, der darauf hingewiesen habe, dass die Pflege von Kultur und Historie nicht allein im Interesse des anwesenden Bildungsbürgertums liege. Denn "nicht eine Gruft für alte Sachen solle das Museum werden, sondern sich mit Anspruch der Gegenwart und Zukunft zuwenden". "Der Landrat," mutmaßte Buchholz, "hätte sicher seine Freude an dem modernen Ausstellungskonzept unseres Museums gehabt." Foto: km

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