1. Fachausschuss gibt Startschuss

    Kurstadt Bad Nenndorf für zwölf Jahre zum Sanierungsgebiet erklärt / Wertsteigerung der Immobilien

    Dieser Eintrag wird bereitgestellt durch Schaumburger Wochenblatt | Impressum

    BAD NENNDORF (pd). Nach einer vorbereitenden Sitzung des Bauausschusses und einer Informationsveranstaltung für Bürger vor wenigen Wochen ist jetzt der nächste wichtige formelle Schritt in Richtung Stadtsanierung erfolgt. Der Bauausschuss von Bad Nenndorf hat sich mit sechs zu einer Stimme dafür ausgesprochen, das Zentrum für die nächsten zwölf Jahre zum Sanierungsgebiet zu erklären. Bei der Festlegung der Grenzen gab es vor der Abstimmung allerhand Diskussionsbedarf. Während die einen davor warnten, wegen einer "Nachbesserung" wertvolle Zeit zu vergeuden, sprachen sich andere dafür aus, in Bezug auf die Ausdehnung auch den Agnes-Miegel-Platz mit in die Sanierungsfläche mit einzubeziehen.

    Im Zuge der Aussprache gab der parteilose Ratsherr Erwin Biener den Anstoß zu Überlegungen, warum denn der Agnes-Miegel-Platz nicht mit zum Sanierungsgebiet gehören würde und ob da noch Nachbesserungen möglich wären. Andreas Fedler (FDP) stimmte als einziger Ratsvertreter sogar gegen die Sanierung in vorliegender Form, weil er den Gesamtbereich als "viel zu groß" befand und für die privaten Grundstückseigentümer Nachteile befürchtet.

    Bei dem Sanierungsgebiet handelt es sich laut Untersuchung um "das enge Stadtzentrum der Stadt Bad Nenndorf mit seinem zentralen Versorgungsbereich". Dieses umfasst die Fußgängerzone mit direkt angrenzenden Bereichen als städtisches Versorgungszentrum sowie die Kurbereiche mit Wandelhalle und Thermalbad. Der historische Kurpark sowie die Rheuma-Klinik und die Klinik Niedersachsen werden als für die Kurstadt besonders bedeutsame Bereiche mit einbezogen. Das Untersuchungsgebiet hat eine Größe von rund 35 Hektar und beinhaltet den nach Osten bis zur Klinik Niedersachen erweiterten Stadtkern Bad Nenndorfs. Das im Untersuchungsergebnis so formulierte Sanierungsgebiet ist mit dem Sozialministerium abgestimmt worden.

    Über die Einbeziehung der Klinik Niedersachsen wunderte sich Ratsherr Biener. Er sah wenig Sinn darin, das Areal auf die östliche Hauptstraße hin auszudehnen und dagegen den Agnes-Miegel-Platz außen vor zu lassen. Gerade wegen der Vorgabe, ausreichend Parkplätze vorhalten zu müssen, sieht Biener dies als Widerspruch. Er stellte den Antrag, den Agnes-Miegel-Platz mit in die Sanierungsfläche einzubeziehen, konnte dafür aber keine Mehrheiten finden. Stadtplanerin Simone Strohmeier aus Celle sprach sich klar dagegen aus, die abgesteckten Grenzen zu verändern. Die Kliniken seien als wichtig für die Stadt eingeordnet worden und die Hauptstraße sei als verbesserungswürdig anzusehen. Nach ihren Erfahrungen sei es "sehr schwierig", die mit dem Ministerium festgelegten Bereiche nachträglich zu verändern. Wenn dies allerdings "dringend gewünscht werde", müssten neue Gespräche mit den zuständigen Stellen in Hannover erfolgen.Das sei, so auch Bauamtsleiter Hans Bernhard Kampen, nicht empfehlenswert. Das ganze Verfahren würde dadurch verzögert werden. Er gab aber auch zu, dass die Stadt sich zunächst unverbindlich auf ein Sanierungsgebiet festlegen könne. Dabei würde es sich lediglich um einen Grundsatzbeschluss handeln.

    Als viel zu groß schätzt der FDP-Fraktionssprecher Andreas Fedler den Sanierungsgürtel ein. Der Ratsherr würde es für besser halten, wenn sich die Stadt auf die "Big Points" im Stadtkern konzentrieren würde. Die privaten Grundstücke würden auf zwölf Jahre einen Sperrvermerk im Grundbuch eingetragen bekommen. Dadurch würde die Entscheidungsfreiheit der privaten Immobilienbesitzer entscheidend eingeschränkt werden, warnte Fedler.

    Diese Meinung konnte der Diplom- Ökonom Gerhard Kohle vom Sanierungsträger BauBeCon aus Bremen nicht teilen. Die Grundbuchvermerke seien lediglich ein Mittel, um Spekulationsgeschäfte zu vermeiden. Bad Nenndorf und seine Bürger könnten von Glück reden, überhaupt in das Programm aufgenommen zu werden. Er warnte auch davor, zum jetzigen Zeitpunkt an den Grenzen des Sanierungsgebietes zu rütteln. Die Eigentümer würden davon profitieren, dass Millionen in die Aufwertung des Gebietes fließen würden. Allerdings müssten die Anlieger auch damit rechnen, für die dadurch erreichte Wertsteigerung einen Ausgleich zahlen zu müssen. Dieser würde wieder in die Sanierung einfließen und werde, so der Experte, unter den allgemeinen Ausbaubeiträgen liegen.

    Mit klarer Mehrheit empfahl der Bauausschuss, den Startschuss für die Sanierung des Zentrums zu geben. Die Verwaltung erhielt vom Gremium den Auftrag, parallel zum jetzt laufenden Verfahren weitere Gespräche mit dem Ministerium zu führen und dabei abzuklären, ob der Agnes-Miegel-Platz nachträglich in das Gebiet eingearbeitet werden könne.

  2. Kommentare

    Bitte melden Sie sich an