AUETAL-REHREN (tt). Während die Katholiken auf ihrem Kirchentag in Osnabrück ein harmonisch fröhliches Fest des Glaubens feierten, sehen die Gläubigen der "St. Katharina-Gemeinde" Rehren eher düster in die Zukunft. Seit im Januar die Meldung aus dem Bistum Hildesheim kam, die Kirche zu schließen, kämpfen rund 650 Auetaler Katholiken um ihre Kirche.
Bei der Informationsveranstaltung des Kirchenvorstandes gab es den großen Meinungsaustausch und den Versuch, ein Konzept zu entwickeln, dass die Verantwortlichen in Hildesheim veranlasst, ihre Entscheidung noch einmal zu überdenken. Der Vorsitzende des Kirchenvorstandes, Friedrich Brehmeier und Antje Kronenberg vom Vorstand stellten den 36 anwesenden Gemeindemitgliedern noch einmal den derzeitigen Sachverhalt dar und forderte die Mitglieder anschließend auf, sich in eine Unterschriftenliste einzutragen. Diese Liste mit demnächst 2000 Unterschriften soll einem Brief folgen, der bereits dem Bistum zugegangen ist und wesentliche Punkte enthält, warum "St. Katharina" nicht sterben darf. In diesem Brief gibt Brehmeier die Größe der Gemeinde mit seinen 16 Ortsteilen als einen Grund an und die unzumutbaren Entfernungen für die Gottesdienstbesucher. "Wenn wie geplant, die Kirchengemeinden Bückeburg, Obernkirchen und Auetal zusammengelegt werden sollen und wir Auetaler nach Obernkirchen oder Bückeburg fahren müssen, ist dies in keiner Weise vertretbar", so Brehmeier, der weiter anführt, dass immer wieder Gäste aus dem nahen Hotel Mühlenhof zur Messe kommen und mit der Eröffnung des Seniorenheimes in Rehren weiterer Bedarf besteht, diesen Gläubigen eine offene Kirche zu bieten. Brehmeier griff auch den Gedanken auf, der schon einmal zur Diskussion gestanden hat. "Die Lage zur Autobahn eigne sich hervorragend, um eine Autobahnkirche einzurichten, zumal es zwischen Hannover und Diusburg keine einzige katholische Kirche an der A2 gibt". In dem Brief an das Bistum Hildesheim heißt es weiter: Als die Nachricht, das Gotteshaus soll verkauft, abgerissen oder umfunktioniert werden, durch die Medien ging, da waren die Herzen aller, auch von evangelischen Christen, voller Bestürzung, Trauer, Entäuschung, Wut und Ratlosigkeit. "Und wenn uns diese Kirche genommen wird, dann wird es keine 100 Jahre dauern, bis das Auetal wieder aussieht wie nach der Reformation bis Kriegsende, nämlich rein evangelisch, denn mit dem Tod der eigenen Kirche sterben besonders in der Diaspora die Gemeinden mit". Die Emotionen der Gemeindemitglieder waren in der Versammlung deutlich zu spüren, zumal einige nur die angespannte finanzielle Situation des Bistum als Grund für die mögliche Schließung ausmachen wollten. "Was passiert eigentlich mit unserer Kirchensteuer und warum hat die Kirche kein Geld mehr?", wollten einige aufgebrachte Zuhörer wissen, die mit Kirchenaustritt drohten und den Vorschlag unterbreiteten, man möge doch die Kirchensteuer im Ort behalten. Pastor Norbert Mauerhof, der nach der Pensionierung des langjährigen Pfarrers Welten die Gemeinde von Obernkirchen aus betreut, versuchte die Wogen zu glätten und Antworten zu geben. "Es bezahlen leider nur 20 Prozent der Katholiken ihre Kirchensteuer und durch den demografischen Wandel in unserer Bevölkerung sinken die Kirchensteuereinnahmen jährlich um ein bis zwei Prozent", so der Pfarrer, der die Schließung von Kirchengebäuden als eine Möglichkeit der finanziellen Sanierung ansieht. "Wir müssen uns leider von Gebäuden trennen, wollen wir funktionsfähig sein". Die Auetaler Gläubigen haben dennoch die Hoffnung, ihre Kirche erhalten zu können. Die 4000 Euro für die jährlich laufenden Kosten wollen sie sich durch Spenden oder die Gründung einer Stiftung hereinholen. Außerdem soll ein Konzept erarbeitet werden, wie das Leben in der Gemeinde wieder attraktiver gestaltet wird, um mehr Zuspruch aus den Reihen der Katholiken zu erhalten. Mit Pfarrer Matthias Ziemens, der zukünftig von Bückeburg aus die Auetaler, Bad Eilser und Obernkirchener Gemeinde betreuen muß, wollte man sich dann wenigstens auf einen samstägigen Abendgottesdienst festlegen, um überhaupt das Leben in der Gemeinde sicherzustellen.
Doch Ziemens mochte dafür noch keine Zusage machen, wie er auch in der Jugendarbeit keine Chance sieht, präsent zu sein. Bei rund 6000 Gläubigen in den künftig von ihm zu betreuenden Kirchengemeinden bleibt keine Zeit für gezielte Maßnahmen. Die katholische Kirche hat nicht nur ein finanzielles, sie hat auch ein personelles Problem zu lösen.
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Die katholische Kirche in Rehren ist Hort für 650 Gläubige.