BAD NENNDORF (pd). Lange war es unter Verschluss, jetzt ist das Gutachten des Europäischen Tourismusinstitutes (ETI) im Fremdenverkehrsausschuss der Kurstadt Bad Nenndorf präsentiert worden. 158 Kurorte in Deutschland sind darin nach rund 1000 Prüfkriterien unter die Lupe genommen worden.
Wirtschaftsförderer Martin Rode stellte einzelne Eckpunkte für Bad Nenndorf näher vor. Eine wichtige Aussage dabei: Laut ETI- Studie gehört Bad Nenndorf im Segment Gesundheitstourismus zu den "Premium-Orten.
ETI empfiehlt daher unbedingt, eine Spezialisierung innerhalb des gesundheitstouristischen Marktes. Einen erhöhten Handlungsdruck sehen die Prüfer im Bereich "Atmosphärische Aufwertung der Ortsdurchfahrt" oder dadurch, dass bei anonymen Stichproben ein Mangel an Restaurants der Einstufung "Gut und günstig" ermittelt worden ist.
"Wir müssen uns mit dem Ergebnis nicht verstecken", meinte der Ausschussvorsitzende Fritz Varwig (SPD) zu Beginn der Aussprache über das Gutachten.
Bei einigen Bereichen habe Bad Nenndorf ganz gut abgeschnitten, bei anderen eben nicht so gut.
"Da liegen aber auch Dinge vor, die wir überhaupt nicht ändern können", ergänzte er. Damit meinte er unter anderem das Fehlen eines Strandes oder eines Sees in maximal zwei Kilometern Entfernung. Nach seiner Auffassung müsse man das Gutachten dafür nutzen, die Stärken des Kurortes in Zukunft noch besser herauszustellen. "Der Kurort ist nach wie vor eine Marke", erklärte Stadtdirektor Bernd Reese, auch wenn vor allem die Heilbäder in den vergangenen Jahren erhebliche Rückgänge bei den Besucherzahlen hätten hinnehmen müssen. Um dem entgegen zu wirken müsse alles daran gesetzt werden, die vorhandenen Angebote zu optimieren. "Wir wollen möglichst viele zufriedene Gäste, aber auch Bürger, die sich hier wohl fühlen. Bei allem Streben nach Aufwertung touristischer oder gesundheitsfördernder Einrichtung dürfe die Lebensqualität der Einwohner nicht aus den Augen verloren werden.
An der Feststellung, in Bad Nenndorf gäbe es einen Mangel bei "guten und günstigen Restaurants", rieben sich viele Zuhörer. Die ETI- Tester waren bei ihrem Besuch im April 2007 danach gegangen, welche Adressen auch im "Varta-Gastronomie-Führer" zu finden waren. Weil sie nicht fündig wurden, kamen sie zu der negativen Bewertung.
"Ich bin noch nie mit einem Restaurant-Führer unter dem Arm durch Bad Nenndorf gegangen und finde, dass man hier sehr wohl gut und günstig essen gehen kann", ereiferte sich Bürgermeisterin Gudrun Olk. Weil er diese Bewertungsmethode überhaupt für sehr fragwürdig hält, stellte Henning Jürgens, Vorstand der Interessengemeinschaft Bad Nenndorf (IGBN) das Gutachten selbst in Frage.
Silke Busche, Geschäftsführerin der Kur- und Tourismusgesellschaft (KurT) hält die ETI-Studie für wichtig, auch wenn es sich dabei nur um eine Momentaufnahme handeln würde.
Einige der darin bemängelten Punkte seien inzwischen verbessert worden.
Und die Kritik, Bad Nenndorf könne in Bezug auf Veranstaltungen oder verkaufsfördernde Maßnahmen noch mehr tun, wollte sie auch so nicht stehen lassen.
"Wir sollten aus dem Gutachten das herauspicken, was für uns gut und richtig ist", lautete ihre Empfehlung. Sie sieht alle Verantwortlichen bereits auf einem guten Weg, die Stärken der Kurstadt weiter zu optimieren. Die Verbesserung der Atmosphäre in der Innenstadt sei eine Gemeinschaftsaufgabe.
Auch der Stadtdirektor sieht das Gutachten als Leitfaden für Zukunftsprojekte und eine Argumentationshilfe bei der Beantragung von Fördergeldern.. Eine bloße Bewertung nach "Katalog" ist nach seiner Einschätzung nicht unbedingt empfehlenswert.
Nach Auffassung von Rode könne die Kurstadt eine ganze Reihe von leicht gestaltbaren "Software-Maßnahmen" umsetzen, ohne den Etat über Gebühr zu strapazieren. Daher kam die Empfehlung vom Fachausschuss, die Ortszufahrt von der B 442 zu verschönern. Dafür könnten laut Wirtschaftsförderer bis 2013 Fördermittel abgerufen werden. Wie und wo eine Wetterstation installiert werden könnte, soll von der Verwaltung geprüft werden.
Gemeinsam mit KurT, IGBN und Händler solle außerdem versucht werden, über die gesetzlich erlaubten Termine hinaus weitere Verkaufsoffene Sonntage zu organisieren. Schwerer wird es nach Ansicht des Wirtschaftsförderers werden, "Hardware-Maßnahmen" wie die Aufwertung der Situation im Kurbereich und am Kurhaus umzusetzen, weil dieses erhebliche Investitionen voraussetzen würde. Foto:pd