1. Lindhorster Milchprodukte frisch auf den Tisch, auch im Ruhrgebiet und im alten West-Berlin

    Museum erinnert an frühere Molkerei und an das Schmiedehandwerk / Täglich am Nachmittag geöffnet / Spezielle Führungen und Vorträge möglich

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    LINDHORST. Milchprodukte aus der Central Molkerei in Lindhorst waren nicht nur in Schaumburg - Lippe und Umgebung beliebt. Abends wurden Milch, Butter und Sahne aus der direkt am Bahnhof gelegenen Molkerei auf Eilgüterzüge verladen, die sich auf den Weg nach Hamm machten. Dort wurden die Milchprodukte auf Kühlwagen verfrachtet und ins Ruhrgebiet zu den Abnehmern gebracht. Aber Sahne und Milch aus der Molkerei waren nicht nur im Westen Deutschland begehrt - mehrmals in der Woche traten sie auf Lastwagen ihren Weg Richtung West-Berlin an. Das ist lange vorbei. Schon lange hat die Molkerei ihren Betrieb eingestellt. Das Bergbau Museum auf Hof Gümmer erinnert mit einer Sonderausstellung an die langen Jahre der Produktion von Milcherzeugnissen in der am Bahnhof gelegenen Central Molkerei. Ausstellungsleiter und Hobby-Historiker Gunter Ludewig hat in monatelanger Kleinarbeit zahllose Exponate, darunter Milchkannen in der Größe von 5 bis 40 Litern, zusammengetragen. Gefertigt wurden die Gefäße zunächst aus Blech, später wurden sie aus Eisen, aber auch aus Aluminium hergestellt. Original von der Central Molkerei verwendete Kannen trugen einen entsprechenden Aufdruck und wurden mit einer Nummer gekennzeichnet. Historische Milchflaschen, Urkunden. Bilder, Protokolle aus der frühen Zeit der Produktionsstätte, und alte Zeitungsartikel ergänzen die Schau. Mit dem vom Museum zusammengestellten Thema "Molkerei" lebt eine Zeit wieder auf, in der die Herstellung von Milchprodukten, unabhängig von Hof und Anwesen, an Bedeutung zunahm. 1891/92 wurde eine Dampfmolkerei errichtet. Die von Haus zu Haus gehenden "Kiepenträger" kamen immer mehr aus der Mode. Bereits 1890 war im Zusammenwirken mehrerer Dörfer eine Molkereigenossenschaft gegründet worden. Ein weiterer Themenschwerpunkt des Museums ist gegenwärtig der Kunst des Schmiedehandwerks gewidmet - eine Kunst mit langer Tradition in dem früher von Landwirtschaft geprägten Dorf. Der Ort verfügte einmal über drei Schmieden. Gottlieb Wilhelm Ehlerding aus Hülshagen richtete in Lindhorst eine Schmiedestelle (heute Bahnhofstraße 47) ein. Der Schmiedemeister war bekannt für seine vortrefflichen Pflüge. Auf zahlreichen landwirtschaftlichen Ausstellungen holte er sich hohe Auszeichnungen. 1932 wurde das Anwesen von seinem Sohn neu aufgebaut und um eine Autoreparaturwerkstatt mit angeschlossener Tankstelle ergänzt.

    Die von Gunter Ludewig gezeigte Milchkanne trägt noch die Originalaufschrift "Centr. Molkerei Lindhorst".

    Wolfgang Reese hat eine eigene kleine Schmiede im Museum aufgebaut.

    Schmiedemeister Heinrich Bergmeier (heute Bahnhofstraße 49) und sein Sohn vergrößerten ihre Schmiede jeweils 1938 und 1946. 1966 übernahm der ehemalige Lehrling Hans-Heinrich Tölke nach seiner Meisterprüfung die Werkstatt seines ehemaligen Lehrmeisters. Eine weitere Schmiede richtete Heinrich Hattendorf in Lindhorst (heute Bahnhofstraße 40) ein. Um das Handwerk möglichst in alter Form wiederaufleben zu lassen, hat der Lindhorster Hobby-Schmied Wolfgang Reese Teile seiner eigenen, noch heute betriebenen Hobby-Schmiede im Museum aufgebaut. Ausgestellt sind Hammer und Amboss, eine rund 80 Jahre alte Esse sowie ein Schweißtisch und vieles mehr. Eine komplette Hufschmiedbeschlagvorrichtung kann ebenso bestaunt werden eine historische Bohrmaschine. Bilder, Presseartikel und weitere Dokumente ergänzen den Schwerpunkt Schmiedetechnik. Bei Interesse lässt Reese das alte Handwerk im Museum mit Hilfe spezieller Darbietungen wiederaufleben. Das Bergbau Museum auf Hof Gümmer, Bahnhofstraße 37, ist täglich von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Auf Wunsch bietet auch Gunter Ludewig spezielle Führungen und Vorträge für Gruppen und Schulklassen an. Termine können unter der Telefonnummer 05725/ 5243 (nach 18 Uhr) mit Ludewig vereinbart werden. Foto: privat

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