BAD NENNDORF (pd). Gleich an zwei aufeinander folgenden Tagen stand in Bad Nenndorf das Thema "Innenstadtsanierung" auf dem Programm. Einmal bei der öffentlichen Bauausschusssitzung in der Wandelhalle und einen Tag später bei der Informationsveranstaltung für Bürger im Forum des Gymnasiums. Kritisch wurde das vom Sanierungsträger, der Planerin und der Verwaltung vorgetragene Konzept beleuchtet. Am Ende einer in weiten Zügen sachlichen Diskussion stand so etwas wie "Positive Grundstimmung, durchzogen von leisen Zweifeln" im Raum. Und die Absichtserklärung einiger Zuhörer, sich aktiv in die Planungs- und Entscheidungsfindung mit einbringen zu wollen.
Nach einer kurzen Einführungsrede von Stadtdirektor Bernd Reese, in der er unter anderem die Vorteile des nun angeschobenen Förderprogramms "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren" erläuterte, ergriff Klaus von Ohlen vom BauBeCon Sanierungsträger das Wort. Er informierte die Zuhörer zunächst über wichtige Verfahrensschritte. "Mitte dieses Jahres soll es losgehen", so von Ohlen, auch wenn der Bescheid über die Bewilligung der Fördergelder noch aussteht. Mit Beginn der Maßnahme ab Juni 2008 müsse auch ein städtebaulicher Rahmenplan aufgestellt werden, der je nach Entwicklungsstand fortgeschrieben werden könne. Der Experte ermunterte die Zuhörer dazu, sich in die Gespräche mit einzubringen. Die Erfahrung habe gezeigt, dass die Einsetzung eines unabhängigen Sanierungsmanagements mit festen Sprechzeiten für die Interessierten durchaus Sinn machen würde. Wichtig sei auch, so von Ohlen weiter, durch prägnante Einzelmaßnahmen noch in diesem Jahr eine Art "Signalwirkung" zu erzielen. Die Planerin Dr. Simone Strohmeier erläuterte dem Publikum wie schon im Bauausschuss Grundzüge des Sanierungskonzeptes und ging auch auf den Geltungsbereich ein. Man wolle mit den Maßnahmen neue Anziehungspunkte im Stadtkern schaffen.
Ein Zuhörer wollte wissen, wann sich private Investoren melden sollten. Von Ohlen verwies auf das im Herbst geplante Sanierungsbüro als Anlaufstelle. Er gab aber auch zu verstehen, dass sich Hausbesitzer im Sanierungsgebiet nicht zu große Hoffnungen auf die Gewährung von Fördergeldern machen sollten. Bevorzugt in der Bezuschussung würden Projekte des öffentlichen Raumes. Ein Zuhörer sieht das Kurhaus als "bessere Ruine" und würde sich hier eine Veränderung wünschen. Und er verwies auf die vielen erhaltenswerten Bäume im Kurparkbereich, die bei Umgestaltungsmaßnahmen nicht angetastet werden sollten.
Wie die Planerin Dr. Strohmeier ausdrücklich betonte, werde das "grüne Element" der Kurstadt im Zielkatalog einen wichtigen Raum einnehmen. Und Bauamtsleiter Hans-Bernhard Kampen erinnerte die Bürger daran, dass alles, was demnächst im Rat als Sanierungssatzung beschlossen werden wird, keineswegs so festgezurrt wäre, dass man nicht noch Änderungen vornehmen könne. Auch die Anmeldung von Maßnahmen für die Städtebauförderung sei nicht unantastbar. "Alles ist noch offen", erklärte Kampen.
Etwas heftiger wurde die Debatte als das Thema "Verkehrsplanung" aufkam. Ein Bürger forderte eindringlich eine Verkehrsleitplanung, bevor überhaupt mit Maßnahmen an Straßen und Plätzen begonnen wird. "Das alles wird noch eine spannende Diskussion", stellte Stadtdirektor Bernd Reese fest.
Eine Lanze für die Stadtsanierung brach sowohl bei der Bauausschusssitzung als auch einen Tag später bei der Informationsrunde im Gymnasium neben anderen auch Ivar Henckel aus Waltringhausen. Der Architekt und Stadtplaner forderte alle Beteiligten dazu auf, sich mit in die Diskussion einzubringen und das ganze Projekt als Chance zu sehen. Und Dr.Bernd Zimmermann, für die Wählergemeinschaft Nenndorf (WGN) beratendes Mitglied im Bauausschuss, brachte die Idee von einem "Workshop" zu dem Thema in die Diskussion. Damit die Bürger noch besseren Einblick in das Zielkonzept und die weiteren Abläufe bekommen, werden Sanierungsträger und Verwaltung demnächst einen Flyer auflegen. Foto:pd