1. Rintelner Universitäts-Katheder bereichert "Lustik"-Ausstellung

    Napoleon-Bruder Jérôme ist Mittelpunkt einer Schau in Kassel / Ausstellung bis September zu sehen

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    RINTELN/KASSEL (km). In Kassel findet derzeit eine viel beachtete Ausstellung statt, die auch die einstmals hessische Garnisonsstadt Rinteln tangiert: "König Lustik!?" präsentiert eines der schillerndsten Kapitel in der Geschichte des früheren hessischen Hoheitsgebietes. Im Mittelpunkt steht Jérôme Bonaparte, der jüngste Bruder Napoleons, der 1810 dafür sorgte, dass die Rintelner Universität geschlossen wurde. Ein Exponat aus der Zeit stellte auch das Museum "Eulenburg" für die Ausstellung zur Verfügung: Das Original-Universitäts-Katheder, hinter dem bis vor 200 Jahren die Professoren standen und dozierten.

    Als "König Lustik" ist Jérôme verspottet worden, weil sich seine deutschen Sprachkenntnisse in den Sätzen "Morgen wieder lustig!" und "lustik, lustik demain encore lustik" erschöpft haben sollen. Der Name, der sich im nordhessischen Dialekt als Bezeichnung für einen Schalk oder Schürzenjäger gehalten hat - "Schrohm" -charakterisierte gleichzeitig auch seinen Regierungsstil.

    Verheiratet war Jérôme mit Katharina von Württemberg, mit der er drei Kinder hatte. Von seiner Residenz Kassel aus regierte er zwischen 1807 und 1813 das neu geschaffene Königreich Westphalen. Sein Herrschaftsgebiet berührte sieben der heutigen Bundesländer: Neben Hessen auch Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Bremen, Hamburg, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Wegweisende politische Reformen gingen einher mit einer aufwändigen Inszenierung der neuen Monarchie und einer geradezu verschwenderischen höfischen Pracht. Allerdings wurden die Kasseler Gemäldegalerie und das Museum Fridericianum von den Franzosen geplündert. In der Ausstellung sind einige der geraubten Meisterwerke, die vorübergehend nach Kassel zurückkehren, zu sehen.

    Den Verlusten stehen freilich auch einige bedeutende kulturelle Leistungen gegenüber: In Malerei, Kunsthandwerk und Architektur sowie in Musik und Theater. Kassel entwickelte sich zum Zentrum der Empire-Kultur für ganz Norddeutschland. In seiner Verkörperung von Ordnung und Vernunft wurde dieser Stil gleichsam zum "Corporate Design" eines Königreichs, das als erster Staat auf deutschem Boden eine Verfassung und ein Parlament erhielt. Im Jahr 2008 kehrt "König Lustik" nun ins Fridericianum zurück: Das geschichtsträchtige Gebäude war einst der Parlamentssitz des fortschrittlichen Modellstaats. Die Ausstellung ist noch bis September zu sehen. Foto: km

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