RINTELN (km). Zur traditionellen Mai-Kundgebung im Brückentor-Foyer konnten Hans Jürgen Niemeier und Klaus Tadge vom Rintelner DGB-Ortsverband jetzt zahlreiche Besucher willkommen heißen. Als Referenten hatten die Veranstalter diesmal Wilfried Hartmann, den Bezirkssekretär der IG Metall Niedersachsen/Sachsen-Anhalt eingeladen. Für die musikalische Unterhaltung sorgte ein "Salon-Quartett" vom Jugendblasorchester der Stadt Rinteln unter der Leitung von Martin Borowski.
Hans-Jürgen Niemeier und Klaus Tagde (mi.) vom Rintelner DGB-Ortsverein mit Mai-Redner Wilfried Hartmann (li.)
Trotz zahlreicher Veranstaltungen zur gleichen Zeit ist das Brückentor-Forum auch in diesem Jahr bei der Mai-Kundgebung gut besetzt.
Bild_03: Für die musikalische Unterhaltung sorgte ein "Salon-Quartett" des Jugendblasorchesters der Stadt Rinteln
Bei seiner Begrüßung ging Hans Jürgen Niemeier zunächst auf die aktuellen Problem der heimischen Krankenhäuser ein. Als symbolischen Aufhänger hatten die Veranstalter im Eingangsbereich einen Deckel mit Topf aufgestellt - in dem sich die DGB-Zeitung zum ersten Mai befand, die sich diesmal ebenfalls ausführlich mit dem Thema Krankenhaus-Finanzierung beschäftigt hat. Durch die pekuniären Probleme drohen in Rinteln und Stadthagen nicht nur Privatisierung, sondern auch der Verlust von Arbeitsplätzen; denn, so Niemeier: "Ein privater Klinik-Betreiber kann doch wohl nicht so ohne weiteres Millionen-Verluste eliminieren - doch wohl über die Auslagerung von Randbereichen wie Küche oder Reinigung etwa. Aber auch für das Stammpersonal gelte es, sich arbeitsvertraglich neu zu orientieren und sich mit anderen, schlechteren Bedingungen auseinander zu setzen.
Der Krankenhausträger sei von daher gut beraten, so Niemeier, "eher die Beteiligung privater Investoren als einen vollständigen Verkauf anzustreben." Die Position der Stadt Rinteln dazu sei eindeutig: "Sie anerkennt einen Veränderungsbedarf, möchte aber die Mehrheitsposition des Landkreises als Krankenhausträger mit mindestens 51 Prozent gesichert haben. -
Mai-Redner Wilfried Hartmann nahm in seinem Vortrag unter dem Leitthema "Gute Arbeit muss drin sein" Stellung zu aktuellen Themen wie Lohn- und Beschäftigungsentwicklung, Tarifverhandlungen, Ein-Euro-Jobs oder Mindestlohn/Kombilohn. Im Blickpunkt der Kritik stand unter anderem die Deutsche Post AG, die trotz eines Gewinnes von 3,7 Milliarden Euro (2007) von ihren 130.00 Arbeitnehmern eineinhalb Stunden Mehrarbeit gefordert und so 12.500 Arbeitsplätze "vernichtet" habe.
Ärger mit der Gewerkschaft bekommen demnächst auch zahlreiche Autohäuser und- werkstätten, die bundesweit alle Tarifverträge gekündigt hätten. "An der Spitze," so Hartmann, "stehen die niedersächsischen Arbeitgeber." Und obwohl es der IG Metall gelungen sei, für 450 Kfz-Betriebe in Niedersachsen für einen einen Teilbereich einen Tarifabschluss zu erzielen, verweigerten sich weiterhin eine Großzahl von Betriebe - "auch hier in Rinteln".
Auch in anderen Bereichen stellte Wilfried Hartmann fest, dass viele Arbeitgeber keine regulären Arbeitsverhältnisse schafften, sondern nur Befristete oder Leiharbeiter einstellten. "Wenn jemand befristet eingestellt wird," so der Gewerkschafter, "lebt er über Monate hinweg in der Unwissenheit, ob er übernommen wird und ob er eine sichere Perspektive hat. Er lebt über Monate in einer Situation, in der er bei einer Bank keinen Kredit bekommt, oder er bekommt einen Job als Leiharbeiter zu deutlich niedrigeren Tarifen als die Stammbelegschaft. Wenn wir als Gewerkschafter sagen, ‚gute Arbeit muss drin sein‘, dann meinen wir nicht befristete Arbeit oder Leiharbeit. Unter guter Arbeit für alle verstehen wir ein unbefristetes Arbeitsverhältnis zu Tarifbedingungen, mit einem ordentlichen Monatseinkommen, mit Urlaubsgeld, mit Weihnachtsgeld, mit 30 Tagen Urlaub und mit sechs Wochen Lohnfortzahlung im Krankheitsfall."
Zu "guter Arbeit", stellte Wilfried Hartmann schließlich auch noch besonders heraus, "gehört aber auch die Möglichkeit, nach einem langen Arbeitsleben gesund in Rente gehen zu können und eine auskömmliche Rente zu bekommen." Foto: km