BAD NENNDORF. Ohne Worte ganz laut: Der Leiter des Theaterkreises Bad Nenndorf, Winfried Busse, war das Wagnis eingegangen, zu einem Theaterabend einzuladen, an dem kaum Worte zu vernehmen waren, die gesprochen wurden, sondern Handlungen, die mit Gesang, Tanz und Orchester vermittelt werden sollten. Angetreten war dafür eine Truppe von sieben Damen und sieben Herren und eine Band von sechs Mitgliedern. Fred Astaire, der große Tänzer aus Hollywood, diente ihnen als Leitfigur, weswegen denn auch die Darbietung den Title "Shoes with wings" trug.
Die Musik füllte die Ohren, die Kostüme boten eine wahre Augenweide, die präzise Einstudierung der Tänze weckte die Begeisterung für das Ästhetische. Bekannte Melodien wechselten mit musikalischen Neuschöpfungen der dänischen Künstlerin Helle Hansen, die alle Facetten von Rock über Pop bis Klassik anreizt, um Stimmungen und Schicksale zu entfalten und unter die Haut gehen zu lassen. So beeindruckt zum einen die Welt von Glanz und Glamour, in der die Damen wie die Herren in vollendeter Garderobe ihrem Glücksgefühl im Tanz voll und ganz Ausdruck verleihen dürfen. Dann aber bricht unversehens in die Welt gespielter Harmonien brutale Realität herein, wenn das Malheur des einen den anderen die große Chance wittern lässt, dessen Platz einzunehmen: Hackordnung also auch hier, vielleicht sogar gerade hier.
Es war ein Abend ganz eigenen Zuschnitts. Alle Sinne waren gefordert. Fantasiereiche Choreographie (Hans Christian Leonhard) ließ keinen Moment Langeweile aufkommen. Die Akteure bildeten ein gut eingespieltes Team, dem die Freude am Gesang und die Lust an den rhythmischen Bewegungen des Körpers anzusehen waren. Freudig dann auch der Applaus des Publikums, entrichtet dem Tanzensemble wie der Band.
Nach der Saison ist vor der Saison.
Winfried Busse dankte allen Abonnenten, ohne die eine Finanzierung der Theateraufführungen gar nicht denkbar wäre. Zugleich legte er das volle Programm der Saison 2008/09 vor mit der Bitte, das eigene Abonnement fortzusetzen und für neue Abonnenten zu werben. Denn Bad Nenndorf hat doch Manches zu Bieten.
Oskar Wedel