1. Viel Raum für eigene GedankenAusstellung mit Bildern ohne Namen von Susann Karsthof

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    RINTELN (km). Etwas Mysteriöses wohnt den Bildern von Susann Karsthof inne: Althergebrachte Sehgewohnheiten greifen nicht - neue Sichtweisen sind gefragt. Die abstrakten Werke, die auf Initiative des Rintelner Kunstvereins bis zum vierten Mai in der Eulenburg ausgestellt sind, ziehen den Betrachter fast wie magisch in ihren Bann. Was er darin sieht, darf er selbst entscheiden. Die subjektive Projektion seines Unbewussten ist ihm ausdrücklich erlaubt - genau aus diesem Grund hat Susann Karsthof auch darauf verzichtet, ihren Werken einen Namen zu geben.

    Die Bilder von Susann Karsthof sind mit einer besonderen Technik erstellt: Die Künstlerin wendet für ihre Arbeiten ein antikes Malverfahren an - die "Enkaustik". Dabei handelt es sich um den Farbauftrag von Pigmenten unter Verwendung von flüssigem Wachs, das Ebene für Ebene übereinandergeschichtet oder mit einem heißen Spachtel aufgetragen wird. Bereits in den ägyptischen Hochkulturen wurde diese Technik für Mumienbildnisse angewendet. Auch in Pompei und Herculaneum wurden Wandgemälde dieser Art entdeckt.

    Immer wieder haben sich im Lauf der Geschichte Künstler für diese besondere Technik interessiert, ohne dass sie aber in jüngerer Zeit eine breitere Anwenderschaft gefunden hätte. Was vermutlich darauf zurückzuführen ist, dass die Bearbeitung etwas aufwändiger ist als etwa die Erstellung eines Acrylgemäldes, das immer wieder problemlos übermalt werden kann. Die Enkaustik erfordert hingegen ein rasches und daher äußerst konzentriertes Arbeiten, da das flüssige Wachs sehr schnell abkühlt und hart wird. Ein Nachbessern ist nur bedingt möglich, jeder Pinseltupfer mit Wachs ist endgültig.

    Susann Karsthof geht in der Verarbeitung noch einen Schritt weiter als die bisherige Methode der Verschmelzung des Wachses mit Pigmenten: Sie verwendet in Wachs getränktes Papier und schichtet das vielfach übereinander. So erzielt sie einen flächig-malerischen Effekt, der eher an eine Gouache als an ein kompaktes Wachsgemälde erinnert. Das Erscheinungsbild lädt den Betrachter zur genaueren Analyse des Gesehenen ein, zumal auch der Schleier, der über den Gemälden liegt - erzeugt durch die Mattheit der Wachse - einen Eindruck von Undurchdringlichkeit erweckt. -

    Peter Weber vom Rintelner Kunstverein, der auch schon vor elf Jahren eine Ausstellung von Susann Karsthof eröffnet hatte wies in seiner Einführung in der Eulenburg besonders auf die Entwicklung in der Arbeit der Künstlerin hin: "Mittlerweile," so der Kunsterzieher, "haben die Farben als Ausdrucksträger an Bedeutung gewonnen. Kräftig breiten sie sich über das gesamte Bildformat und bewahren doch durch die Wachsschichten hindurch einen gedämpften Schimmer und eine eigentümliche Tiefe. Ihre Kompositionen erfahren zudem durch ornamentale Strukturen, zum Teil auf Linolschnitten beruhend, eine größere Festigkeit und Dichte."

    Susann Karsthof wurde 1962 in Hannover geboren. Von 1985 bis 1990 studierte sie "Freie Kunst" an der Fachhochschule Hannover. Bereits vor ihrer Diplomarbeit präsentierte die junge Künstlerin ihre Bilder bei verschiedenen Ausstellungen der Öffentlichkeit. Seit den 90er Jahren folgten auch zahlreiche Präsentationen im Ausland, unter anderem in Frankreich, Schweden, Norwegen, Belgien und Holland. - Die in der Eulenburg ausgestellten Werke können auch käuflich erworben werden. Kostenpunkt: Von 220 bis 2800 Euro. Foto: km

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