RINTELN (ste). Die WGS hatte den Stein um den Erhalt des Rintelner Krankenhauses ins Rollen gebracht, jetzt reagierte die Verwaltung mit einer umfangreichen Sachdarstellung und einer Empfehlung für den Rat der Stadt Rinteln. Drei Punkte umfasst der Forderungskatalog der Stadt: Zum ersten soll der Klinikstandort Rinteln uneingeschränkt erhalten oder sogar ausgebaut werden. Zweitens soll die Kooperation zwischen den Standorten Stadthagen und Rinteln ausgebaut werden und zum dritten soll der Kreis seine Mehrheitsbeteiligung am Klinikum Schaumburg langfristig sicherstellen, auch wenn wirtschaftlich und fachlich starke Partner beim Betrieb des Klinikums mit ins Boot geholt werden.
Das Rintelner Krankenhaus als ein Teil des Klinikum Schaumburg muss nach Ansicht der Stadt Rinteln zwingend erhalten bleiben. Ansonsten droht eine Schwächung der Attraktivität des Wohnstandortes Rinteln und eine Abwanderung der Patienten nach Minden, Hameln, Hannover, Lemgo oder Detmold.
Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz wird dem Rat am 6. März eine umfangreiche Sachdarstellung und eine Drei-Punkte-Empfehlung der Verwaltung vorlegen.
Der Rat der Stadt Rinteln befasst sich am 6. März damit. Keine Aussage macht die Verwaltung über den Standort Stadthagen: "Wir wollen unsere Interessen durchsetzen und keine Anti-Haltung betreiben", so Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz.
Was der Anlass für die WGS für ihre Initiative war, stellt die Stadt in ihrer Sachdarstellung ausführlich dar.
Der Landkreis Schaumburg ist Träger zweier Krankenhäuser der Regelversorgung in Stadthagen und Rinteln. Beide Einrichtungen sind im Jahre 1998 zur Organisationseinheit Klinikum Schaumburg zusammengeführt worden. Das Klinikum Schaumburg wird bislang als Regiebetrieb geführt. Am Standort Stadthagen verfügt das Klinikum über 198 Betten in den Abteilungen Innere, Chirurgie, Intensivmedizin, Frauenklinik, HNO und Radiologie. In Rinteln befinden sich 156 Betten in den Abteilungen Innere, Chirurgie, Intensivmedizin, Gynäkologie und HNO sowie eine Krankenpflegeschule. Im Zuge der Haushaltssanierung sowie als Reaktion auf die Veränderungen in der Krankenhausfinanzierung hat der Landkreis verschiedene Optionen bezüglich der Zukunft der beiden Einrichtungen in Form eines Markttests prüfen lassen. Neben dem Interesse an einem Managementvertrag wurde auch das Interesse nach einer Minderheits- oder Mehrheitsbeteiligung am Markt abgefragt. Basierend auf den Ergebnissen dieser Markterkundung soll nun ein konkretes Verfahren zur Verifizierung der Optionen eingeleitet werden. Im Zuge eines europaweit bekannt gemachten Wettbewerbs versucht der Landkreis Schaumburg zwischenzeitlich, einen wirtschaftlich starken und fachlich qualifizierten strategischen Partner für das Klinikum Schaumburg zu finden. In einem ersten Schritt werden potentielle Partner zur Abgabe einer Interessenbekundung aufgefordert, bei der diese ihre fachliche Eignung und ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit nachweisen müssen. Interessenten, die die geforderten Kriterien erfüllen, erhalten in einem weiteren Schritt vertrauliches Informationsmaterial, auf dessen Grundlage sie im Rahmen eines freihändigen Bieterverfahrens ein unverbindliches Angebot für eine Beteiligung am Klinikum Schaumburg abgeben sollen. In seiner Wettbewerbsbekanntmachung hat der Landkreis Schaumburg seine mit dem Bieterverfahren verbundenen Absichten formuliert. Als zentrale Ziele hat der Landkreis dort neben dem Erhalt beider Standorte die Sicherung von Arbeitsplätzen (Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen und Übernahme bestehender Altersvorsorge durch die VBL) sowie eine hochwertige medizinische Versorgung der Landkreisbevölkerung genannt.
Parallel zu dem Bieterverfahren sondiert der Landkreis Schaumburg auch eine kreisinterne Lösung in Form eines Neubaus, in dem alle Leistungen der bisherigen Krankenhäuser im Landkreis Schaumburg zentralisiert werden. Aus Sicht der Stadt Rinteln müssen alle organisatorischen Änderungen darauf gerichtet sein, den Krankenhausstandort Rinteln zu erhalten und auf die neuen Anforderungen im Gesundheitswesen auszurichten. Nicht nur die besondere Bedeutung des Krankenhauses für die medizinische Versorgung der Rintelner Bevölkerung, sondern auch dessen Funktion als Arbeitgeber für rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie als wichtiger Auftraggeber für das örtliche Handwerk sind Ausdruck der besonderen Bedeutung des Rintelner Krankenhauses innerhalb des Gemeinwesens der Stadt Rinteln. Zur Sicherung der Wettbewerbssituation des Rintelner Krankenhauses sollte nach Ansicht der Verwaltung der in den letzten Jahren eingeschlagene Weg einer Verzahnung zwischen stationärer und ambulanter Versorgung fortgesetzt werden. Insbesondere die Kooperation mit niedergelassenen Ärzten sowie die Ansiedlung von zahlreichen Facharztpraxen sind wichtige Schritte zum Ausbau des Klinikumsstandort Rinteln zu einem Gesundheitszentrum gewesen. Der aktuelle Neubau einer von der Burghofklinik betriebenen Fachklinik für Psychiatrie auf dem Krankenhausgelände setzt diesen eingeschlagenen Weg erfolgreich fort. Neben diesen standortbezogenen Maßnahmen erfordert der im Krankenhauswesen festzustellende Konzentrationsprozess die Bereitschaft zur Kooperation mit anderen Kliniken. Dabei ist nach Ansicht der Stadt Rinteln vornehmlich eine weitere Vernetzung innerhalb des Klinikumsverbundes mit dem Kreiskrankenhaus Stadthagen anzustreben. Bei der Bewertung der im Rahmen des laufenden Bieterverfahrens eingehenden Angebote sollte darauf geachtet werden, dass eine etwaige Beteiligung privater Anbieter an der unternehmerischen Verantwortung nicht mit einem Trägerwechsel verbunden wird. Als Optionen für die Erreichung des Ziels von langfristig tragfähigen Betriebsergebnissen kommen neben einer Veränderung der Rechtsform auch eine weitere Professionalisierung des Managements durch eine Beteiligung Privater an der Geschäftsführung des Klinikums in Betracht. Dabei ist es jedoch, so die Verwaltung in ihrer Sachdarstellung, nicht zuletzt im Interesse der Standortsicherung des Rintelner Krankenhauses unverzichtbar, dass die grundsätzlichen strategischen Entscheidungen auch weiterhin durch die gewählten Mitglieder des Kreistages des Landkreises Schaumburg getroffen werden.
Eine Mehrheitsbeteiligung des Landkreises Schaumburg am Klinikum Schaumburg sollte daher auch in Zukunft als unverzichtbarer Bestandteil eines kommunal getragenen Klinikverbundes gesichert bleiben. Zur Frage eines eventuellen Neubaus führt die Stadt aus, müsse darauf hingewiesen werden, dass jeder zentrale Neubau außerhalb des Stadtgebietes von Rinteln unter dem Aspekt einer der wohnortnahen Arbeitsplatzsicherung zu einer Schwächung der Attraktivität des Wohnstandortes Rinteln führen würde. Zudem bestünde die Gefahr, dass die Patienten innerhalb des jetzigen bis in das nördliche Lipperland hineinreichenden Einzugbereiches des Rintelner Krankenhauses noch mehr als bisher auf die Klinikstandorte in Minden, Hameln Hannover, Lemgo und Detmold ausweichen würden.
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