1. Wer weiß denn noch, wie ein Naturbach aussieht?

    NABU-Exkursion besucht mit Kindern die "Bewohner" am Riesbach

    Dieser Eintrag wird bereitgestellt durch Schaumburger Wochenblatt | Impressum

    AUETAL (tt) Ein Dutzend Kinder machte sich mit Marc Jameson, dem Jugendwart des Naturschutzbundes (NABU) Auetal, am Riesbach in Klein Holtensen auf die Suche nach den Tier- und Pflanzenarten, die an einem Fließgewässer leben. "Kaum jemand weiß überhaupt noch, wie ein Naturbach aussieht", so Marc Jameson, der seinen Mitwanderern die wichtige Funktion der Bäche in der Natur näher brachte, denn nur noch wenige unserer Fließgewässer sind als Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten geeignet. Der Schatten der Bäume gehört ebenso zu den wichtigen Merkmalen dieses Lebensraumes wie die von der Strömung ausgehöhlten Ufer. Tief hängende Äste beschatten zum Teil die Wasseroberfläche, sie sind bevorzugte Ansitzwarten für den Eisvogel. Sie brüten häufig an flachen Uferbereichen, an denen die Wurzeln einer Erle oder Weide zu sehen sind. Wenn das Ufer senkrecht aufragt, legen die Vögel ihre Bruthöhle in der Steilwand nach Möglichkeit so hoch über dem Wasser an, dass das Nest nicht einem Hochwasser zum Opfer fällt. Schon vor Jahrhunderten begannen Menschen die Bäche zu regulieren, zu begradigen und zu verschmutzen. Auch der Riesbach blieb von dieser Veränderung nicht verschont und wurde zum Teil in Wasserbausteine, Betonröhren und Halbschalen gezwängt. Das erste Ziel der Bachexkursion war die Fläche Mühlenholz. Durch Niederschläge und Überschwemmungen des Riesbaches entstand dort ein kleines Feuchtbiotop. Eine sumpfige, mit kleinen Tümpeln versehene Wiese. Ein Reich für den seltenen Kammmolch und weitere Amphibien. Um auch die kleinsten Bewohner zu finden, drehten die kleinen Naturforscher sprichwörtlich jeden Stein um. Nils aus Escher wurde fündig und entdeckte eine Erdkröte, die durch das warme Klima schon ungewöhnlich munter schien. Durch die Klimaerwärmung sind ihre Verwandten schon seit Mitte Januar auf dem Weg zu ihren Laichgewässern. "An dieser Stelle könnte man durch eine Bachrenaturierung die gerade Bachstrecke neu gestalten, um einen natürlichen Bachlauf zu erhalten", erklärt der Naturschützer, der sich dadurch einen neuen Lebensraum für eine Vielzahl von Tieren und einen reich gedeckten Tisch für Störche verspricht. "Zudem könnte man vielleicht auch die Überschwemmung in den Griff bekommen". Um die typischen Bachvögel zu beobachten, wanderten die Kinder Richtung Wiersen. Entlang des "Großen Riesen" schlängelt sich der Riesbach durch Wald und Wiese, an dessen Ufer auch die Schwarzerle wächst, die mit ihren Wurzeln Bachforellen und unzähligen Kleintieren Schutz und Lebensraum bietet. In diesem Bereich hat der Bach auch wieder sein eigenes "Bett". Kein Hindernis und kein Beton stören ihn dabei. Die Strömungsvielfalt schafft schnell fließende und flache Stellen. Dort ist auch der perfekte Lebensraum für die Gebirgsstelze und die Wasseramsel, die gleich mehrfach gesichtet wurden. Übers Feld ging es nach Schoholtensen. Dort sind Bäche in der natürlichen Form nicht mehr anzutreffen, stattdessen kleine Rinnsäle in Betonschalen zwischen den Feldern. Eine Artenvielfalt kann sich dort leider nicht mehr entwickeln. Foto: privat

    Nils findet eine Erdkröte, die für die Jahreszeit schon recht munter ist.

  2. Kommentare

    Bitte melden Sie sich an