1. Was ist das, was in uns lügt, hurt, stiehlt und mordet? "Woyzeck" in einer provokativen Aufführung des Theaters für Niedersachsen

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    RINTELN (ste). Ist es die Freiheit des menschlichen Willens, die uns zu Straftätern macht, oder ist es das Schicksal, die marionettenhafte Bedingtheit? Das Dramenfragment "Woyzeck" von Georg Büchner, aufgeführt von Theater für Niedersachsen im Brückentorsaal, versuchte eine Antwort darauf zu geben. Roh, laut, obszön, hoch emotional und so absolut nicht nach Jedermanns Geschmack inszenierte Karin Drechsel das Stück, das sich an einer wahren Begebenheit aus dem Jahr 1824 orientiert. Damals erstach Johann Christian Woyzeck in Leipzig seine frühere Geliebte Johanna Christiane Woost mit mindestens sieben Messerstichen und im Prozess stellte sich die Frage der Schuld- und Zurechnungsfähigkeit des Beschuldigten.

    Woyzeck stellt sich in dem in Rinteln aufgeführten Stück einem zynischen Menschenexperiment, um sich und seine Geliebte mit ihrem Kind über die Runden zu bringen. Er isst ausschließlich Erbsen und wird als Versuchsobjekt für die Frage missbraucht, ob der Mensch frei ist in seinen Entscheidungen, oder ob die Tugend in die Wiege gelegt wird und das Leben schicksalshaft vorbestimmt ist.

    Er wird gedemütigt, ausgebeutet und hat keine Energie mehr, sich um die Belange seiner Frau zu kümmern. Das tut indess der Tambourmajor und im Kopf des Woyzecks tobt der Kampf zwischen Gut und Böse. Das Messer siegt und sucht sich den Weg in Marie.

    "Woyzeck" provozierte, war teilweise für den Geschmack des Rintelner Publikums ein zu starker Tobak und in der Pause nutzten dann auch Wenige die Gelegenheit zu gehen. Dennoch war es von künstlerisch hohem Wert. Die alte, teils komplizierte Sprache, gepaart mit der modernen Ausgestaltung des Stücks reizte. Nicht einmal kam Langeweile auf. Hochgespannt war man die ganze Zeit und dennoch zum Teil peinlich berührt aufgrund der großen Obszönität, beispielsweise bei den zum Teil überflüssigen Andeutungen von Selbstbefriedigung.

    Deutlich weniger Probleme mit der überspitzten Form der Darstellung hatten übrigens die vielen jungen Menschen im Theater. "Woyzeck" ist die Pflichtlektüre für das diesjährige Zentralabitur und so fanden reichlich angehende Abiturienten in den Theatersaal.

    Im Programm des Kulturring geht es weiter mit einem Konzert am 1. März im Brückentorsaal. Aufgeführt werden Stücke des Rintelner Komponisten Adam Valentin Volckmar, dessen Notenwerke sich im Besitz des Rintelner Museums Eulenburg befinden. Es spielt das Arte-Ensemble des Norddeutschen Rundfunks. Informationen über den Kartenvorverkauf gibt es im Bürgerbüro der Stadt Rinteln. Hier sitzt seit einigen Wochen auch Anneliese von Meien in ihrem neuen Büro. Foto: ste

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