1. Adam Valentin Volckmar: Ein Komponist wird nach 150 Jahren wieder entdeckt

    Heimatbund eröffnet mit außergewöhnlichem Konzert Feier zum 100-jährigen Bestehen

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    RINTELN (km). Ein außergewöhnliches Konzertereignis steht am Samstag, dem ersten März, auf dem Programm: Nach mehr als 150 Jahren werden die handschriftlich im Museumsbesitz befindlichen und seit 2004 nach und nach veröffentlichten Notenwerke von Adam Valentin Volckmar erstmals in seiner Heimatstadt Rinteln wieder aufgeführt. Der Heimatbund Grafschaft Schaumburg, Trägerverein des Museums Eulenburg, eröffnet mit dem Konzert die Feierlichkeiten zu seinem 100-jährigen Bestehen. Die Noten wurden eigens zu dem Anlass neu aufgelegt.

    Die Trios und Quartette des zu Lebzeiten unter Musikern sehr geschätzten Komponisten und Organisten werden eingerahmt durch Stücke von Mozart und Beethoven. Es spielt "das Arte-Ensemble" des Norddeutschen Rundfunks, der das Konzert in einem Ü-Wagen live mitschneiden wird. Die Moderation im Ratskellersaal übernimmt NDR-Kultur-Redakteur Rudolf Krieger - vielen Rintelner Musikfreunden bereits bekannt von der Begleitung einiger Konzerte in der Jakobi-Kirche.

    Für die Organisation der Wiederaufführung zeichnet Museumsleiter Dr. Stefan Meyer verantwortlich, der sich im Vorfeld auch mit der Dokumentation des geschichtlichen Hintergrundes des Rintelner Komponisten befasst hat, der im gleichen Jahr wie Ludwig van Beethoven zur Welt kam.

    Die Rintelner Stadtgeschichte, nahm Meyer ein erstes allgemeines Fazit vorweg, sei so reich an interessanten Persönlichkeiten, "dass es nicht leicht ist, die Erinnerung auch nur an die Bedeutendsten unter ihnen wachzuhalten." Zu den weitgehend in Vergessenheit Geratenen gehöre auch der Komponist Adam Valentin Volckmar, obwohl sein Werk bis heute nichts von seiner Stärke und Ausdruckskraft verloren habe. -

    Adam Valentin Volkmar wurde am sechsten März 1770 als Sohn eines Zinngießers in der thüringischen Stadt Schmalkalden geboren. Die Region war damals, ähnlich wie die Grafschaft Schaumburg, eine vom Kernland weit entfernte, zu Hessen-Kassel gehörige Exklave.

    Da der väterliche Beruf des Zinngießers häufig mit dem des Orgelbauers verbunden war, ist anzunehmen das Volckmar bereits als Kind mit Instrumenten und ihrem Spiel vertraut war und auf diese Weise den Weg vom Handwerk zur Musik fand. Eine gründliche musikalische Ausbildung erhielt er durch den Schmalkaldener Organisten und Komponisten Johann Gottfried Vierling, einem Schüler Carl Philipp Emmanuel Bachs.

    1799 nahm Volkmar die Stelle eines Gesanglehrers beim Landgrafen von Hessen-Rheinfels in Rotenburg an und wechselte 1805, frisch vermählt mit der Pastorentochter Philippine Zeiss, als Stadt- und Stiftsorganist nach Hersfeld. Mit der Gründung des ausgezeichnet ausgestatteten Kurfürstlichen Gymnasiums in Rinteln im Jahr 1817 versammelte dessen neuer Direktor Gottlieb Wiß nicht nur ausgezeichnete Fachlehrer für Sprachen, Geschichte und Naturwissenschaften in der Weserstadt, sondern suchte auch namhafte Künstler für die musische Bildung. Es gelang ihm, eine kombinierte und deshalb besser dotierte Stelle für einen Stadtorganisten und Musiklehrer am Gymnasium einzurichten. Am 29. Oktober 1817 zog Adam Valentin Volckmar in das Stadtorganisten- und Küsterhaus am Kirchplatz 4 ein - unmittelbar gegenüber dem Südportal der Nikolai-Kirche.

    Obwohl es dem Rintelner Stadtorganisten nicht beschieden war, den kleinstädtischen Rahmen zu verlassen, erfreute sich Adam Valentin Volckmar in seinem Umfeld ausgesprochen hoher Wertschätzung - sowohl für sein ausgezeichnetes Orgelspiel als auch für seine Kompositionen unter denen das Orgelwerk "Te deum" besondere Bekanntheit erlangte.

    Charakteristisch für Volckmars Schaffen war dabei nicht Modernität oder stilistische Ausgefallenheit, sondern perfekte kompositorische Ausgestaltung und Variation. Seine Kammermusikwerke stehen, so urteilt heute der Schweizer Musikverleger Bernhard Päuler, "weit über der Gebrauchsmusik ihrer Zeit". Ihre "technische Brillanz, ihr edler Melos und die ausgewogene Stimmführung machen sie zu musikalischen Kostbarkeiten der Hochklassik".

    Volckmars Notenwerke blieben dennoch weitgehend unbekannt und überstanden die Zeiten im Besitz der Familie bis sie 1910 dem Rintelner Museum geschenkt wurden. Ihre Veröffentlichung hatte der hannoversche Musikprofessor Sievers schon 1966 dringend empfohlen. Zu dem Orgelstück, das der Rintelner Kreiskantor Wolfgang Westphal bereits 1999 zu Ehren seines Vorvorgängers herausgegeben hat, gesellen sich jetzt also "neue" Kammermusikstücke, die am ersten März im Ratskellersaal erstmals seit mehr als 150 Jahren in Rinteln wieder zu hören sein werden. Foto: km

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