BAD NENNDORF. Das Schauspiel mit dem Titel "Mord im Pfarrhaus" ist ein typisches Beispiel für Agatha Christies Kriminalgeschichten: Ein Mord fast ohne Spuren und ein Personenensemble, aus dem fast jeder als Mörder in Frage kommt. Es folgt eine verzwickte Handlung mit vielen Irrwegen, die die volle Konzentration der Zuschauer erfordert und an deren Ende immer ein Täter steht.
Der Pfarrer Clement erörtert im Scherz mit seiner Ehefrau Griselda den Tod des ungeliebten Colonel Protheroe, der sich angesagt hat, um die Kirchenbücher wegen des Verdachts von Unterschlagungen zu prüfen. Aus Spaß wird Ernst: Am Abend liegt der Colonel erschossen im Studierzimmer des Pfarrers. Der nüchtern recherchierende Inspektor Slack bekommt schon beim ersten Verhör einen Mörder geliefert: Der Maler Lawrence Redding, ein ortsbekannter Leichtfuß, bezichtigt sich des Mordes, verwickelt sich aber in Widersprüche. Als auch noch die Ehefrau des Colonels den Mord begangen haben will, wird die Angelegenheit vollends undurchsichtig. Der Inspektor kommt nicht voran, aber die als Schnüfflerin und Klatschtante des Dorfes berüchtigte Miss Marple sucht, kombiniert, intrigiert, verdächtigt, fintiert so lange, bis der Täter sich in ihrem Gespinst verfängt. Im Gegensatz zum Inspektor, der den Täter durch Fakten überführen will, sucht Miss Marple ihn in den menschlichen Charakteren.
Das Ohndorf-Theater lässt sich die Chance, die die Kriminalgeschichte bietet, nicht entgehen. Mit Leichtigkeit und präziser Rollenarbeit wird dem Publikum ein unterhaltsamer Abend geboten, bei dem der Spannungsbogen bis zuletzt erhalten bleibt. Die Rollen scheinen den Darstellern auf den Leib geschneidert zu sein. Oskar Wedel verkörpert den gravitätischen, aber auch zerstreuten und von den Ereignissen manchmal überforderten Pfarrherrn. Bei seiner mondän wirkenden Ehefrau Griselda (Ulrike Serbent-Kniep), die lieber shoppt als kocht, kommt die Frage auf, wie die beiden zusammen gefunden haben. Den Haushalt führt leidlich das selbstbewusste Dienstmädchen Mary (Angelika Hitzeck), die mit volkstümlicher Direktheit alle peinlichen und undurchsichtigen Momente klärt. Ein Kabinettstück gelingt Jürgen Ries als Vikar. Da er sich schuldig fühlt (er hat Kollektengelder "ausgeliehen"), sorgt er mit seiner Unruhe und Nervosität für Mitleid und Kopfschütteln. Den Maler Lawrence Redding, einen wahren Tunichtgut, der Spuren legt und Verdächtigungen streut und zudem ein unzuverlässiger Verführer ist, spielt Michael Bahe sehr glaubwürdig. Der Arzt John Haycock versucht Ruhe und Ordnung in all die Aufregungen zu bringen: Hartmut Bock passt gut in diese Rolle. Bleiben noch die jungen Leute: Dennis (Markus Feuerstein), der Neffe des Pfarrers, und Virginia (Jasmin Bahe), des Colonels Tochter. Sie tun sich zusammen, schlagen auch unbekümmert über die Stränge (Virginias Versuch, den Maler zu verführen, ist klasse) und wehren sich rebellisch gegen die Vertuschungsversuche der Alten. Dazu passt Mrs. Price Ridley (Bianca Schütze), die sich mit ihrem indischen Sari welterfahren gibt und den Verfall der Sitten im Mutterland Großbritannien lautstark beklagt. Eindrucksvoll verkörpert Renske Burda die elegante Ehefrau des Colonels. Sie ist die Geliebte des Malers und somit eine der Hauptverdächtigen an dem Mord. Aber als sie sich selbst beschuldigt, glaubt man ihr nicht. Manfred Licht als Polizeiinspektor hat mit seiner ruhigen Zielstrebigkeit zwar kaum Erfolg ("Wir haben alle Tatbestände, brauchen nur noch den Täter", meint er lakonisch.), aber er unterhält das Publikum mit seinen ironischen Bemerkungen und seinem souveränen Spiel. Ohne die Einzelleistungen zu schmälern: Es beeindruckt den Zuschauer das Zusammenspiel aller Beteiligten und die ansteckende Spielfreude der ganzen Truppe. Mathias und Michael Bahe gestalteten das Bühnenbild, Jürgen Ewald besorgte die Technik und als Souffleuse sprang Annelie Maskun unauffällig ein.
Eine Wiederholung gibt es am Montag, den 14. Januar 2008, um 19.30 Uhr, im Kurtheater Bad Nenndorf. Eckart Wossidlo