1. "Da wird Geld zum Fenster rausgeworfen"

    Enkelin von Carl Thon kritisiert Zustand des Kurparks und Gutachter-Auftrag / Mehr Pflege nötig

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    BAD NENNDORF (pd). Helga Kruse hat klare Worte für das, was ihr am derzeitigen Zustand des Bad Nenndorfer Kurparks nicht gefällt: "Wenn das mein Großvater sehen würde, der würde sich im Grabe umdrehen". Helga Kruse ist die Enkelin von Brunnengärtner Carl Thon, der 55 Jahre lang für die Kurparkanlagen verantwortlich war und dafür 1954 mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt wurde. Er schuf unter anderem die Erlengrundanlage, die Kugelhornallee, die Süntelbuchenallee und den Sonnengarten samt Tempel. Geradezu empört ist die Bad Nenndorferin darüber, dass laut Zeitungsberichten 15. 000 Euro für ein neues Kurparkgutachten ausgegeben werden sollen.

    "Ich hätte mich schon viel früher zu Wort melden sollen", glaubt Helga Kruse heute. Denn der Zustand des Kurparks, der sich unter der Federführung ihres Großvaters zu einer ganz besonderen Parkanlage entwickelt hat, ist ihr schon lange ein Dorn im Auge. Sie, die sich noch genau an den Großvater erinnert, weil sie mit ihm ihre ersten Lebensjahre in einem Haus verbracht hat, beobachtet aufmerksam jede Veränderungen in der historischen Grünanlage direkt vor ihrer Haustür. Vieles von dem, was sie dort bei Spaziergängen sieht, gefällt Helga Kruse überhaupt nicht.

    Als sie jetzt aber erfahren musste, dass ein neues Kurpark-Gutachten erstellt werden soll, haben bei ihr laut die Alarmglocken geklingelt. Sie erinnerte sich daran, das die beiden Studenten Kim Marius Radke und Henning Dormann 2004 das Ergebnis ihres Studienprojektes über den Kurpark, seine historische Bedeutung und Maßnahmen zur Wiederherstellung bedeutender Akzente der Anlage an den damaligen Staatsbad-Geschäftsführer Klaus-Achim Schiller überreicht haben. "Warum wird denn nicht auf diese Arbeit, die später mit der Note 1 bewertet wurde, zurückgegriffen?" fragt sich Helga Kruse.

    Eine erste Maßnahme als Reaktion auf die Studentenarbeit war die Freilegung der Allee der Süntelbuchen. Darüber hat sich Helga Kruse sehr gefreut, denn gerade mit den Süntelbuchen verbindet sie viele Erinnerungen an ihren Großvater. In Hinweisen über den Kurpark von Bad Nenndorf wird die von Carl Thon Ende des 19. Jahrhunderts angelegte Süntelbuchenallee mit Rotbuchen im so genannten "Zick-Zack-Wuchs" als herausragende Seltenheit gelobt. "Großvater hat diese Buchen aus Bucheckern selbst gezogen", erinnert sich Helga Kruse an Erzählungen von damals.

    Das Erbe ihres Großvaters, der seine Arbeit als Passion gesehen hat und durch seine nach damaliger Denkweise fast "neumodischen" Ideen den Kurpark zu einer ganz besonderen Blüte verholfen hat, liegt ihr sehr am Herzen. Sie vermisst heute die Wertschätzung seiner Arbeit. So hat der königliche Brunnengärtner Thon unter anderem den an italienische Gärten erinnernden Sonnengarten samt Tempel angelegt. Ärgern kann sich Helga Kruse über den "Pfad der Sinne" neben dem Sonnengarten. "Da habe ich noch nie Leute drin gesehen. Es scheint fast, als seien da Überbleibsel vom Lichterfest abgelegt worden", kritisiert sie. Sie fragt dagegen, wo wirklich erhaltenswerte Kleinodien geblieben sind. Und meint damit zum Beispiel einen Bachlauf mit Putte, der unterhalb des Schlösschens zu finden war. Auch die von ihrem Großvater geschaffene Verbindung von Kurpark und Deister über den Erlengrund könnte mehr Pflege vertragen. "Hier gibt es zuviel Wildwuchs und die Sichtachsen sind versperrt", moniert Helga Kruse.

    Anstatt ihrer Ansicht nach unnötig Steuergelder zu verschwenden sollten die Verantwortlichen doch lieber auf die bereits vorhandene Ausarbeitung zurückgreifen. Helga Kruse freut sich über jede Aufwertung des Kurparks, die sich an die historischen Vorgaben hält und die somit im Sinne ihres Großvaters wäre. Die Dichterin Agnes Miegel hat in einem ihrer Werke die besondere Ausstrahlung des Kurparks wie folgt beschrieben "Was ich sah, gefiel mir sofort, wenn ich auch erst viel später die stille Schönheit dieses Zusammenspiels von lieblicher Natur und edler Architektur verstand". Foto:pd

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