EXTERTAL (km). Logistik ist eine der größten Wachstumsbranchen in Deutschland. Trotz Boom müssen aber in Lippe derzeit Fahrzeuge auf dem Hof bleiben - es fehlt an Fahrern. Eine Umfrage der IHK Lippe belegt, dass jede vierte Spedition in Lippe in den letzten 18 Monaten ihre offenen Stellen nicht ausreichend besetzen konnte. Vor allem der Fernverkehr sucht oft vergeblich nach guten Leuten.
Weil der Arbeitsmarkt nicht genug hergibt, plädiert IHK-Vizepräsident Ernst-Michael Hasse für eine Qualifizierungsoffensive im Logistikgewerbe. "Lippische Transportunternehmen müssen wieder stärker ausbilden und mehr für den Nachwuchs tun", fordert Hasse, der auch Vorsitzender des IHK-Verkehrsausschusses ist. Die IHK Lippe will die Firmen dabei unterstützen.
An der Umfrage hatten sich 43 lippische Transport- und Speditionsfirmen beteiligt, die insgesamt 500 Fahrzeugführer beschäftigen. Und der Bedarf steigt schnell. 70 Prozent der Befragten hatten in den letzten 18 Monaten offene Stellen für LKW-Fahrer zu besetzen. Das wird aber immer schwieriger. Denn die Branche hat kein gutes Image, der Kostendruck ist enorm. Harte Arbeitsbedingungen schrecken deshalb viele Bewerber ab. Die Folge: für den Job "auf dem Bock" müssen Firmen immer häufiger auf die "zweite und dritte Wahl" zurückgreifen. Weil das nicht immer gut geht, steigt die Fluktuation in den Betrieben.
"Der Markt und auch die Bundeswehr haben dem Gewerbe jahrelang genug Fahrpersonal geliefert. Dabei kam die interne Nachwuchsförderung offenbar zu kurz", analysiert Ernst-Michael Hasse die Situation.
Laut IHK-Umfrage beschränken sich 80 Prozent der Logistikbetriebe auf eine kurze interne Einarbeitung ihres Fahrpersonals.
Als Einstiegsbedingung reicht oft der passende Führerschein aus, eine abgeschlossene Berufsausbildung wird häufig nicht verlangt. Derzeit ist nur jeder zehnte Trucker in Lippe gelernter Berufskraftfahrer. Bundesweit ist die Quote noch niedriger. Nachwuchs gibt es fast gar nicht. Bis vor kurzem wurden in ganz Lippe nur in zwei Betrieben Lehrlinge zum Berufskraftfahrer ausgebildet.
Das Gewerbe will aber künftig mehr tun in Sachen Aus- und Weiterbildung. Das ergab ein Gespräch im Verkehrsausschuss der IHK Lippe. Mehrere Firmen meldeten sich spontan, die demnächst in die Ausbildung ihres Fahrpersonals einsteigen wollen. Bereits vor der Sitzung hatten weitere fünf Unternehmen neue Lehrlinge zum Berufskraftfahrer eingestellt. Arbeitslose mit Berufswunsch "Fahrer" sollen künftig mehr Möglichkeiten für ein Praktikum in den Betrieben erhalten.
Bedingung: die Arbeitsagenturen und die Fahrschulen sollen die Kandidaten vorab besser auf Eignung und Arbeitswille prüfen. "Das sind alles Schritte in eine vernünftige Richtung", freute sich Ernst-Michael Hasse anschließend. Er versprach, dass die IHK die Firmen bei ihren Bemühungen unterstützen wird. Die Kammer hat bereits ein Info-Blatt zum Berufskraftfahrer erstellt und steht auch für Gespräche und Beratung zur Verfügung.