BAD NENNDORF (pd). Die Aufmerksamkeit war ihm sicher: Als der Architekturprofessor und Stadtplaner Rainer Hobigk in der Bauausschusssitzung der Stadt Bad Nenndorf seine Pläne für ein Parkhaus präsentierte, lauschte das Gremium gespannt seinen Ausführungen. Und auch wenn bei der Erwähnung von Kronleuchtern in den beiden Treppenhäusern leises Gemurmel zu vernehmen war, gab es am Ende seines unterhaltsamen und fundierten Vortrags doch nur Zustimmung. Allein die Kosten ließen bei den Ratsvertretern einige Sorgenfalten sichtbar werden. 3,24 Millionen Euro soll es kosten, das "Kurparkhaus" zwischen Kurhausstraße und Poststraße.
Das Konzept E des hannoverschen Planers Rainer Hobigk sieht die Anfahrt in das "Kurparkhaus" über die Kurhausstraße vor. Die Türmchen, die Wasserkaskaden und die Kronleuchter fallen direkt ins Auge.
Die Ausfahrt soll nach den Vorstellungen des Architekten zur Poststraße gelegt werden.
Der Vortrag wurde von dem Fachmann aus Hannover so anschaulich präsentiert, dass mancher Zuhörer wohl schon beinahe das Plätschern des Wasserfalles an der Einfahrtsseite zu hören glaubte. Gleich zu Beginn seiner Ausführungen machte der Architekt darauf aufmerksam, dass ein Parkhaus an so exponierter Stelle wie in Bad Nenndorf inmitten der Kuranlagen doch keinesfalls nur ein "Zweckbau" sein dürfe. Es solle anspruchsvoll sein und daher auch den Namen "Kurparkhaus" tragen. Die Lage sei ein "Sahnestück" und die Absicht, dort ein Parkhaus hineinzustellen, stelle auch wegen der Hanglage eine besondere Herausforderung für jeden Planer dar. Der Baumbestand solle so weit wie nur irgend möglich erhalten bleiben und die Ein- und Ausfahrt müsse ohne steile Rampen auskommen.
Nach der kurzen Analyse der Varianten A bis D konzentrierte sich Hobigk schließlich auf seinen "Favoriten", die Variante E, bei der am Ende 157 Stellflächen in Schrägaufstellung zur Verfügung stehen würden. Dabei würden nur wenige Bäume der Baumaßnahme zum Opfer fallen. Insgesamt säumen 33 Bäume, darunter Ahorn, Linde und Blutbuche das in Frage kommende Gelände in unmittelbarer Nähe zur Landgrafentherme.
Die Hanglage würde es möglich machen, an der Kurhausstraße nur zwei Geschosse aus der Erde ragen zu lassen. An der Poststraße wären es vier. Hobigk sprach sich klar für eine Zufahrt von der Kurhausstraße und eine Ausfahrt zur Poststraße hin aus. Dadurch könnten die Staulängen im öffentlichen Raum kurz gehalten werden und Gegenverkehr würde vermieden werden.
Der Planer sieht das Gebäude aufgelockert durch viel Glas und Holz mit Ornamentverziehungen. Zwei quadratische Treppenhäuser, berankte Geländer- und Wandfronten und Wasserkaskaden sollen das Ganze zusätzlich aufwerten. Und zu den zwei Kronleuchtern, die sich der Architekturprofessor unter den Glasdächern in beiden Treppenhäusern vorstellen kann, kam von dem auch die Bemerkung: "Soviel Spaß muss sein!"
Bei der Frage nach den Kosten warnte Hobigk die Ratsvertreter. Sie sollten sich lieber am Anfang warm anziehen als später böse Überraschungen zu erleben. Die Kosten in Höhe von geschätzten 3,2 Millionen Euro seien auch in die Höhe getrieben worden durch die Tatsache, dass er zum Schutz des Wurzelwerks der Bäume das Parkhaus auf eine Pfahlgründung stellen würde. Auch einen gläsernen Fahrstuhl kann sich der Planer vorstellen – auch ein Konstruktionsmerkmal, das die Kosten in die Höhe treiben würde. In der Hoffnung, mit seinem Vorschlag "Wege zu einer Lösung aufgezeigt zu haben", beendete Hobigk seinen Vortrag.
Stadtdirektor Bernd Reese meldete sich zu Wort mit der Feststellung, dass die Verantwortlichen die Entwicklung der Kurstadt wollten und das ein Parkhaus die Lösung des Parkplatz-Problems in der Innenstadt darstellen würde. Auch eine "0-8-15-Lösung" mit viel Beton könne wohl nicht das Ziel sein. Die im Haushalt festgehaltenen 308 000 Euro nannte Reese einen "Erinnerungsposten". Das Konzept sei Wert, jetzt in den Fraktionen diskutiert zu werden. Bei der Finanzierung erinnerte der Verwaltungschef daran, dass die Stadt ihre Bewerbung für Fördermittel aus dem europäischen EFRE-Programm für Integrierte Stadtentwicklung und Wachstumskonzepte abgeschickt habe. Mit einer Antwort sei noch im November zu rechnen.
Lob kam von vielen Seiten. Für die WGN sprach Beisitzer Bernd Zimmermann von einem "überzeugendem Konzept". Auch Ellen Hültenschmidt von der CDU gab eine positive Stellungnahme zu den Plänen ab. Diese würden genau dem entsprechen, was man sich vorgestellt habe. Foto:privat