RINTELN (km). Jede Gemeinde des Kirchenkreises wird im Rhythmus von sechs Jahren von ihrem Superintendenten visitiert. Da der sich aber in seiner eigenen Gemeinde praktisch nicht selbst besuchen kann, wurde eine für alle Beteiligten akzeptable Sonderregel geschaffen: Die Aufgabe übernimmt der zuständige Landessuperintendent - im aktuellen Fall die Landessuperintendentin Dr. Ingrid Spiekermann.
Und so geschah es, dass die Landessuperintendentin jetzt gleich für rund zwei Wochen zu Gast war - und nicht nur die Nikolai-Gemeinde, sondern auch gleich den ganzen Kirchenkreis "inspizierte". Das erste Fazit beim abschließenden Gespräch mit Superintendent Andreas Kühne-Glaser und Nikolai-Pastorin Astrid Bunselmeyer fiel eindeutig positiv aus: Der Kirchenkreis Grafschaft Schaumburg, befand die Theologin, sei im erst kürzlich neu strukturierten Sprengel Hannover, der schönste - was sowohl für die Landschaft als auch für die vielen alten Kirchen gelte.
Auch für die kirchliche Infrastruktur in Rinteln fand Dr. Ingrid Spiekermann lobende Worte - für die Nikolai- und die Johannisgemeinde als "zwei Zentren in einer Ellipse" mit jeweils eigenständigem Charakter. In der Johannisgemeinde entdeckte die Landessuperintendentin die Möglichkeiten variabler, "zielgruppenorientierter" Gottesdienste, in Sankt Nikolai imponierte ihr vor allem das intensive musikalische Geschehen, in das, quer durch alle Generationen, ein großer Teil der Gemeindeglieder integriert sei. Vor allem die vielschichtige musikalische Jugendarbeit fand das Wohlgefallen der landesobersten Verwaltungschefin. Fazit: "Ganz anders machen muss man hier nichts."
Zum Visitationsprogramm für Sankt Nikolai gehörte für Ingrid Spiekermann neben dem Gespräch mit dem Kirchenvorstand unter anderem der Besuch der beiden Kindergärten, des Bibelkreises, des Besuchsdienstes, des Konfirmandenunterrichtes, der Singschule sowie das Gespräch mit den haupt- neben und ehrenamtlichen Mitarbeitern der Gemeinde. Zu den Höhepunkten zählte der Visitationsgottesdienst am vergangenen Sonntag unter der Leitung von Pastorin Astrid Bunselmeyer.
Auf dem Programm im Kirchenkreis standen unter anderem die Besichtigung eines Teils der Kirchen und Gemeinden, Gespräche mit dem Kirchenkreisvorstand, mit Vertretern aus Politik, Verwaltung und Presse, mit Religionslehrern, Schulleitern und Lektoren - und natürlich mit den Pastoren sowie mit den hauptamtlichen Mitarbeitenden auf Kirchenkreisebene. Stippvisiten gab es darüber hinaus im "Haus der Diakonie" in Rinteln, bei der Frauen AG und beim Kirchenkreisjugenddienst. -
Der Begriff der Visitation leitet sich vom lateinischen "visitatio" (Besichtigung) ab und stellt, wie es Andreas Kühne-Glaser im Vorfeld interpretiert hatte, einen "geordneten Besuchsdienst mit geistlicher Begleitung" dar, der durch Beratung und Leitung der Stärkung und dem Zuspruch für die visitierte Einrichtung dienen soll. Auch wenn es für die Visitatorin die beste und umfassendste Gelegenheit sei, eine Gemeinde und die Einrichtungen des Kirchenkreises kennen zu lernen, so der Superintendent, "den wichtigsten und unmittelbarsten Nutzen sollen Sankt Nikolai und der Kirchenkreis selbst aus der Visitation ziehen."
Beide Seiten erhielten mit Anleitung und Begleitung von außen die Gelegenheit, "die eigene Arbeit zu reflektieren und sich darüber bewusst zu werden, wie sich ihr Gemeindeleben nach innen wie nach außen zur Zeit gestaltet und darstellt". Die Visitation sei gleichsam eine gute Gelegenheit, "Inventur" zu machen, sich über Bewährtes und Gutes zu freuen, gleichzeitig aber auch Schwieriges und "eventuelle Ladenhüter" zu überdenken sowie für die kommenden Jahre Ziele der Arbeit anzudenken und, soweit es gehe, auch schon festzulegen. Foto: km