RINTELN (ste). So fröhlich und lustig ARD-Wetterfrosch Sven Plöger seinen Vortrag zur Frage "Wohin steuern wir unsere Wetterküche" auch gestaltete, der Ernst fehlte ihm an keiner Stelle. Denn Plöger, bekannt unter anderem vom "Wetter vor acht" oder "Das Wetter im Ersten", stellte unmissverständlich fest: "Ich mache mir ernsthaft Sorgen." Denn die Wissenschaft stelle extreme Wetterveränderungen in extrem kurzer Zeit fest. Das Polareis schmelze viel schneller als gedacht, dadurch könne weniger Energie aus dem Sonnenlicht reflektiert werden, mehr Wärme dringe in das Meerwasser ein; der Effekt daraus: Das Eis schmilzt noch schneller. Dazu komme die starke Veränderung des Jet-Streams, das sind Höhenwinde, die als Motor für sich bewegende Hochs und Tiefs gelten. Die Folge aus dem sich abschwächenden und teils unterbrochenen Jet-Stream: Ein Hoch oder ein Tief nisten sich ein, bleiben stehen: "Ich habe den Begriff Standwetter erfunden", so Plöger, angelehnt an Günther Netzers Begriff "Standfußball". So eine Wetterlage erlebte Deutschland 2018 und 2019 mit seinen extrem trockenen Sommern. Ein Grund für die starken Veränderungen: "Wir stoßen immer noch viel zu viel CO2 aus und sind schon lange nicht mehr der Vorreiter in Sachen Klimaschutz, der wir einmal sein wollten", so Plöger. Mit dem Finger auf andere Länder zu zeigen, ohne dabei das eigene Verhalten zu ändern, helfe da wenig. Neun Tonnen CO2 pro Kopf und Jahr werde in Deutschland statistisch in die Luft geblasen. Damit stehe Deutschland auf Platz acht in Europa. Während die Chinesen bei etwa sechs Tonnen liegen, wird in Indien nur etwas mehr als eine Tonne pro Person und Jahr emittiert. Die USA liegen bei 16 Tonnen. Doch was erwartet uns, wenn das Eis schmilzt, der Meeresspiegel steigt und Wetterextreme zunehmen? Szenarien, die sich Plöger gar nicht vorstellen wollte und 2050, wenn die Temperaturen tatsächlich um drei Grad gestiegen sein sollten, wolle er keine Klimavorträge mehr halten. Die Klimaänderung sei wie ein "Meteoriteneinschlag in Zeitlupe" und die Gesellschaft bedürfe jetzt einer Transformation. Hin zu erneuerbaren Energien, weg von Kohle, Öl und Gas war Plögers einfache Formel für ein rumreißen des Ruders. Und Deutschland werde dabei besonders von China genau beobachtet: "Wenn wir das schaffen, machen es uns die Chinesen nach. Dann haben wir ein Stück weit die Welt mit gerettet." Foto: ste
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Sven Plöger: "Ich mache mir ernsthaft Sorgen!"
ARD Wetterexperte referiert über "Wohin steuern wir unsere Wetterküche?"
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