RINTELN (ste). Auf der Landesvertreterversammlung des NABU Niedersachsen, die in diesem Jahr im Rintelner Gymnasium stattfand, kamen rund 300 Besucher aus 190 NABU Gruppen des Landes zusammen. Sie ließen sich informieren über aktuelle Umwelt-, Artenschutz- und Naturschutzprojekte des NABU und Landesvorsitzender Dr. Holger Buschmann nahm kein Blatt vor den Mund, als es um die Frage ging, an welchen Räder man für den Grundwasserschutz und die Artenvielfalt drehen muss: "Wir fordern dringend eine natur- und klimaverträgliche Landwirtschaft!" Hinter Buschmann steht eine mächtige Lobby. Mit 105.000 Mitgliedern ist der NABU der größte Naturschutzverband in Niedersachsen und mit welchen Maßnahmen jeder einzelne etwas für den Naturschutz tun kann, zeigten viele Beispiele aus den einzelnen NABU-Gruppen des Landes. So sieht sich der NABU unter anderem als Vielfaltschützer, Obstwiesenbummler, Energiewender, Agrarvisionär, Singdrosseldirigent, Moorlobbyist, Seehundbanker, Vogelzählaktivist, Blätterdachdecker, Krötenchauffeur, Flächensparer, Wildkrautminister und vieles mehr. Auf Unverständnis stieß bei Dr. Nick Büscher und Dr. Holger Buschmann, dass sich derzeit die Windkraftlobby auf den NABU als angeblichen Windkraftverhinderer eingeschossen habe: "In den letzten zehn Jahren hat der NABU elf Klageverfahren im Land gegen 98 geplante Anlagen geführt und bis auf ein Verfahren alle recht schnell gewonnen", so die beiden NABU-Vorsitzenden. Zeitgleich seien mehr als 6.000 Anlagen gebaut worden. Der NABU verhindere nicht die Energiewende, das schwierige Antragsverfahren mache es den Windkraftbetreibern schwer, neue Anlagen zu bauen. Klares Ziel des NABU sei es: "Wir wollen beides: Energiewende und Erhalt des Ökosystems!" In Schaumburg sei der NABU bei über 40 Windkraftanlagen an keinem Klageverfahren beteiligt, auch nicht in Westendorf. Hier klage die Stadt Rinteln, werde allerdings vom NABU dabei fachlich unterstützt. Schlecht sieht es in Niedersachsen um den Artenschutz aus. Im Landeshaushalt seien gerade einmal 0,22 Prozent für den Naturschutz enthalten: "Zu wenig", wie Buschmann und Büscher finden. Als den großen Treiber für die Verschmutzung des Grundwassers und den Rückgang der Arten hat der NABU die Landwirtschaft ausgemacht. Hier sei es bereits "5 nach 12", denn Nitrat und Pestizide machten sich bereits in den grundwasserführenden Schichten breit und der Norden Schaumburgs im Bereich Haste stehe bereits auf der "Roten Liste" der Gebiete mit belastetem Trinkwasser. Dr. Buschmann prophezeite: "Wir werden riesige Probleme mit dem Grundwasser bekommen!" Am Ende gebe es nur zwei Möglichkeiten: "Grenzwerte hochsetzen und Gesundheit riskieren oder mit großem Aufwand Grundwasser reinigen!" Das Nitrat durch intensive Düngung brauche etwa 50 Jahre, um bis in die Grundwasserschichten vorzudringen. Nur durch schnelles Handeln, und das heiße auch, erheblich weniger zu düngen und Verzicht auf Pestizide, sei der Hebel noch umzulegen. Verzicht sei auch in der Gesellschaft gefordert: "Man muss nicht jederzeit alles haben können!" Regional, saisonal seien hier zwei Ansätze, mit denen sich viel bewegen ließe. Und besonders beim Artenschutz gebe es sogenannte "Kipppunkte", wenn Arten mit Schlüsselfunktion wegbrechen und andere Arten nach sich ziehen. Welche Arten hier eine besondere Schlüsselstellung einnehmen, sei wissenschaftlich allerdings noch nicht hinreichend erforscht. Am Ende gehe es beim Arten-, Klima-, Umwelt- und Naturschutz darum: "Wir wollen nicht weniger als die Erde erhalten!" Foto: ste
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Energiewende und Erhalt des Ökosystems
Probleme mit Grundwasser im Bereich von Nordschaumburg / Landwirtschaft in der Kritik
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