RINTELN (ste). Wer es noch nicht selbst erlebt hat, stimmt möglicherweise mit anderen ein in die wenig fachkundige Bewertung: "Die müssen doch bekloppt sein!" Die "Große Weserrunde", diesmal im 10. Jahr ihrer Ausrichtung, hat jede Menge solcher "Bekloppter", die auf den Strecken über 150, 200, 250 oder 300 Kilometer nicht nur sportliche Herausforderung suchen, sondern auch jede Menge Spaß dabei finden. Spaß bei solchen Belastungen; geht das? Klare Aussage dazu: "Ja!" Denn bereits mit ein wenig Training sind die 150 Kilometer eine fast breitensportliche Strecke, geeignet auch für sportliche Genussfahrer. Mittendrin in einer Rintelner Gruppe der Berichterstatter. Während sich knapp 30 Prozent der 548 Teilnehmer auf die 150 Kilometer Strecke machten, wagte sich ein Viertel auf die 200 und fast die Hälfte auf die 300er Strecke. Die magische 500er Grenze wurde in diesem Jahr also mit einem Plus von 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr geknackt! Gestartet war die Tour vor zehn Jahren mit unter 50 Teilnehmern und kaum jemand hätte gedacht, dass die Radsportszene einmal so auf die "Große Weserrunde" anspringen würde. Ist sie, und zwar bundesweit. Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet und darüber hinaus zeugen von der Attraktivität der Tour. Unterwegs trifft der Berichterstatter auf der 150er Runde auf Kathrin aus Norden. Sie liebt das Weserbergland und findet die Tour auch landschaftlich besonders schön. Die Organisation lobt sie in höchsten Tönen und morgen, am Sonntag, verrät sie uns, geht es auf die RTF in Bomlitz; wieder 115 Kilometer. Ein wenig verrückt wirkt in der Gruppe der Rennradfahrer allerdings ein Freak mit Rasterlocken und Rauschebart, der barfuß auf seinem selbst zusammengebauten Rennrad unterwegs ist: "Ich komme aus Kathrinhagen und bin immer barfuß unterwegs", verrät der Rentner und tritt ordentlich in die Pedale; angemeldet hat er sich nicht. Die diesjährige Jubiläumsrunde hatte auf der Strecke märchenhafter Unterstützung. In Hameln grüßte der Rattenfänger und wies den Weg, in Bodenwerder log Baron von Münchhausen die Rennradfahrer schamlos an und behauptete, mit seinem Holzrad auf der 300er Tour zu sein, in Hann. Münden schaute sich Dr. Eisenbarth um, ob er als fahrender Handwerkschirurg mit seiner Heilkunst bei Krämpfen oder Blasen helfen kann, in Beverungen kam der Korbmacher zu Besuch und in Heinsen war "Aschenputtel" zu Gast in der wunderbaren Verpflegungsstation des Weserterrassencafé"Backofen". Verpflegung ist auf der Tour übrigens ein wichtiger Faktor. Bereits in Bodenwerder am Campingplatz gab es nach etwas mehr als 50 Kilometern ein gutes Frühstück und die Mannschaft der Bewirtung ist jedes Jahr an guter Laune kaum zu überbieten. Die nächste Trinkstation ist Holzminden und da geht es für die 150er bereits wieder zurück in Richtung Rinteln. Allerdings über die Ottensteiner Hochebene, und die wird ihrem Namen überaus gerecht. Die Anstiege sind lang und schweißtreibend. Insbesondere bei den Temperaturen der diesjährigen Weserrunde. Der Asphalt kochte, der Wind blies häufig schwach und in den Rücken und der Schweiß ließ die Elektrolyte aus dem Körper schwemmen. Gut beraten war, wer vorgesorgt und den einen oder anderen Riegel für unterwegs dabei hatte. Während die 150 in Holzminden ihre "Halbzeit" hatten, hieß es für die 300er: Durchhalten bis Hann. Münden! Die Langstreckler waren bereits früh am Morgen um 5.30 Uhr gestartet und der "Point of return" war für viele bereits um 11 Uhr erreicht. Die Sperrspitze in der Berichterstattung für das SW waren die Rintelner Veith Norek, Harry de Koekkoek und Axel Balsmeyer, die in Hann. Münden noch fröhlich in die Kamera lächelten und sich dann auf die Rückfahrt nach Rinteln machten. Am Ende waren bei einem 30er Schnitt die "Körner im Körper verbraucht", Krämpfe kündigten sich an und dennoch ihr Fazit: "Das war eine richtig coole Nummer!" Die 150er Gruppe, aus der der Berichterstatter seine Informationen aus erster Hand erhielt, bestand aus den Rintelnern Sonja Schneider, Jan Thieme, Giso Ansorge, Sven Urban, Marc Sigges und Markus Witt. Im 25er Schnitt war die Strecke in sechs Fahrstunden bewältigt und das in perfekter Stimmung. Die Statistik spricht für diese Veranstaltung, die im nächsten Jahr bereits terminiert ist auf den 29. August 2020. Denn besonders Auswärtige zieht es zur "Großen Weserrunde". Nur 14 Prozent kommen aus dem Bereich des Landkreises Schaumburg und Umgebung, mehr als 60 Prozent reisen von weiter an und belegen vor und nach der Tour viele Hotelbetten in der Stadt. Etwa jeder zehnte Teilnehmer ist eine Frau und Lob gab es von vielen Seiten für die perfekte Organisation und die in großen Teilen gute Ausschilderung der Strecke. Die größte Herausforderung für viele Teilnehmer war in der 10. Auflage die Tatsache, dass es brutal heiß war und die Strecke durch Baustellen so verlegt werden musste, dass es einige Höhenmeter mehr waren. Bei Nudeln und alkoholfreiem Weizen ließen es die Radler dann im Gymnasium am Start- und Zielort ausklingen: "Nächstes Jahr sind wir wieder dabei" war der meistgehörte Satz. Foto: ste
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Live dabei mit einem Rintelner Team auf Die 150 Kilometer sind (fast) noch eine Breitensportveranstaltung / Brutale Hitze und einige neue Anstiege durch Baustellen
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