1. Mit einem "Männequin" aus Blei

    "Campana urinatoria" der Universität ist jetzt im Museum

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    RINTELN (km). Ein besonderer Neuzugang bereichert seit kurzem die Sammlungen des Museums: Eine kleine gläserne Taucherglocke für physikalische Versuche. Das nur 14 cm hohe Modell aus dem früheren Physik-Unterricht des Gymnasiums Ernestinum, kommentierte Museumsleiter Dr. Stafan Meyer, dürfte noch aus der Vorgängerinstitution der Schule, der Universität Rinteln, stammen. Taucherglocken waren schon in der Antike bekannt. Im Mittelalter geriet die Erfindung wieder in Vergessenheit und wurde im 17. Jahrhundert gewissermaßen wiederentdeckt. Experimente mit Luftdruck wurden nun überhaupt regelrecht Mode. Die Rintelner Universität schaffte sich 1698 eine große Vakuumluftpumpe an, und der berühmte Kasseler Ingenieur Denis Papin führte auch bereits eine durch Blasebälge luftversorgte Taucherglocke vor. Tatsächlich, so Stefan Meyer, sei das Modell einer Taucherglocke, lateinisch als "Campana urinatoria", in den Beständen des Physikalischen Kabinetts der Universität nachweisbar. Physik-Professor Johann Matthäus Hassencamp habe sie in einem ausführlichen Inventar von 1780 erwähnt. Darin befinde sich, so die Notiz, ein kleines "Männequin" aus Blei. Auch das neue Museumsexponat ein solches Männchen. Es ist eine etwa zehn Zentimeter hohe Figur mit schulterlangem, glattem Haar unter einer schlichten Mütze, gekleidet in einen kurzen, gegürteten Kittel und einfachen Kniebundhosen, so wie sie von Bauern oder Handwerkern im 18. Jahrhundert getragen wurden. Einst habe sie etwas in der rechten Hand gehalten - vermutlich ein Fähnchen. Nach dem hinablassen in ein mit Wasser gefülltes Glas sei dann gut erkennbar gewesen, dass der Oberkörper des Tauchers und seine Fahne in der Luftblase trocken blieben. "Was uns heute simpel erscheint," befindet Stefan Meyer, "war damals ungewöhnlich und faszinierend". Ganz besonders auch, weil hier eine Anwendung der Physik für nützliche Zwecke erkennbar geworden sei. Tatsächlich habe man im 17. Jahrhundert begonnen, mit Taucherglocken wertvolle Fracht aus gesunkenen Schiffen zu bergen (so geschehen 1665 mit einer Gold- und Silberladung in der Mündung des Rio de la Plata). Dazu Meyer: "Die kleine Taucherglocke machte also aktuelle Technik und Forschung anschaulich ist damit das erste Exponat in den Sammlungen des Museums, das dem alten physikalischen Kabinett der Rintelner Hochschule mit einiger Gewissheit zugeordnet werden kann". Es helfe nun mit dabei, die lange Zeit unterschätzte naturwissenschaftliche Forschung und Lehre der alten "Academia Ernestina" wieder ein Stück mehr lebendig werden zu lassen.

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