RINTELN (ste). Es ist bereits viel geschrieben über den Brückentorkomplex, den angeblichen "Schandfleck" am Eingang der Stadt, über das möglicherweise "marode" Gebäude mit Hochwasserschäden, über den "brandgefährlichen" Brückentorsaal, der seit Monaten für Veranstaltungen gesperrt ist, über die Brandgefahren, die es demnach auch in Hotel und Verkaufsräumen von Woolworth geben müsste. Auch über den zweiten Eigentümer neben der Stadt Rinteln, Christian Schneidewind und seinen Bruder, wurde viel spekuliert. Tenor war: Sie lassen ihre Gebäudeteile verfallen, während die Stadt den Brückentorsaal mit hohen Kosten sanieren will. Das SW wollte es genauer wissen und fragte bei Christian Schneidewind an. Der zeigte sich aufgeschlossen für einen Rundgang durch seine Gebäudeteile und zeigte dabei auch die aus seiner Sicht größten Probleme der Immobilie auf. Größter Hemmschuh für weitere Entwicklungen ist die Aufteilung auf zwei Eigentümer: "Eigentlich müsste der Brückentorkomplex in eine Hand!" Nur so, findet Schneidewind, könne man vernünftig und vor allem eigenständig über die Zukunft des Brückentors entscheiden. Das größte Problem in dem 1975 fertiggestellten Komplex: Die Technik ist so in den Gebäudeteilen verteilt, als wenn das Gebäude einem Eigentümer gehören würde. Und das war auch so, als Kurt Schneidewind es fertigstellte. Erst 1986 mietete die Stadt den Saal und kaufte ihn 1988 zusammen mit dem Restaurant. Heizung, Lüftungssysteme, Stromverteilung, Abwasser, Gasversorgung; alles ist aber immer noch so im Komplex angeordnet, als wenn es diese Teilung nie gegeben hätte. Möglichkeiten zur Entwicklung Variante 1: Ein Investor kauft von der Stadt und ihm die jeweiligen Anteile und entwickelt dort nach seinen Vorstellungen. Diese Variante war schon so gut wie in Sack und Tüten mit Investor Norbert Dittel. Der hätte sogar für die Stadt am gleichen Standort einen neuen Saal gebaut und ihn vermietet. Eigentlich hätten die Bagger dort schon ihre Arbeit beginnen können, doch dafür fand sich keine politische Mehrheit. Christian Schneidewind findet das bedauerlich: "Ich hätte das als eine Bereicherung für die Stadt und den Standort des Brückentors empfunden", sagt er; und zwar nicht nur, weil er das Objekt dann verkauft hätte. Variante 2: Die Stadt kauft die Anteile von Christian Schneidewind und entwickelt selbst den Standort Brückentor. Diese Idee wurde schon einmal von Dr. Ralf Kirstan im Rat ins Spiel gebracht, dann aber wieder verworfen. Die Verwaltung hat nach derzeitigem Stand nicht das notwendige Personal, um ein solches Großprojekt zu stemmen und ob es finanzierbar wäre, bliebe ebenfalls abzuwarten. Variante 3: Christian Schneidewind und sein Bruder kaufen die städtischen Anteile und entwickeln selbst Ideen für das Brückentor. Das, so Schneidewind, sei die für ihn letzte Option und entsprechende Pläne habe er noch nicht. Doch Schneidewind macht auch deutlich: "Für einen Saal an der Stelle hätte ich keine Verwendung!" Der Brückentorsaal hätte dort also in dieser Variante keine Zukunft. Und die Summe, die er bereit wäre der Stadt zu zahlen? "Wäre eine Anerkennungssumme, mehr nicht!" Variante 4: Alles bleibt so wie es ist. Die Stadt und Familie Schneidewind behalten weiterhin ihre Eigentumsanteile. Dann, so Christian Schneidewind, wäre allerdings eine neue Teilungserklärung und eine Bestandserhebung aller technischen Einrichtungen richtig und wichtig. Diese Möglichkeit, die jetzt durch ein Bürgerbegehren favorisiert wird, hat allerdings so einige Pferdefüße, denn eine Sanierung von Gebäudeteilen geht in Teilbereichen nur, wenn der jeweils andere Eigentümer zustimmt. Hat der Komplex "nasse Füße"? Leerstand im Mittelteil! Warum? Sanierung ist teuer und dauert Welche Möglichkeiten es gibt, den Gesamtkomplex in eine Hand abzugeben? Schneidewind weiß drei Antworten: Jetzt zur Frage der Bausubstanz. Ist der Komplex tatsächlich angegriffen vom Hochwasser, hat das Gebäude quasi "nasse Füße", oder bröckelt der Beton und droht eine aufwendige Sanierung für die Standfestigkeit? Nein, so Christian Schneidewind. Sein Vater habe grundsolide gebaut. Wasserundurchlässiger "WU"-Beton in Bodenplatte und Schottenwänden sorge verlässlich für eine Standsicherheit. Manches sei vielleicht farblich ein wenig in die Jahre gekommen, aber für seinen Teil des Gebäudes könne Schneidewind feststellen, dass die Substanz in Ordnung sei. Und der Leerstand im ehemaligen Coop? Den hätte er längst vermieten können, doch er wolle nicht nur die unteren Räumlichkeiten vermieten, sondern auch die dvrüber liegenden Sozialräume und die weiteren Räume im Obergeschoss. Nur so sei eine Vermietung rentabel. Der von Kay Steding ins Spiel gebrachte Abriss des mittleren Baukörpers (ehemals Coop) ist nach Ansicht von Schneidewind zwar grundsätzlich möglich, aber schwierig umzusetzen und teuer. "Das Gebäude ist in einer Rasterbauweise erstellt, im Mittelteil befinden sich statische Riegel!" Die zu überbrücken sei teuer. Außerdem verlaufen die technischen Leitungen für Lüftung, Heizung, Strom und mehr kreuz und quer durch die Gebäudeteile. Die müssten dann neu in den Untergrund verlegt werden. Ohnehin ist die Technik eines der größten Probleme im Bau. Alles müsste bei einer Saalsanierung erst einmal neu erfasst werden, eine neue Teilungserklärung mit klar definierten Rechten und Pflichten der Eigentümer müsste erstellt werden. Dazu braucht es Fachleute, die den Bestand der technischen Anlagen in Pläne fassen und einen Vertrag, der im Detail die Verantwortlichkeiten der Eigentümer regelt; das dauert. Die vielbeschworene "kleine Lösung Sanierung des Brückentorsaals" könnte sich letztlich als ein Millionengrab herausstellen. Und wie sieht es nun aus mit dem Brandschutz in den Schneidewind-Gebäudeteilen? Immer wieder wurde in der Politik darüber diskutiert, ob Hotel und Verkaufskomplex ebenso "brandgefährlich" seien wie der Brückentorsaal. Für Christian Schneidewind kein Thema: "Der Brandschutzprüfer hat Ende 2018 geprüft und die aufgeführten Mängel sind überschaubar und werden sukzessive behoben!" Er habe in seinen Gebäudeteilen die Brandschutzanlagen ständig gewartet. Die Vorschriften für einen Saalbetrieb seien aber auch andere, als die für beispielsweise eine Verkaufsfläche. Wie es weitergehen soll mit dem Brückentorkomplex? Christian Schneidewind will sich da nicht in Spekulationen verstricken. Er pflege weiter den Bestand seiner Immobilienteile und habe langfristige Mietverträge mit seinen Partnern. Eine schnelle Sanierung des Saals an diesem Standort sah er aber nicht. Ein wenig wehmütig wird er, als wir am Ende der Besichtigung auf dem Dach des Hotelkomplexes stehen und den Blick über die Weser und die Stadt streifen lassen: "Hier ist der schönste Punkt des Brückentors und auf einer Restaurantterrasse hätte man hier wunderbar ausspannen können!" Foto: ste
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Das Brückentor gehört in eine Hand
Christian Schneidewind führt durch seine Gebäudeteile / Bausubstanz ist solide / Kleine Lösung wäre zu teuer
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