1. Ein Rebell, der eigentlich gar keiner ist

    Wolfgang Bosbach ist der Ehrengast beim CDU-Früh(jahrs)schoppen im Ratskellersaal

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    RINTELN (ste). Früher sein ein Rebell gewesen, wer eine revolutionäre Bewegung angeführt habe, heute sei man bereits ein Rebell, wenn man bei seiner Meinung bleibe. Was der Ehrengast der CDU beim "Früh(jahrs)schoppen", Wolfgang Bosbach, vor einer stattlichen Zahl an Gästen zu sagen hatte, traf nicht nur ziemlich genau den Nerv derer, die ohnehin CDU-Positionen vertreten, sondern auch Gäste anderer politischer Couleur wollten sich den Querdenker, manchmal als Rebell, Abweichler oder Nervensäge betitelten, den vielleicht letzten seiner Art in der CDU, anhören. 2017 beendete Wolfgang Bosbach seine politische Karriere im Deutschen Bundestag, unpolitisch wurde er deshalb nicht. Und auch heute beteuert er: "Ich vertrete immer noch und ausschließlich CDU-Positionen!" Mit dem Nachsatz: "Auch solche, die die CDU früher mal hatte!" Die beste Werbung für die Arbeit einer Partei sei ein gutes Argument, so Bosbach, denn: "Wer den Zeitgeist heiratet, ist schnell Witwer!" Und er sei stolz auf sein Land, das eine gewaltige Gemeinschaftsleistung nach dem Krieg bewältigte und das auch den Aufbau der neuen Länder nach dem Fall der Mauer bewältigte. Dieser Stolz sein absolut kein Nationalismus: "Aber Patriotismus!" Die Zahlen sprechen für die Haltung Bosbachs. Wenn am 23. Mai die Bundesrepublik ihren 70. Geburtstag feiert, hat sie 62 Jahre Konjunktur und nur acht Jahre Rezession hinter sich. Doch Bosbach warnte seine Parteifreunde: "Wir müssen aufpassen, nicht den Zusammenhang zwischen sozialer Leistungsfähigkeit und wirtschaftlicher Leistung zu verlieren!" Am Ende aller guten oder gutgemeinten Ideen sei immer die Frage zu stellen: Wer soll das bezahlen? Neben wirtschaftlicher Stärke zeichne Deutschland aber auch die politische Stabilität aus: "Denken Sie einfach mal darüber nach, ob sie die italienischen Regierungschefs der letzten 37 Jahre namentlich nennen könnten!" In Deutschland seien dies Helmut Kohl, Gerhard Schröder und Angela Merkel gewesen. Doch die letzten 70 Jahre ohne Chance von extremen Parteien von Links oder Rechts seien kein Garant dafür, dass das auch so bleibe. Bosbach forderte: "Lassen sie uns daran arbeiten!" Denn die "politischen Gewissheiten von früher" gelten heute nicht mehr. In Frankreich habe sich 2016 die Partei "En Marche" gegründet und bereits bei der ersten Wahl holte sie sich im zweiten Wahlgang zwei Drittel der Stimmen und damit das Präsidentenamt. Die Europawahl sei daher so wichtig wie selten zuvor, weil europaweit extreme Kräfte auf dem Vormarsch seien. Doch Europa sein ein Erfolgsmodell, das nicht nur wirtschaftlich gesehen werden dürfe. Europa sorge unter den Mitgliedsstaaten auch dafür, dass man Stärke und Einigkeit gegenüber den anderen Superstaaten zeige und auch deshalb habe es bislang noch nie einen Austritt gegeben. Natürlich kam auch die Flüchtlingspolitik von Angela Merkel auf den Tisch. An dieser entzündete sich bereits 2015 ein Diskurs mit der Kanzlerin. Seine klare Haltung: Die Menschen müssen sich hier unserer Leitkultur anpassen. Das mache er als Tourist in anderen Ländern auch: "Im Oman lag auf dem Bett des Hotels ein Verhaltenskodex wie beispielsweise kein Oben-Ohne am Strand, kein Alkohol in der Öffentlichkeit und Regeln für einen Moscheebesuch!" Ein Verhalten, das er gerne akzeptiere, dass er umgekehrt von den Menschen in Deutschland aber auch verlange. Das Problem seien dabei aber nicht die 4,8 Millionen Muslime in Deutschland, sondern die 40.000 Islamisten, denen man in aller Deutlichkeit sagen müsse, dass die Sharia hier nicht geduldet werde. Wolfgang Bosbach überzeugte, faszinierte, wirkte klar, deutlich und vor allem authentisch und überzeugt von seiner Haltung. Für die CDU ein Glücksgriff beim "Früh(jahrs)schoppen".Foto: ste

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