1973 genehmigt die Stadt die Baupläne für das neue Brückentor, 1975 steht der Komplex am Pferdemarkt, wo zuvor noch Schlachthaus und Polizei untergebracht waren. Eine wechselvolle Geschichte mit COOP, Woolworth, einer Passage mit Fleischerei, Bäcker, Pizzeria und Gaststätte beginnt. Doch immer mehr verfällt der in Eigentümergemeinschaft von Stadt und Fam. Schneidewind befindliche Komplex. 1990 Umbau des Saals mit neue Akustikdecke und neuem Foyer. Möglicherweise werden hier Fehler in der Bauausführung gemacht, die heute zur Schließung nach Brandschutzprüfung führten. Auf Nachfrage des SW teilt die Stadtverwaltung mit, dass man heute viele Arbeiten nicht mehr nachvollziehen könne. Januar 2015 Erste Entwürfe im Rahmen der Planungen für eine neue Weserpromenade zeigen auch Visionen, wie man das Brückentor verändern könnte, um die Stadt dichter an die Weser zu rücken. Von diesem Zeitpunkt an steht in Rinteln fest: Das Brückentor in seiner jetzigen Art ist unattraktiv, Miteigentümer Schneidewind investiert nur noch das Nötigste in den Erhalt, nichts in die Verschönerung. Juni 2017 Im Verwaltungsausschuss taucht erstmals der Namen Norbert Dittel auf, ein Investor, der dem Brückentor neues und mehr Leben einhauchen will. Voraussetzung: Dittel will den kompletten Komplex von Schneidewind und der Stadt Rinteln kaufen. Verkehrswertgutachten und ein Verkehrsgutachten werden erstellt. Juli 2017 Die Planungen nehmen immer weiter Fahrt auf. Es wird bekannt, dass Architekt Wolfgang Hein aus Obernkirchen ins Boot geholt wurde und Rinteln träumt von Geschäften wie "H&M" und "C&A" am nördlichen Eingang der Stadt. Damit wären CIMA-Vorgaben nach zwei Magneten im Norden und Süden in greifbare Nähe gerückt. August 2017 Nach endlosen Debatten über den "Schandfleck Brückentor" und vielen Versuchen, mittels Architektenentwurf den Eingang der Stadt attraktiver zu machen, ein erster Entwurf für das neue Brückentor. Investor Dittel legt erste Pläne in Form eines Baumassenmodells vor. Alle Zeichen stehen auf ein schnelles Ende des "Schandfleck Brückentor". Der Kulturring macht auf sich aufmerksam und sucht nach einer beheizbaren Halle während der Umbauarbeiten des Brückentorsaals. Stand 8/2017 soll der Saal in das erste Obergeschoss umgesiedelt werden, um Erdgeschossflächen für Gewerbe zu nutzen. Die Stadt bilanziert einen Sanierungsstau im Brückentorsaal von mehreren 100.000 Euro und die Verwaltung macht darauf aufmerksam, dass nach der Sanierung des Brückentors noch Parkflächen fehlen. Die Fußgängerzone soll optische in Richtung Woolworth verlängert werden. Problemzonen, die jedoch zu meistern sind. Januar 2018 Die Vereine, der Kulturring und der Karneval machen mobil. Wo sollen Sie während der Sanierungszeit hin? Es ist die Rede davon, dass man "...ein bis zwei Jahre überbrücken muss". Kirchen, Dorfgemeinschaftshäuser, Festzelt und mehr sind als Übergangslösung in der Diskussion. Die positive Stimmung fängt an zu kippen. Februar 2018 Erste Bedenken über die Gestaltung werden laut: "Soll der große Klotz Brückentor noch größer werden?" Es kommt zu einer möglicherweise historischen Ortsrats- und Bauausschusssitzung, auf der Norbert Dittel und Wolfgang Hein persönlich angegangen werden. Nach der Sitzung hielt sich noch lange der Vorwurf gegen Kay Steding und Veit Rauch, dass sie den Investor vergrault hätten. Man will vom Investor Sicherheiten, damit der Saal auch tatsächlich gebaut wird. Das Projekt kommt ins Stocken. Februar 2018 Der Rat gibt grünes Licht für den Umbau des Brückentors, zumindest was die Änderung des Bebauungsplans angeht. Die CDU ist um Schadensbegrenzung bemüht und verkündet: Niemand will einen Investor verschrecken. Kritik gibt es an der Anmietung des Saals für "...1,5 Millionen Euro in 25 Jahren". Die Frage stellt sich: "Was kommt danach?" März 2018 Erstmals kommt der Begriff "Bürgerbefragung" in die Diskussion, eingebracht vom Arbeitskreis Denkmalschutz. April 2018 NDR-Korrespondent Wilhelm Purk kommt zum Interview mit Veit Rauch, Dr. Ralf Kirstan und Heinrich Sasse. Mittlerweile sollen die Mietkosten 2,5 Millionen Euro in 25 Jahren betragen und Sasse fordert: Verkauf des Saals und des gesamten Komplexes, Neubau auf der grünen Wiese. Dr. Kirstan favorisierte den Kauf des gesamten Komplexes durch die Stadt, Sanierung des Saals und Eigenvermarktung der Immobilie. Veit Rauch will den städtischen Saal an gleicher Stelle durch die Stadt saniert sehen. Drei Szenarien sind also in der Diskussion. April 2018 Der Bürgermeister lädt zur Pressekonferenz. "Sale and lease back" sei politisch wohl vom Tisch. Jetzt bringt auch der Bürgermeister einen Verkauf des Komplexes an einen Investor und den Neubau der Stadthalle ein. Erste Idee für einen Standort: Burgfeldsweide. Die Zeit drängt. Investor Norbert Dittel braucht für seinen Vertrag bis Jahresmitte eine Entscheidung der Stadt. 5 Millionen Euro - so die ersten Schätzungen - kostet eine neue Halle. Zu diesem Zeitpunkt wird die Sanierung des Saals noch auf eine Millionen Euro geschätzt. Die Zukunft des Brückentorkomplexes wackelt immer mehr. Mittlerweile haben sich in der WGS mit Heinrich Sasse und Dr. Gert Armin Neuhäuser zwei unterschiedliche Vorstellungen darüber gebildet. Sasse will verkaufen und neu bauen, Neuhäuser will sanieren am jetzigen Standort. Die geschätzten Sanierungskosten explodieren von Sitzung zu Sitzung, die Neubaukosten sind hinreichend undefiniert. 24. April 2018 Eine Nachricht platzt herein wie eine Bombe: Investor Dittel hat seinen Rückzug aus dem Thema Brückentor mitgeteilt. CDU und WGS "bedauern" das, die SPD ist "stinksauer" und die FDP favorisiert nach wie vor eine stadteigene Lösung ohne Investor. Die Grünen sehen eine Chance für die Stadt zerstört. 25. April 2018 Der Bürgermeister zeigt sich enttäuscht über das Aus der Pläne von Dittel. Die Gründe dafür sieht er in den persönlichen Anfeindungen des Investors durch Teile der CDU/WGS, in den zeitlich begrenzten Vertragsbedingungen zwischen Dittel und Schneidewind und in der Tatsache, dass der Investor kein Vertrauen mehr in die Verlässlichkeit der Stadt Rinteln habe. Rinteln sei für Investoren in dieser Sache derzeit "verbrannt". Mai 2018 Eine Sonder-Verwaltungsausschusssitzung und eine Sonder-Ratssitzung werden anberaumt. Einziges Thema: Brückentor. Bereits im Vorfeld wird signalisiert, dass man sich nicht unter Zeitdruck setzen lasse bei einem solchen Thema. Die Ratssitzung wird am Ende abgesetzt, die zwischenzeitlichen Ereignisse machen eine solche Sitzung nicht mehr notwendig. Ende Mai 2018 Heinrich Sasse sen. und jun. und Jens Maack wenden sich an den Bürgermeister mit dem Vorstoß, den Brückentorsaal und die gesamten städtischen Eigentumsanteile zu verkaufen und einen neuen Saal zu bauen. Sanierungsmaßnahmen am Brückentorsaal wollen sie nur im Rahmen der Betriebstauglichkeit des Saals. 21. Juni 2018 Ratssitzung: Mittlerweile steigen die errechneten Kosten für den Brückentorsaal ins Unermessliche und allein die Begutachtung des Sanierungsbedarfs soll 100.000 Euro kosten. Erste Stimmen werden laut, dass der Saal "kaputtgeschrieben" werden soll. Die CDU will die Bürger mitbestimmen lassen. Die WGS ist gespalten zwischen Sanierung (Dr. Neuhäuser) und Verkauf und Neubau (Heinrich Sasse & Co.). Die SPD will valide Zahlen für Neubau, Sanierung und andere Alternativen, um eine Entscheidung treffen zu können. 25. Juni 2018 Die Fronten zwischen den Parteien sind verhärtet. Der CDU haftet der Makel des Investorenschrecks an. Mittlerweile ist immer wieder der Bevölkerung davon zu hören, dass das Heulen und Zähneklappern in dieser Sache hausgemacht sei und man mit dem Investor besser gefahren wäre. 23. August Ratssitzung: Dr. Ralf Kirstan zieht seinen Antrag auf Ankauf des Brückentorkomplexes zurück, die Verwaltung hatte im Vorfeld signalisiert, dass der Erwerb der Immobilie die Stadt finanziell und personell überfordern würde. Eine kleine Rolle rückwärts auch bei Heinrich Sasse, der jetzt auch eine Rückmietung des Saals an gleicher Stelle in Erwägung zieht. "Sale an lease back", wie von Ex-Investor Dittel bereits angeboten. Oktober 2018 Das Thema nimmt immer mehr Fahrt auf, nachdem die Stadt eine Sperrung des Saals aus brandschutztechnischen Gründen ankündigte. Letzte Veranstaltungen seien nur noch mit einer Brandsicherheitswache der Feuerwehr zu verantworten. Druck auf die Ratsmitglieder für einen Neubau? Die CDU sieht einen Neubau oder eine Sanierung an gleicher Stelle wie jetzt als Favorit und die SPD warnt davor, dass die Stadt sich durch Abriss und Neubau an gleicher Stelle finanziell übernimmt. SPD und Teile der WGS sind für einen Verkauf und Neubau an anderer Stelle. 7. November 2018 Sitzung des Bauausschusses im Foyer des Brückentors. Die Verwaltung hat mittlerweile mehr als zwei Millionen Sanierungsaufwand für den Saal ermittelt. Ein Brandschutzgutachter erläutert, wo es im Saal hakt. Angekündigtes Ende der Veranstaltungen im Saal ist im Februar 2019. In der Sitzung steigern sich die Sanierungskosten auf vier Millionen Euro. Die CDU ist sauer, präsentiert eine neue Lösung mit Trennung der verschiedenen Komplexe. Harte Diskussionen gab es zur Frage von "Abriss, Sanierung, Neubau?" Beschlusslage zu diesem Zeitpunkt: Verwaltung soll Verkauf des kompletten Komplexes prüfen. Am 21. November ist noch Verwaltungsausschuss und am 29. November die nächste Ratssitzung. Ende November 2018 Der Rat votiert mehrheitlich dafür, dass der Bürgermeister Verkaufsverhandlungen mit möglichen Investoren führen soll. Priemer hat gelernt aus den Monaten zuvor und teilt mit, dass er Namen von potentiellen Investoren vorerst nicht nennen werde. Zu groß ist die Angst, dass wieder Ratsmitglieder die Regel "Reden ist Silber, Schweigen ist Gold" missachten. Mittlerweile hat die Stadt den Saal allerdings auch schon wertlos geredet: "Schrottimmobilie!" Ob ein Investor dafür noch Geld geben wird, ist bei der zu diesem Zeitpunkt geführten Diskussionsgrundlage fraglich. Dezember 2018 Heinrich Sasse und seine Kollegen bringen zu ihrem Antrag auf Verkauf des Komplexes einen Ergänzungsantrag ein, bei dem auch eine "Sale and lease back"-Variante geprüft werden soll. Eine Sonder-Ratssitzung wird für den 17. Januar 2019 terminiert. Ende Dezember 2018 Während Dr. Gert Armin Neuhäuser ein Befassungsverbot des Rates nach dessen Geschäftsordnung mit dem Punkt Brückentorsaal sieht, will die SPD zusammen mit Sasse/Sasse/Maack an einem Strick ziehen und auch für einen Verkauf der Immobilie votieren und einen Neubau bzw. eine Rückmietung des Saals. Januar 2018 Der Kulturring startet eine nicht repräsentative Befragung zum Saal und teilt mit, dass er, wie die Mehrheit der Befragten, für eine Sanierung des vorhandenen Saals sei. Die CDU will einen regelrechten Bürgerentscheid, schwenkt dann aber um auf eine Bürgerbefragung zum Thema Sanierung des Saals oder Neubau. Die SPD wendet sich dagegen. Zu komplex sei das Thema, zu schwierig die Entscheidung. Februar 2019 4,4 Millionen Euro sind der mittlerweile errechnete Sanierungsbedarf für den Saal; nicht kalkulierbar sei dabei der Zustand der verbleibenden Bausubstanz. Mittlerweile werden auch Anfragen laut, wie es denn um den Brandschutz in der Restimmobilie bestellt ist, zum Beispiel im Hotelkomplex und bei Woolworth. Die CDU stellt den Antrag, auch andere Stadtimmobilien auf ihre Brandsicherheit hin zu prüfen. Wie sind die möglichen Visionen für die Zukunft? Juni 2019: Es findet sich ein neuer Investor, der bietet fast so gute Konditionen wie Norbert Dittel, hat ähnliche Pläne, will auch an Rintelns Sahnestelle Geld verdienen und möchte allerdings für den totgeschriebenen Saal nichts mehr bezahlen. Im März 2020 beginnt er nach den Planungen mit dem Bau, im Juni 2022 ist der neue Saal an alter Stelle fertig und man feiert im Panoramarestaurant auf dem Oberdeck des Hotels die gelungene Stadtentwicklung am Eingangstor von Rinteln. Hier kommen auch viele der kaufkräftigen Neubürger hin, die sich eine Eigentumswohnung auf dem Dach des Brückentors gekauft haben; mit Blick auf die Weser durch ihre großen Glasflächen. Die Verwaltung entschließt sich, dass sie nicht verzweifelt an dem Projekt und kauft den Komplex komplett, lässt den Saal sanieren, trennt den Woolworth-Komplex ab, verkauft ihn und auch das Hotel wird an einen privaten Investor verkauft. Im Juni 2022 startet der Kulturring mit den ersten Theateraufführungen im neuen Saal. Das Panoramarestaurant auf dem Hoteldach gibt es nicht und auch keine Wohnungen in feinster Weserlage für kaufkräftige Neubürger. Der komplette Brückentorkomplex ist verkauft, ein Standort für den neuen Stadtsaal ist auf dem Gelände der ehemaligen IGS am Kollegienplatz gefunden und mit dem Bau kann erst begonnen werden, wenn die IGS-Neu an der Burgfeldsweide gebaut ist und die IGS-Alt vom Standort Kollegienplatz weggezogen ist. Der Bau der neuen Stadthalle verteuert sich allerdings von Monat zu Monat und liegt mittlerweile bei 12 Millionen Euro. Am Brückentor geht es los mit den Planungen des Investors, der um Juni 2022 den erfolgreichen Umbau im neuen Panoramarestaurant auf dem Dach des Hotels feiert, während sich Kulturring, Karneval und Co. mit Zelten, Dorfgemeinschaftshäusern und Aula für längere Zeit zufrieden geben müssen. Foto: ste
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Eine kleine Chronik des Wahnsinns zum heiß diskutierten "Brückentorkomplex"
1975 war es eine gefeierte Immobilie mit modernem Outfit, 2019 ist es nur noch ein Schandfleck am Eingang der Stadt
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