1. Erklärungsversuche: Allein, es fehlt der Glaube daran

    Landeskirche und Superintendent verhüllen sich hinter einer Wand von Schweigen zu den Gründen der Abberufung

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    KRANKENHAGEN (ste). Die Stimmung ist aufgeheizt im Gemeindesaal der Erlöserkirche in Krankenhagen und am Ende der Informationsveranstaltung gehen die Menschen mit mehr Fragen nach Hause als mit Antworten. Landeskirche, Superintendent und Kirchenvorstand verhüllen sich hinter einer selbstauferlegten Wand des Schweigens. Thema der innerhalb von zwei Tagen angesetzten Gemeindeversammlung war der Abzug von Pfarramtsverwalter Tobias Roggenkamp durch die Landeskirche und die war mit Oberkirchenrat Dietmar Rehse, zuständig für Personaleinsatz und Probedienste in der Landeskirche, mit Pastor Mathis Burfien, zuständig für die Förderung von theologischem Nachwuchs und mit Superintendent Andreas Kühne-Glaser angerückt, um Ruhe in die Gemeinde zu bringen und ihre Entscheidung zur Abberufung von Tobias Roggenkamp von seiner Ausbildungsstelle in Krankenhagen hin zu einer neuen Stelle im Landkreis Hameln-Pyrmont zu erklären. Diese Entscheidung entzweit allerdings derzeit das Dorf. Während man in Krankenhagens Bürgerschaft Anfeindungen von Roggenkamp wegen seiner Homosexualität ausgemacht haben will und dem Kirchenvorstand vorwirft, falsche Informationen an die Landeskirche weitergereicht zu haben, beteuern die Kirchenvertreter, dass der Grund lediglich in Defiziten in der Ausbildung lag. Roggenkamp ist einer von sechs Auszubildenden Pfarrstellenverwaltern, die über die Möglichkeit eines Seiteneinstiegs ohne Studium nach langer diakonischer Arbeit zur Ordination kommen sollen. Hintergrund ist der mangelnde Nachwuchs in der Kirchenarbeit. Tobias Roggenkamp schaffte es, sich von seiner Einführung im November letzten Jahres bis zu seiner Abberufung in die Herzen der Menschen zu predigen. Diesen Teil seiner Arbeit habe er auch zu aller Zufriedenheit erledigt, so Kühne-Glaser, doch es brauche mehr für einen Pfarrer. So habe es im administrativen Bereich in der kleinen Gemeinde Krankenhagen Defizite gegeben. Der Superintendent räumte eigene Fehler bei der Betreuung von Roggenkamp in der Ausbilung ein: "Ich habe ihm zu viel zugetraut!" Roggenkamp hatte, anders als die anderen fünf Pfarrverwalter in Ausbildung, nur eine halbe Stelle für Fortbildung zur Verfügung, die andere halbe Stelle nutzte er für die eigenverantwortliche Verwaltung der Pfarrstelle. Das machte er aus Sicht des bis Juni im Amt befindlichen Kirchenvorstands auch gut, so Petra Sellmann-Sümenicht, die sich fragte: "Warum funktionierte das angeblich unter dem neuen Kirchenvorstand nicht?" Der latente Vorwurf gegen den amtierenden Kirchenvorstand zog sich wie ein roter Faden durch die Versammlung und Christel Struckmann mühte sich, diesen auszuräumen: "Wir haben es uns nicht leicht gemacht und mit Tobias lange geredet!" Unmut herrschte auch über die Art und Weise der Abberufung in einem Gottesdienst am 9. September: "Sehr ungeschickt", so Ortsbürgermeister Gerald Sümenicht. Die Gerüchteküche im Dorf kocht, seitdem Roggenkamp "...abgesägt" (Martin Kampmeier) wurde. Kampmeier selbst hörte Anfeindungen wie "...gut, dass der nicht neben dem Kindergarten wohnt" und "...der ist ja schon drei Mal durch die Prüfung gefallen!" Gerüchte aus der "...untersten Schublade", so Andreas Kühne-Glaser und ein Grund für die Abberufung seien diese Gerüchte nicht. Warum Tobias Roggenkamp dann so "...unwürdig" in einem "...unseligen Gottesdienst" (Martin Kampmeier) abberufen wurde, nannte Kühne-Glaser allerdings nicht. Der Gerüchteküche im Dorf gibt dieses dem Kirchenvorstand und sich selbst auferlegte Schweigegelübde weiteren Vorschub. "Menschlich enttäuscht von der Kirche" zeigte sich Klaus Wißmann, man habe einen Lebensweg zerstört (Martin Kampmeier) und die Kirchenvertreter agierten wie "...Manager eines großen Konzerns; ich schäme mich, dazu zu gehören" (Manfred Kant). Matthias Peterson von der Feuerwehr Krankenhagen: "Tobias muss das ausbaden, was Sie verbockt haben!" Wie es weitergehen soll in der Kirchengemeinde in Krankenhagen wollte Heike Schorling wissen, doch auch dazu ausweichende Antworten: "Wir müssen schauen und planen; einfach wird das nicht", so Kühne-Glaser. Und auch auf die Frage von Frauke Kampmeier, ob Tobias Roggenkamp nach seiner Ausbildung wieder nach Krankenhagen zurück kommen könnte, eine eher ausweichende Antwort: "Sie senden gerade in dieser Versammlung ein starkes Signal und es gibt auch eine Unterschriftensammlung für ihn im Dorf; reichen sie die ein", so Kühne-Glaser. Offen blieb die Frage, warum ein kleines Defizit in "administrativen Aufgaben" zu einer Wiederholung des kompletten Ausbildungsgangs von einem Jahr führt und nicht in einer Intensivbeschulung ausgeräumt wird. Offen blieb auch die Frage, warum der amtierende Kirchenvorstand nicht früher mit dem Pfarrverwalter Probleme besprach und diese mit Hilfestellungen ausräumte. Das Schlusswort von Ortsbürgermeister Gerald Sümenicht zeigte noch einmal, wie verfahren die Situation für die Kirche im Ort ist: "Bedenken Sie: Wir sind Kirche, nicht nur die Damen und Herren der Landeskirche und der Kirchenvorstand. Wir sind die Basis und haben ein starkes Votum abgegeben! Für Tobias Roggenkamp!" Foto: ste

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