RINTELN (ste). Juliane Rohlfing ist Rintelns Integrationsbeauftragte und ihre Arbeit ist richtig und wichtig, das bestritt auch niemand, als sie den Integrationsbericht auf der Ratssitzung im Ratskeller vorstellte. Mit einfachen Worten machte Veit Rauch für die CDU deutlich, dass es keine Alternative zur Integrationsarbeit in einer Stadt wie Rinteln gebe und er seine anfänglich kritische Haltung einer Integrationsstelle mittlerweile korrigiert habe. Dennoch: Er selbst hatte im eigenen Betrieb auch schon schlechte Erfahrungen mit einem Geflüchteten gemacht, dem er eine Chance als Fleischer geben wollte. Nach vier Wochen kam dieser jedoch nicht mehr zur Arbeit und, so war zu hören, war der Meinung, dass seine Ausbildung in Afghanistan für den Job in Deutschland ausreichen würde. Ist die Situation also so rosarot, wie Rohlfing Glauben machen wollte und wobei sie Unterstützung von Christoph Ochs von den Grünen erhielt? Ochs, der selbst viele Kontakte zu Geflüchteten unterhält, bescheinigte ihnen uneingeschränkten Integrationswillen, betonte aber auch: "Arschlöcher gibt es hier und auch dort!" Oder sind Flüchtlinge in großen Prozentzahlen an Integration gar nicht interessiert, wie es Heinrich Sasse meinte? Die Wahrheit liegt wohl wie immer in der Mitte. Sasse von der WGS hatte in sehr deutlichen Worten auf Rohlfings Bericht konstatiert: "Ihre Ausführungen klingen eher wie ein Wunschkonzert als nach der Realität; so ist es aber nicht!" Integration funktioniere nicht ohne den Willen dazu. Und der, so Sasse, sei bei einem hohen Prozentsatz der nach Deutschland geflüchteten Menschen nicht vorhanden. Sasse musste nach seinem Beitrag mit Vorwürfen einer AfD-Haltung leben. Und weitere Fragen taten sich im Rat auf: Kann und muss man geflüchtete Menschen, egal welchen ausländerrechtlichen Status sie haben, alle gleich fördern? Oder bedarf es einer selektiven Förderung nach den Kriterien "Bleiberecht" oder "kein Bleiberecht"? Dr. Gert Armin Neuhäuser wollte zumindest keine Integration nach dem Gießkannenprinzip, sondern gezielten Einsatz von begrenzt vorhandenen Integrationsressourcen. Das, so Rohlfing, spiele jedoch bei ihrer Arbeit keine Rolle. Sie unterbreite Angebote und die differenzieren nicht nach den Bleibemöglichkeiten, sondern richte sich immer an alle hier lebenden Menschen. Denn Abschiebeprozesse dauern unendlich lang, viele Menschen leben über Jahre mit einer Ausreiseverpflichtung und "Duldung" im Land, befinden sich also immer in einer Art Schwebezustand. Das motiviert nicht gerade zur Integration, zum Besuch von Deutschkursen oder zur Aufnahme einer Tätigkeit. Arbeit wird vielen Geflüchteten ohnehin erst einmal untersagt. Und so ist auch das "FIM"-Programm, das zwei Menschen aus Schwarzafrika in Rinteln zu einer geringbezahlten Tätigkeit im Bauhof verholfen hat, ein gefeierter Erfolg der Integrationsarbeit in Rinteln, allerdings nur ein Tropfen auf dem heißen Stein und mit viel bürokratischem Aufwand hinterlegt. Und das dann auch noch einer der FIM-Beschäftigten auf Nachfrage nach einer Weiterbeschäftigung im Bauhof sagt, dass er das nicht weiter für so wenig Geld machen würde, zeugt auch nicht gerade von einem Verständnis für das Leistungsprinzip der deutschen Gesellschaft mit ihrem ausgeprägten Sozialsystem und der Notwendigkeit des "Geben und Nehmens". Ist die Integration also in Rinteln, anders als in anderen Städten gelungen? Ist sie gescheitert? Eine ehrliche Antwort darauf ist sicher nicht in der Bilanz der Integrationsbeauftragten zu suchen, auch nicht bei den plakativen Darstellungen von Heinrich Sasse. Sicher ist: Es mangelt an allen Ecken und Enden an ehrlichen, verlässlichen Zahlen darüber, wie viel Prozent der zu uns gekommenen Menschen sich integrieren wollen und können, wo diese integrationswilligen Menschen herkommen, ob sie eine Bleibeperspektive haben, warum die nicht-integrationswilligen Menschen sich nicht in die Gesellschaft eingliederrn lassen wollen und warum man Menschen abschiebt, die sich bereits bestens integriert haben (die gibt es nämlich mehr als man denkt) und andere im Land lässt, die diesen Willen nicht haben und sich nicht an Regeln und Gesetze halten. Klar wurde jedoch nach dem Vortrag von Juliane Rohlfing: Die Frau gibt sich richtig Mühe, hat viel getan, hat noch viel zu tun und diese Form der Arbeit ist alternativlos; nicht nur in Rinteln, sondern in der ganzen Republik. Foto: ste
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Integration: Gießkannenprinzip oder ein gezielter Ressourceneinsatz?
Integrationsbeauftragte Juliane Rohlfing stellt ihren Bericht vor und muss sich kritischen Fragen stellen
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