1. Spielplätze in Rinteln: Anzahl Hui - Zustand häufig Pfui

    Wenig Anreiz der Spielgeräte für Kinder / Achtung: Fahrradhelme auf den Spielplätzen absetzen / Ausstellung in Bonn

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    RINTELN (ste). Spielplätze gibt es in der Stadt reichlich, ihr Zustand dagegen ist für eine Stadt, die sich das Kindeswohl ganz besonders auf ihre Fahne geschrieben hat, mit Ausnahme einiger guter Ansätze eher kläglich. Spielplätze sollten nämlich, so Fachplaner von gut frequentierten Erlebnisspielplätzen, ein hohes Anregungspotential zum Spielen haben. Und dabei reicht es eben nicht aus, einen Sandkasten, eine Rutsche, eine Schaukel oder ein Kombigeräte aufzustellen und Spielplatz draufzuschreiben. Denn jedes der Einzelspielgeräte verliert schnell seinen Reiz für die spielenden Kinder, die Verweilzeit auf den Geräten ist gering. Spielplätze müssen die Fantasie der Kinder zum gemeinsamen Spielen anregen, müssen Bewegungsmöglichkeiten bieten, Gestaltungsmöglichkeiten für die Kinder haben. Sie selbst sollen fantasievoll entscheiden, was sie gerade wie spielen, sie müssen eine abenteuerliche Geschichte auf den Plätzen erleben. Dabei sind solitäre Spielgeräte wie eine Wippe, Schaukel oder ein Karussell für sich alleine gestellt nur einfache und wenig gestalterische Spielgeräte. In einen fantasievollen Gesamtkontext gestellt können sie einen Spielplatz jedoch auch bereichern. Es muss eine Idee hinter einem Spielplatz stecken, Rutschen müssen auch als Fluchtmöglichkeit beim Packenspiel dienen, Schaukeln können als Station zwischen zwei Spielgeräten Möglichkeiten geben und Spielplätze müssen Kindern auch Rückzugs- und Ruhebereiche bieten. Dabei müssen sie sicher sein, sich zum Verkehrsraum abgrenzen, dürfen keine giftigen Pflanzen enthalten, die Altersklassen sollten auf dem Spielplatz räumlich getrennte Möglichkeiten haben, so dass kleinere Kinder nicht von dem Spieldrang der größeren Kinder "überrannt" werden und ein Spielplatz sollte integrativ sein, das heißt, auch von Menschen mit Beeinträchtigung zu nutzen. Ein hoher Anspruch an den "perfekten Spielplatz". Was einen solchen Platz ausmacht, ist nicht die "Erwachsenensicht" darauf, sondern die der Kinder. Beispiele für gute Spielplätze mit hohem Spielwert, zu denen die Eltern sogar kilometerlange Anfahrtswege auf sich nehmen, gibt es; allerdings sind sie dünn gesäht. Ein Beispiel dafür: Der Spielplatz in Krainhagen mit Grillmöglichkeiten und Sanitäranlagen. Rinteln selbst hat mit den Spielplätzen im Bereich des Dingelstedtwalls, am Josua-Stegmann Wall und dem Mehrgenerationenplatz am Kapellenwall zwar gute Ansätze für gelungene Spielflächen, doch den richtigen "Burner" hat auch Rinteln nicht. Dabei gibt es rein zahlenmäßig reichlich Spielplätze, unter anderem am Weseranger, im Blumenwall, an der Dr. Kruckenbergstraße, Kendalstraße und an vielen weiteren Stellen. Doch alles wirkt eher als Pflichtveranstaltung der Stadt zur Bereitstellung von Spielplätzen, denn als erlebnisorientiertes Spielparadies für Kinder mit dem Potential, Familien mit ihren Kindern in die Stadt zu ziehen. Über 50 Spielplätze sind in der Stadt mit ihren 18 Ortsteilen aufgeführt und viele von ihnen fristen ein eher klägliches Dasein. Uwe Lersch, Spielplatzplaner eines großen dänischen Unternehmens, sieht Deutschland weit abgeschlagen in Sachen kindgerechte Spielplatzplanung. Hier nehme man Spielflächenplanung nicht ernst genug, Spielplätze seien eher ergänzender Spaßfaktor und Pflichtübung für Städte und es gäbe zu viele Menschen, die meinten, dass sie Spielflächen planen könnten und Geräte bestimmen, schreibt er in einem Blog. Ein weiteres Phänomen: Immer mehr Eltern lassen ihre Kinder nur noch mit Helmen auf Spielplätze gehen, weil sie Angst vor Verletzungsgefahren durch Spielgeräte haben. Hintergrund ist auch eine Studie des TÜV, die Spielplätzen deutschlandweit schlechte Noten ausstellte. Die Helm-Meldung kursiert im Internet und deshalb haben bereits einige Städte und Gemeinden Schilder auf ihren Spielplätzen aufgestellt, die ein Tragen von Helmen explizit verbieten. Denn: Zu groß ist das Risiko, mit dem Helm an den Spielgeräten hängen zu bleiben und sich dabei schwer zu verletzen. 2010 starb ein Mädchen in Augsburg auf einer Hängebrücke eines Spielplatzes, stranguliert durch den eigenen Helm. Auch Rinteln hat darauf reagiert und führt ein Helmverbot auf Schildern und der Homepage der Stadt auf. Im Bonner Museum gibt es derzeit eine Ausstellung über Spielplätze: "The Playground Project". Vielleicht ein guter Ansatz, um sich über Spielplätze früher und heute zu informieren. Foto: ste

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