1. "Manche Prozesse dauern leider sehr lange!"

    Samtgemeindebürgermeister Georg Hudalla zu alten Themen und neuen Vorhaben / Pläne für Investitionen

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    SAMTGEMEINDE RODENBERG. Durchaus turbulente Monate liegen hinter der Samtgemeinde Rodenberg. Zwar wurden die noch vor Jahresfrist angekündigten großen Projekte nicht realisiert. Dafür beherrschten andere Diskussionen das Tagesgeschehen: der Ausbau der Bundesstraße 65, der Massenaustritt von CDU-Mitgliedern in Rodenberg und der Feuerwehrbedarfsplan. Wie Samtgemeindebürgermeister Georg Hudalla zu alten Themen und neuen Vorhaben steht, erfuhr Bernd Althammer für das Schaumburger Wochenblatt in einem Interview zum Jahreswechsel. SW: Welche Besonderheiten sehen Sie für das zurückliegende Jahr 2017? Hudalla: Es ist die geradezu bombastische Konjunkturlage. Bauland ließ sich verkaufen, Leerstände wurden beseitigt, die Nachfrage bei Gewerbeflächen hält an. Wir sind hier gut aufgestellt und bieten beste Voraussetzungen. Allerdings wirken sich volle Auftragsbücher auch auf unsere Maßnahmen aus: Der Ausbau des Pohler Gerätehauses ist nicht fertig geworden. SW: Vor einem Jahr haben Sie den Bau zweier Krippen, die Sanierung von Sporthallen und Schwimmbädern und eine Entscheidung über den Feuerwehrbedarfsplan angekündigt. Davon ist nicht viel umgesetzt worden. Hudalla: Manche Prozesse dauern halt leider sehr lange. Auch ist die Politik nicht übermäßig forsch. So wurden in Sachen Sporthalle Ratsentscheidungen vertagt. Gleiches gilt für die Feuerwehrkonzeption. Gerade hier zeigte sich, dass nicht im luftleeren Raum agiert werden kann, sondern man sich an der Realität orientieren muss. Deshalb ist die Diskussion über die Neufassung eines Schutzziels notwendig gewesen. Die Verzögerung bei den Schwimmbädern war gewollt. Hier lässt die Anerkennung als Leader-Projekt Zuschüsse erwarten. SW: Und die diskutierten drei neuen Feuerwehrgebäude? Lassen diese sich innerhalb eines Jahres überhaupt realisieren? Hudalla: Wir können schon drei Häuser bauen, aber nicht innerhalb eines Jahres. Dieser Hoffnung sollte sich niemand hingeben. Ein Anfang wäre in Messenkamp zu machen, weil da alle Voraussetzungen erfüllt sind. Hülsede kann folgen, wenn das Grundstück geklärt ist, und das nördliche Apelern, wenn sich die Wehren untereinander einig sind. Mit ist aber vor allem wichtig, dass die Wehren freiwillig zueinander finden und ein gemeinsames Haus auch als Chance für ein weiteres Zusammengehen finden. Das aber muss gewollt sein und reifen. SW: Im Bauausschuss ist der Vorschlag eingebracht worden, auf eine der ursprünglich beschlossenen zwei Krippen zu verzichten - auch aus Kostengründen. Ist dafür in der Hülseder Krippenlösung die Ursache zu suchen? Hudalla: Ich halte die Entscheidung des Ausschusses für bedenklich, auch weil des hohen Landeszuschusses wegen der Bau in 2018 beginnen muss. Zwar sehen die Zahlen derzeit so aus, dass in 2019 wenige Plätze frei bleiben könnten. Aber wir wollen mehr als die gesetzlich geforderten 35 Prozent an Plätzen vorhalten. Für diesen Bedarf müssen wir doch nur die rasante Siedlungsentwicklung betrachten. Hinzu kommt, dass im Kindergartenalter immer mehr Ganztagsangebote gefragt werden. Auch dafür brauchen wir Kapazitäten. SW: Apropos: Siedlungsentwicklung. Bleibt es bei Ihrem Gedanken, Bauland etwas restriktiver auszuweisen? Hudalla: In der Samtgemeinde wird es vorerst kein großes kommunales Baugebiet geben. Nur in Apelern wollen wir etwas anschieben, um hier nach Rodenberg und Lauenau einen offenbar vorhandenen Bedarf zu decken. Allerdings will die Sparkasse schon bald den zweiten Bauabschnitt ihres Gebiets "Am Felsenkeller" in Lauenau anschieben. Wie schnell das geht, darauf haben wir keinen Einfluss. SW: Ebenfalls im Bauausschuss sind die Investitionen im Hochbau und für die Reparatur von Gemeindeverbindungswegen auf rund 6,5 Millionen Euro beziffert worden. Nehmen wir an, es käme so. Wie soll das finanziert werden? Hudalla: Die Samtgemeinde hat ihre Schulden nochmals abgebaut - auf jetzt 2,5 Millionen Euro. Das gibt uns Raum, mutig neu zu investieren. Wenn die Politik alle ihre Wünsche umsetzen will, dann wird sie auch weitere Einnahmemöglichkeiten zu prüfen haben - wie die Erhöhung der Samtgemeindeumlage. Auch müsste ein Blick auf die Gebühren von Friedhöfen und Kindergärten geworfen werden. SW: Blicken wir in die Mitgliedsgemeinden und speziell in die Stadt Rodenberg. Das "Stockholm" ist ein unverändert heiß diskutiertes Thema. Hudalla: Ein Neubau an dieser zentralen Stelle bringt Herausforderungen mit sich. Aber wir haben ein großes kommunales Interesse an diesem Projekt. Die wirtschaftliche Seite ist Sache der Investoren. Aber ich bin von deren Lösung überzeugt, Wohnen und Gastronomie unter einem Dach zu vereinen. Für Apelern sehe ich Chancen durch das neue Geschäftshaus. In Hülsede läuft endlich die Dorferneuerung an. Messenkamp konnte seine Straßen sanieren. Pohle dürfte endlich Freude haben, wenn die Baustelle Gerätehaus beendet wird. Lauenaus derzeit großes Projekt ist die zweite Arztpraxis. SW: Die CDU in Stadt und Samtgemeinde ist in den vergangenen Monaten stark in die Schlagzeilen geraten. Bleibt das ein parteiinternes Problem oder könnten sich Auswirkungen auf die Ratsarbeit ergeben? Hudalla: In der Stadt sind die Dinge zum Glück schon wieder zur Ruhe gekommen. Und auch der Samtgemeinderat hat sich unaufgeregt neu geordnet. Ich sehe in allen wesentlichen Fragen stabile Mehrheiten. Bei den bedeutenden Themen waren sich die Ratsmitglieder ohnehin weitgehend einig. SW: Sie sind überall präsent bei großen und kleinen Veranstaltungen und suchen den Kontakt zu Vereinen und Einwohnern. Geht das nicht zu Lasten der Leitungsfunktion im Rathaus. Teile der Politik beklagen bereits, es bleibe in der Verwaltung Vieles unerledigt. Hudalla: Es läuft im Rathaus. Auch sind die Stellen da; es fehlen nur Arbeitskräfte. Leider sorgt die wirtschaftliche Gesamtlage auch in Rathäusern für eine eigentlich überraschende Wechselbereitschaft und damit zu Fluktuation. Folglich muss neu eingearbeitet werden. Ich bin froh, dass wir im neuen Jahr zwei wichtige Stellen besetzen können und verspreche mir davon positive Auswirkungen. Foto: al

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