1. Die "Heimatblätter" bewahren das Rieher Platt

    Arbeitskreis bringt eine Doppelausgabe mit einer Wörterliste heraus / Es gibt kaum Aufzeichnungen aus der Zeit

    Dieser Eintrag wird bereitsgestellt durch Schaumburger Wochenblatt | Impressum

    RIEHE (jl). Die neueste Ausgabe der "Rieher Heimatblätter" ist fertig. In der 17. Ausgabe, die eine Doppelausgabe ist, widmet sich der Arbeitskreis Heimatgeschichte im Verein Glück-auf-Riehe titelgetreu einer "Wörterliste des Rieher Platt". "In absehbarer Zeit wird das Plattdeutsch als Muttersprache beziehungsweise Umgangssprache verschwunden sein, da die Gesprächspartner verloren gehen", erklärt Ralf Schröder die Bedeutung des diesjährigen Schriftwerks. 2003 sei in Riehe die letzte "Trachtenfrau" gestorben. Für den Rückgang des Plattdeutschen führt der Arbeitskreissprecher zwei Gründe an: Zum einen wuchsen Kinder bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges noch mit dieser Sprache auf. Das "Hochdeutsch" war für sie eine Fremdsprache. Um diesem gemeinten Mangel zu begegnen, begannen manche Eltern in der Gegenwart des Nachwuchses Hochdeutsch zu sprechen. Zum anderen gab es einen enormen Zuzug von Evakuierten und Flüchtlingen. Erfreulich findet Schröder, dass Gruppierungen die Lindhorster Tracht mit ihren Volkstänzen sowie das Plattdeutsch pflegen und in Erinnerung halten. Aber: Das hiesige ostfälische Platt war und ist immer nur eine gesprochene Sprache. Daher gibt es kaum Aufzeichnungen und auch keine verbindliche Rechtschreibung gemäß eines "Plattdeutsch-Dudens". Bei der Verschriftlichung der gesammelten Wörter ließ sich der Arbeitskreis seinem Sprecher zufolge ausschließlich von dem im einstigen Kirchspiel Nenndorf (Groß Nenndorf, Klein Nenndorf, Waltringhausen, Riehe, Kreuzriehe und Horsten) gesprochenen Dialekt leiten. Im Kirchspiel Hohnhorst und Beckedorf sei der Sprachklang aber ähnlich gewesen. Zwei betagte rüstige Rieher Frauen, "die unser Platt noch mit der Muttermilch aufgenommen haben", so Schröder, halfen dabei, die mehr als 5600 plattdeutschen Wörter zu sondieren. Gemeinsam mit Wilhelm Schröder bildeten Marie Riechert und Anna Oltrogge das kleine Autoren-Team, dem die diesjährige Ausgabe zu verdanken ist. Aus drucktechnischen Gründen ist die Wörterliste in die Ausgaben 17a (Hochdeutsch - Plattdeutsch) und 17b (Plattdeutsch - Hochdeutsch) gegliedert. Zu beziehen sind die "Heimatblätter"über Wilhelm Schröder (Telefon 05723/6784).

  2. Kommentare

    Bitte melden Sie sich an